Strafverfahren gegen "Weltwoche" wegen Roma-Bildes eingestellt

  • Das heftig kritisierte Cover der Schweizer "Weltwoche". Das Bild des Fotografen Livio Mancini entstand im kosovarischen Gjakova - nicht in der Schweiz.
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    Das heftig kritisierte Cover der Schweizer "Weltwoche". Das Bild des Fotografen Livio Mancini entstand im kosovarischen Gjakova - nicht in der Schweiz.

Staatsanwaltschaft: Bild setzt nicht Roma als Volk herab, sondern thematisiert Missbrauch von Kindern durch Roma-Clans

Zürich - Das Strafverfahren gegen die "Weltwoche" wegen eines umstrittenen Titelbilds ist eingestellt worden. Die Wochenzeitung hatte Anfang April einen Roma-Buben gezeigt, der mit einer Pistole auf den Betrachter zielt. Das Bild zur Schlagzeile "Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz" illustrierte einen Bericht über Roma-Kriminalität.

"Das Titelbild zusammen mit dem Inhalt des Artikels setzt die Roma nicht als Volk herab", sagte die Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, Corinne Bouvard, am Montagabend in der Sendung von Radio DRS. Thematisiert werde damit lediglich der Missbrauch der Kinder durch die Roma-Clans.

Spielplatz Mülldeponie

Das Bild war ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang aufgenommen worden, wie sich später herausgestellt hatte. Der italienische Fotograf Livio Mancini hatte es 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen. Die Pistole war eine Spielzeugwaffe.

Mehrere Anzeigen wurden nach der Veröffentlichung der von Kritikern als rassistisch eingestuften Illustration eingereicht, darunter eine durch den österreichischen Journalisten Klaus Kamolz. Daraufhin leitete die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung ein, um abzuklären, ob die "Weltwoche" mit dem Titelbild gegen die Antirassismus-Strafnorm verstoße.

Köppel: "Journalistisch präzise" Illustration

"Weltwoche"-Chefredakteur und -Herausgeber Roger Köppel verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf des Rassismus. Es müsse erlaubt sein, über problematische Entwicklungen zu recherchieren und zu berichten. Der Bericht als solcher sei von keiner Seite beanstandet worden - und das dokumentarische Titelbild illustriere und symbolisiere ihn "journalistisch präzis": Es zeige Verwahrlosung, kombiniert mit dem Missbrauch von Kindern für kriminelle Machenschaften. (APA, 9.7.2012)

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