Zwei Stunden Schreien pro Tag noch "normal"

Die Hälfte der Eltern glaubt fälschlicherweise, dass ihr Baby ein Schreibaby ist - Mit fünf Monaten endet die Schreiphase

Weimar - In den ersten Lebenswochen kann ein Baby etwa zwei Stunden täglich schreien, ohne dass sich Eltern Sorgen machen müssen, berichtet der deutsche Online-Reportagedienst humannews. Laut australischen Forschern glaubt die Hälfte der Eltern fälschlicherweise, dass ihr Baby ein Schreibaby ist.

"Als ein Schreibaby gilt ein Säugling, der täglich mehr als drei Stunden an mindestens drei Tagen der Woche über mehr als drei Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit und sich kaum beruhigen lässt. Dann und wenn Still‐ und Schlafprobleme hinzukommen oder Eltern sich überfordert fühlen, sollten sie frühzeitig die Hilfe ihres Kinder‐ und Jugendarztes in Anspruch nehmen", erklärt Monika Niehaus, Kinder‐ und Jugendärztin in Weimar und Pressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder‐ und Jugendärzte (BVKJ) in Thüringen. "Denn überforderte Eltern neigen dazu, falsch zu handeln, und es besteht die Gefahr, dass sie den Säugling beispielsweise schütteln, was zu lebensgefährlichen Schäden führen kann", warnt Niehaus.

Mit Hautkontakt beruhigen

Heute gehen Experten bei Schreibabys von einer Regulationsstörung aus, das bedeutet, die Babys können sich nicht ihrem Alter entsprechend selbst beruhigen. "Der Kinder‐ und Jugendarzt hilft, Fütter- und Stillprobleme oder eine überforderte Verdauung aufzudecken und weiß, wo Eltern eine eingehende Beratung erhalten", rät Niehaus. Bei der Durchsicht von verschiedenen Studien ermittelten die Australier, dass das Füttern bei den ersten Unmutszeichen des Babys sowie viel Hautkontakt das Weinen eventuell mindern kann. Wenn ein Kind schon aus der Fassung geraten ist, empfehlen sie, es ruhig zu halten, bis es trinkbereit ist.

Bei einer "gesunden" neuronalen Reifung verringert sich das Schreien auf durchschnittlich etwa 70 Minuten, wenn das Baby zehn bis zwölf Wochen alt ist, mit fünf Monaten beruhigen sich die meisten Babys. (red, derStandard.at, 10.7.2012)

Abstract

Douglas, P., Hill, P.: Managing infants who cry excessively in the first few month of life. BMJ 343, 265 (2011)

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