Siglinde Bolbecher 60-jährig gestorben

10. Juli 2012, 12:43

Baute Theodor Kramer Gesellschaft auf und widmete sich vergessener Literatur der von Nazis vertriebenen Autoren - Bolbecher starb am Freitag nach kurzer, schwerer Krankheit

Wien - Die österreichische Lyrikerin und Exilforscherin Siglinde Bolbecher ist am vergangenen Freitag im Alter von 60 Jahren gestorben. Wie die Theodor Kramer Gesellschaft, die von Bolbecher begründet wurde, am Dienstag mitteilte, starb sie nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreis ihrer Familie. In den vergangenen 35 Jahren hatte sie "unablässig dafür gearbeitet und gekämpft, dass die vergessene Literatur der von den Nazis vertriebenen österreichischen SchriftstellerInnen wieder ihren Platz im Bewusstsein der Menschen bekommt".

Am 18. Juni 1952 in Wien geboren, gründete die auch selbst als Lyrikerin tätige Bolbecher in den frühen 1980er Jahren sowohl die Theodor Kramer Gesellschaft als auch den Verein zur Förderung und Erforschung der Antifaschistischen Literatur. Als Herausgeberin verantwortete sie das "Lexikon der österreichischen Exilliteratur", an dem 15 Jahre lang gearbeitet worden ist, 29 Jahrgänge der "Zwischenwelt", vormals "Mit der Ziehharmonika", und die "Buchreihe antifaschistische Literatur und Exilliteratur - Studien und Texte". Sie organisierte zahlreiche Ausstellungen und Symposien zur Literatur von Frauen im Exil und zum Frauen- und Männerbild im Nationalsozialismus und leitete seit 2002 die Frauen-Arbeitsgemeinschaft in der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.

Goldenes Ehrenzeichen für besondere Verdienste

Erst im März 2012 war Bolbecher von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer für ihre Arbeit und dafür, "wesentlich zur Erforschung und Verbreitung österreichischer Exilliteratur beigetragen" zu haben, mit dem Goldenen Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet worden. Sie selbst habe habe über ihre Aufklärungsarbeit oft gesagt, dass "diejenigen, die Gesetze und Verordnungen gegen Flüchtlinge dekretieren, die Geschichte des Exils kennen sollten". (APA, 10.7.2012)

  • Siglinde Bolbecher im März dieses Jahres bei der Verleihung des  Goldenen 
Ehrenzeichens für besondere Verdienste um die Republik Österreich.
    foto: parlamentsdirektion/bildagentur zolles kg/mike ranz

    Siglinde Bolbecher im März dieses Jahres bei der Verleihung des  Goldenen Ehrenzeichens für besondere Verdienste um die Republik Österreich.

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