Russische Wikipedia protestiert gegen Zensur-Gesetz

10. Juli 2012, 09:45
  • Die russische Wikipedia bleibt diese Woche schwarz
    screenshot: derstandard.at

    Die russische Wikipedia bleibt diese Woche schwarz

Neuer Gesetzesentwurf gefährdet weiterhin freie Meinung und freies Wissen in Russland

Die russische Version der Wikipedia wird diese Woche ein sogenanntes Blackout erleben. Die Inhalte der Seite sind seit Dienstagfrüh nicht erreichbar. Lediglich ein schwarzer Balken und ein Text sind sichtbar, wenn man die Seite aufruft. Die Seite besagt, dass ein neues Informationsgesetz die Zensur im Internet in Russland verschärfen und die Schließung von Wikipedia zur Folge haben könnte. Die Wikipedia-Gemeinschaft protestiere deshalb gegen Zensur, die freies Wissen gefährde. Die Menschen werden gebeten, den Gesetzesentwurf nicht zu unterstützen und dagegen anzukämpfen.

"Schwarze Liste" an Websites

The Verge berichtet, dass dieser Gesetzesentwurf bereits von allen vier Parteien, die in der Duma vertreten sind, unterstützt wird und das trotz heftiger Kritik seitens Menschenrechtsorganisationen und Internet-Providern. Das Gesetz erlaubt dem Staat ein schnelleres Vorgehen bei Kinderpornographie oder extremistischen Inhalten, indem Webseiten gesperrt werden. Russische Gerichte und eine Agentur, die diese "schwarze Liste" verwaltet, können dann Internetseiten sperren lassen. Kritiker jedoch meinen, dass gefährliche Inhalte ohnehin schnell zu anderen IP-Adressen verschoben werden können. Das Gesetz wird am Mittwoch verabschiedet.

Erinnerung an SOPA und PIPA

Der Protest erinnert stark an Wikipedias Blackout, um gegen SOPA und PIPA zu protestieren. Damals wurde unter anderem aufgrund des starken Protests die Diskussion um beide Gesetzesentwürfe verschoben. (iw, derStandard.at, 10.7.2012)

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4 Postings
Ja ja, liebe Russen,

die vorgeschobenen Gründe mit Kinderpornographie und Extremistischen Inhalten haben schon in Europa nicht funktioniert um Netzsperren zu rechtfertigen, und in Europa ist man gemütlicher wenn es um Revolutionen geht.
Mal abgesehen davon, wenn die Seiten gesperrt werden, machen die Betreuber weiter und weichen auf TOR aus. Und TOR ist unzensierbar.

bist da sicher?

Ich bin mir sicher. Auch dass dann solche Schläge wie gegen 272 KiPo Konsumenten wie vor einer Woche, oder gegen die ganzen Alpen-Donau-Doodeln dann nicht mehr möglich wären.
Die Frage ist daher, ob es besser ist alle aufs TOR zu verscheuchen, wo sie einem die lange Nase zeigen, oder ob man nicht besser auf die Sperren verzichtet und dafür die weniger intelligenten aberntet.
Pragmatische Sicht vs. Emotionen...

und wenn Pumpguns, Kampfhunde, Alkoraser (zb mit 50 in der 30er Stelle beim Heurigen) und Rauchen was mit Internet zu tun hätten, wär das alles ebenfalls für Internetsperren gut :)

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