Das Huhn als Botschafterin

Interview11. Juli 2012, 07:00
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Der neue Sender Sixx wirbt mit "Mädels, euer Fernsehen ist da!" - dieStandard.at fragt beim Sender nach dem Zusammenhang zwischen Programm und Frauen

Österreich hat seit 3. Juli einen sogenannten "Frauensender". Ein Huhn mit Krönchen, langen Wimpern und Österreich-Schleife um den Hals sowie der Slogan "Mädels, euer Fernsehen ist da!" bewerben Sixx Austria. "Euer Fernsehen" übersetzt Sixx Austria in Serienformate wie "Desperate Housewives", "Lipstick Jungle", "Melrose Place" und "Verliebt in Berlin", Reality-Formate wie "Frank - Der Weddingplaner" und Kochsendungen. Ob sich Frauen per se dafür interessieren und ob die Hühner in der Werbung für Frauen stehen sollen, wollte dieStandard.at im E-Mail-Interview von Sixx-Geschäftsführer Bernhard Albrecht wissen.

dieStandard.at: In der Sixx-Werbekampagne werden gezielt Frauen angesprochen. Können Sie es nachvollziehen, dass sich manche an der Bezeichnung "Frauensender" stoßen? Eine unserer LeserInnen äußerte etwa die Kritik, es werde suggeriert, dass Frauen einen Sender wollen, auf dem tagaus, tagein mehr oder weniger sinnfreie/dumme/schlechte Serien bzw. Koch-Sendungen laufen.

Albrecht: Das erachte ich für eine strenge Kritik, denn Sixx ist ein Unterhaltungssender, und sowohl die aktuelle Werbekampagne als auch die Bezeichnung "Frauensender" sind stets mit einem Augenzwinkern zu sehen. Unsere Werbung soll Interesse an dem Programm wecken und muss natürlich dabei verkürzen. Die Welt ist sicherlich um vieles komplexer. Gleichzeitig sucht Sixx Programme, bei denen wir von einer höheren Affinität bei Frauen ausgehen. Ob das tatsächlich so ist, wird die Zeit zeigen. Auch würde ich die Serien, die wir zeigen, nicht als "sinnfrei" oder "dumm" bezeichnen.

dieStandard.at: Warum das Huhn in der Sixx-Werbung? Wird hier die Analogie "Frauen/Hühner" bemüht?

Albrecht: Alle Infos zu unserem Sender werden so auf eine ungewöhnliche und sehr bildstarke Art und Weise kommuniziert - und das wohlbemerkt immer mit einer großen Portion Selbstironie. Das Huhn steht nicht für die Frauen, das Huhn ist die Botschafterin des Senders. 

dieStandard.at: Es gibt bestimmt auch viele Männer, die sich für die Sendungen auf Sixx interessieren - nimmt sich der Sender nicht etwas, wenn so explizit nur Frauen angesprochen werden?

Albrecht: Wir sind davon überzeugt, dass ein Spartenprogramm eine spannende Alternative zu den tagesaktuellen Vollprogrammen sein kann - ähnlich wie im Printbereich Frauenzeitschriften. Zudem sind natürlich Zuseher ebenso willkommen. Auch sind doch wohl meistens die Frauen die Entscheider, wenn es um die Wahl des Programms geht.

dieStandard.at: Kochen, Hochzeitsplaner, Soaps und Serien - meinen Sie, dass sich Frauen per se für diese Themen interessieren?

Albrecht: Ja, die Quoten zeigen es.

dieStandard.at: Woher weiß man so genau, wer (Männer oder Frauen, Alter usw.) welche Sendungen konsumiert?

Albrecht: Fernsehen ist ein sehr genau untersuchtes Medium, das durch den Teletest* eine sehr hohe Transparenz hat. Dadurch besteht mehr Spielraum, zielgruppenspezifische Sender zu entwickeln. 

dieStandard.at: "Der schönste Tag im Leben einer Frau" ist laut einem der Sixx-Pressetexte die Hochzeit - ziehen progressivere Bilder von Frauen keine Werbekunden an?

Albrecht: In der Bewerbung sind Klischees einfach sehr hilfreich. Und eine Hochzeit ist sicher ein schöner und emotionaler Tag. Auch das sollte man mit einer gesunden Ration an Selbstironie betrachten. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 11.7.2012)

* Teletest ist eine Arbeitsgemeinschaft von ORF, ATV, Servus TV, Seven One Media Austria (Vermarkter der ProSiebenSat.1-Gruppe) und IP Österreich (Vermarkter der RTL-Gruppe), die Studien zur Messung der Reichweiten von Fernsehen in Österreich in Auftrag gibt.

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