Medien und Integration: Code of Conduct für faire Berichterstattung

10. Juli 2012, 15:58
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Der Expertenrat für Integration fordert eine Selbstkontrolle der Medien - Im Ehrenkodex der Presse soll Integration explizit thematisiert werden, sagt Mitglied Hans Winkler

Im am Montag präsentierten Integrationsbericht 2012 rät der Expertenrat für Integration zu einer Selbstverpflichtung der Medien. Ein sogenanntes Glossarium soll fehlerhafte und undifferenzierte Berichterstattung bei fremdenrechtlichen und migrationsrelevanten Themen eindämmen und sachliche, korrekte und faire Berichterstattung fördern. Es gehe darum, Zuwanderer nicht immer nur im Zusammenhang mit Bad News zu nennen, sagte Heinz Fassmann, der Vorsitzende des Gremiums, am Montag im ORF-"Morgenjournal". Dazu werde gerade ein Code of Conduct ausgearbeitet.

Wichtigster Ansprechpartner Presserat

Dieses Dokument soll gemeinsam mit dem Österreichischen Presserat ausgearbeitet werden. Hans Winkler, bis 2007 Leiter des Wiener Büros der "Kleinen Zeitung", betreut diese Angelegenheit im Expertenrat. Einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung gebe es noch nicht, sagt er gegenüber derStandard.at, es habe aber schon Vorgespräche mit Claus Reitan, "Furche"-Chef und Vorsitzender des Vereins der Chefredakteure, gegeben. Wichtigster Ansprechpartner ist für Winkler der Presserat: "Für uns war immer klar, dass nicht der Expertenrat den Medien gewissermaßen etwas vorschreiben kann, sondern dass das nur die Medien selbst tun können. Von uns kommt nur die Anregung." Der Expertenrat werde dazu einen Textvorschlag machen. In welcher Form das Thema Integration in den Ehrenkodex der Presse übernommen werde, müsse der Presserat schließlich selbst entscheiden.

Beim Presserat gibt man sich dem Thema gegenüber offen und abwartend. Konkrete Gespräche habe es noch nicht gegeben, erklärt Presserats-Geschäftsführer Alexander Warzilek gegenüber derStandard.at. Mit einer Selbstverpflichtung der Medien müsse man die "Quadratur des Kreises finden", weiß Warzilek, zu "detailverliebt" dürften derartige Regelungen nicht sein, damit sie von den Medien mitgetragen werden können.

Im Ehrenkodex für die österreichische Presse heißt es zum Thema Diskriminierung, dass diese aus "rassischen, religiösen, nationalen, sexuellen oder sonstigen Gründen unzulässig" sei. Diesen Punkt könnte man "explizit auf das Thema Integration ausweiten", schlägt Winkler vor.

Integration als Medienthema

Es habe einen Mangel an Sensibilität im Umgang mit Fragen von Migration und Integration in den österreichischen Medien gegeben, sagt Winkler. In den vergangenen Jahren habe sich dies schon verbessert. "Das hat auch mit mehr Informationen und Kenntnissen zu tun, wie sie beispielsweise die Medien-Servicestelle Neue Österreicher liefert." Außerdem sei Integration "einfach ein 'Thema' geworden". Auch beim Boulevard gebe es mehr Sensibilität - Winkler spricht Aussagen Wolfgang Ainetters bei einer Diskussion im Jänner des Jahres an, wo sich der damalige "Heute"- und nunmehrige "News"-Chefredakteur gegen Ressentiments schürende Schlagzeilen aussprach

Handlungsbedarf sieht der langjährige Journalist trotz der positiven Entwicklungen. "Wir hoffen, dass eine Erklärung des Presserats eine gewisse Vorbildwirkung entfaltet auch für Medien, die ihm nicht angehören", sagt Winkler. Den Presserat anerkannt haben mehr als 80 Medien, darunter DER STANDARD, seit vergangener Woche auch die "Presse". Nicht auf der Mitgliederliste sind die "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich".

Glossar für Journalisten

Neben Empfehlungen für differenzierte Berichterstattung soll es auch einen Katalog von Begriffsdefinitionen geben. Dieses Glossar werde sich am "Glossary on Migration" der International Organization for Migration (IOM) orientieren, aber nicht so ausführlich werden, so Winkler. Im IOM-Werk werden auf 114 Seiten Begriffe von abduction (Menschenraub) bis xenophobia (Fremdenfeindlichkeit) erklärt. (Sabine Bürger, derStandard.at, 11.7.2012)

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