Ein Blick in die Online-Redaktion der Austria Presse Agentur

11. Juli 2012, 09:56
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Die Multimedia-Redaktion der APA zwischen Datenjournalismus, Übertragungsrucksäcken und Social-Media-Ablehnung

Die Austria Presse Agentur (APA) ist einerseits die wichtigste Versorgungsquelle für Österreichs digitale Nachrichtenportale, andererseits funktioniert das Unternehmen selbst wie eine Online-Redaktion. Inmitten der nach Art eines Tortendiagramms angeordneten Ressorts liegt seit 2005 die Multimedia-Redaktion mit 50 angestellten Mitarbeitern: 45 Redakteuren und fünf Produktmanagern als Schnittstelle zum Markt.

Die Multimedia-Redaktion deckt die Bereiche Breaking News, Business News, Video und Produktmanagement ab und arbeitet als einzige Redaktion mit dem Gesamtdienst. Das bedeutet in der Praxis, dass die Informationen nicht ressortspezifisch, sondern aus dem großen Infopool bezogen werden. Durch den daraus entstehenden Gesamtüberblick können die Multimedia-Redakteure entsprechend Foto- oder Videolücken in anderen Ressorts schließen.

Multimedia aus der Vogelperspektive

"Genau diese Funktion macht den Kernunterschied aus", erklärt Marcus Hebein, Leiter der APA-Multimedia. "Bei Multimedia geht es darum, Artikel anzureichern, Informationen anders aufzubauen und auch selbst zu recherchieren", so Hebein. "Wir produzieren redaktionelle Inhalte für unterschiedlichste Anwendungen und Kunden. Das bedeutet, dass die inhaltlichen und technischen Anforderungen vieler berücksichtigt werden müssen."

Darüber hinaus ist die Multimedia-Abteilung dafür zuständig, durch Kooperationen mit anderen Nachrichtenagenturen oder Partnern Inhalte aufzubringen, die im APA-Basisdienst nicht gespielt werden, etwa Statistikdaten zu Sportereignissen oder Wahlen. Der Anteil an Eigengeschichten schwankt durch diese Arbeitsweise von Bereich zu Bereich. Die Video-Redaktion beispielsweise liefert hundert Prozent Eigencontent, bei Beiträgen zu Politik oder Sport werden hauptsächlich die Inhalte der Basisdienst-Ressorts verwertet.

Neue Übertragungsrucksäcke

Strukturell wird aufgrund der technischen Entwicklungen im Kamera-Bereich bereits darüber nachgedacht, die in den Basisdienst ausgegliederte Fotoredaktion eines Tages mit dem Videoteam zusammenzulegen.

Um die nötigen Grundvoraussetzungen für die weitere Produktentwicklung in diesem Bereich zu schaffen, hat die APA auf Übertragungsrucksäcke von LiveU umgesattelt. Mit sieben SIM-Karten ausgestattet, wird das gefilmte Material über mehrere Mobilfunkfrequenzen nun zeitgleich an den Wiener Schneideplatz geliefert. "Auch Reuters und einige österreichische Privatsender verwenden diese Rucksäcke", sagt Hebein. "2013 könnten wir damit Live-Video-Produkte anbieten."

Ablehnung von Social Media

Eine Orientierung an anderen Presseagenturen gibt es laut dem Leiter der Multimedia-Abteilung nur eingeschränkt, obwohl man natürlich immer wieder einen Lokalaugenschein im Ausland tätigt. "Wir haben uns durch die Gründung der APA-IT stark orientiert, weshalb wir einige Probleme weniger haben als andere Nachrichtenagenturen", gibt sich Hebein überzeugt. "International schaut man sich eher bei uns etwas ab." Was jedoch bei anderen Agenturen wie PA in London schon zu beobachten sei, sei die starke Präsenz in sozialen Medien. Hebein glaubt jedoch für den österreichischen Markt nicht an dieses Modell: "Wir sollten nicht die Massen erreichen. Wir sind der Großhändler, der die Medien beliefert."

APAcademy

In puncto Weiterbildungsmöglichkeiten hat sich die APA durch die Gründung der APAcadamy sowohl extern als auch bei den eigenen Mitarbeitern vielfältig positioniert. Das Programm umfasst an die 30 Bereiche. Das Spektrum reicht von allgemeinen Themen wie Projektmanagement und Bilanzenlesen über Sprachkurse, Rhetorik- und Präsentationstechniken bis hin zu redaktionsspezifischen Ausbildungsbereichen.

Projekt Datenjournalismus

Um auch in Zukunft die Kundenbedürfnisse und digitalen Hypes bedienen zu können, wurde kürzlich eine Kooperation mit Regiosport, einer Plattform für lokale Sportergebnisse, eingegangen. Zudem wird an neuen Formaten für mobile Endgeräte, einer neuen technischen Infrastruktur für die Videoproduktion sowie am Projekt Datenjournalismus gearbeitet.

Für Letzteres gibt es bereits das konkrete Vorzeigeprojekt "Visual Data", bei dem versucht wird, möglichst viele Inhalte, die öffentlich verfügbar sind, zu sammeln und technisch neu aufzubereiten. "Derzeit bekommen wir schon Daten vom AMS und der Wirtschaftskammer", sagt Hebein. Andere sollen bereits in Kürze dazukommen. (Tatjana Rauth, derStandard.at, 10.7.2012)

Info

Nächsten Dienstag gewährt die Online-Redaktion der "Oberösterreichischen Nachrichten" einen Blick hinter die Kulissen.

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    Marcus Hebein leitet die APA-Multimedia seit 2004, seit 2009 fungiert er auch als stellvertretender APA-Chefredakteur.

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    Der Besprechungstisch bildet das Herz der APA-Redaktion. Rechts davon sitzt der jeweilige Newsmanager, der die Koodination und Steuerung der Dienste übernimmt und Probleme zwischen den Ressorts löst. Direkt dahinter befindet sich die Multimedia-Redaktion.

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