Auf der Suche nach der Teilzeitfalle

Conrad Seidl
9. Juli 2012, 17:56

SPÖ-Frauen warnen vor Gefahren der Teilzeitarbeit - und wollen Anreize für mehr Fulltimejobs schaffen

Wien - Der weiße Scottish Terrier hat es gut an schwülen Tagen wie dem Montag: Im Büro von Unitcargo in Wien-Meidling gibt es eine Klimaanlage. Wohlfühlatmosphäre für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; auch für deren Haustiere und, wenn es sich ergibt, auch für ihre Kinder.

Das Speditionsunternehmen ist kein Durchschnittsbetrieb, die 35 Beschäftigten kommen aus aller Herren Länder - und es sind überwiegend Frauen. Das hört Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bei ihrem Betriebsbesuch gerne. Sie hört auch gerne, dass Frauen sich als Disponentinnen besonders bewähren, sie interpretiert sofort: "Frauen bieten die besseren Lösungen an."

"Kind abgeben"

Gabriela Tomasikova, in der Slowakei geborene Managerin des Unternehmens, quittiert die Bemerkung mit einem Lächeln und erzählt von ihrer Karriere: Zehn Jahre lang hat sie hart gearbeitet, hat dann die Karriereunterbrechung durch die Geburt eines Kindes gebraucht. Hat sich während der Karenzzeit weitergebildet und ist auf einen besseren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Das Wunschkind zieht sie alleine auf - gegebenenfalls arbeitet sie auch von daheim: "Wozu soll ich ein Kind haben und es dann irgendwo abgeben?"

Das hört die Ministerin nun nicht so gern, "ich wehre mich gegen das Wort 'abgeben'". Sie will ja mehr Kinderbetreuung fördern, will vor den Gefahren der Teilzeitarbeit für die Karriere (und spätere Pensionsansprüche) warnen, wie es die SPÖ-Frauen in ihrer Frühjahrskampagne getan haben.

Frau Tomasikova ist nicht das ideale Beispiel für die Thesen der SPÖ-Frauen, sie sagt ganz klar: "Frauen möchten sich doch um ihre Kinder kümmern." Und die Fallen, die Heinisch-Hosek in der Teilzeitarbeit sieht, kann sie in ihrem Unternehmen auch nicht ausmachen: Die Mehrzahl der Teilzeitbeschäftigten hier ist männlich - es sind Leute, die ordentlich verdienen, aber im Leben auch noch etwas anderes machen wollen.

"Notlösung"

Die Wahrnehmung der Ministerin und SPÖ-Frauenvorsitzenden ist eine andere: "Für die meisten Beschäftigten ist Teilzeit nur eine Notlösung, das haben wir in annähernd 40.000 Gesprächen bei Veranstaltungen in 94 Bezirken immer wieder zu hören bekommen." Die Frühjahrskampagne soll nun konkrete Früchte tragen: Noch im Herbst soll im Arbeitszeitgesetz fixiert werden, dass Teilzeitkräften neu entstehende Vollzeitarbeitsplätze zuerst angeboten werden müssen - und dass jene, die viele Mehrstunden leisten, Anspruch auf Anpassung der Arbeitszeit bekommen.

Zweite Stoßrichtung der Ministerin ist eine Umgestaltung der Familienbeihilfe - die derzeitige Regelung sei nämlich extrem ungerecht. Die SPÖ will, dass die Familienbeihilfe als höhere Geldleistung ausbezahlt wird, dafür sollten aber die steuerlichen Vorteile entfallen. So könne Geld für Kinderbetreuungsplätze frei werden.  (Conrad Seidl, DER STANDARD, 10.7.2012)

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also ich habe die ersten 10 jahre berufsleben bewusst und absichtlich in teilzeit verbracht

und hätte unter gar keinen umständen für vollzeit unterschrieben. weil ich nicht NUR hakln will, da verzichte ich lieber auf etwas geld.

es ist mM eh die grundfalsche richtung, VOLLzeit forcieren zu wollen - bei Bevölkerungswachstum und zunehmender Automatisierung... man wird in ganz neue richtungen denken müssen, das alte, hier propagierte, denkmodell ist veraltet. nicht die Arbeit ist was wir alle brauchen, sondern nahrung und wärme.

stimme zu

Zukunftsforscher bestätigen diesen Trend

den ganzen Tag in der Arbeit sein, ist nicht das wahre. Am Sonntag ist oft Hausarbeit angesagt.
selbst wenn man die Arbeit mag- Teilzeit bedeutet Lebensqualität

in deutschland ist die politik weiter

hier warnt von der leyen in klaren worten vor der armutsfalle - vor allem - für frauen die später einmal wegen einzementiertsein in der teilzeitfalle zwar sehr lange in die pensionsversicherung eingezahlt haben, aber letztlich monetär kaum pensionen beziehen werden, die ein mindestmaß absicherung garantieren. diese problematik wird auch in österreich in den nächsten zwei jahrzehnten virulent werden.

Langsam wird es skurril.

Für jeden, der kürzertreten will, gibt es Verständnis. Für Führungskräfte, die aussteigen, hat man Hochachtung, für Männer, die ihre Karriere, ihre Verdienstwünsche zurückschrauben, um sich um die Kinder zu kümmern hat man Hochachtung.

Nur für Frauen, vorzüglich Mütter, die lieber bei ihren Kindern sind, die anstatt tagtäglich in der Arbeitstretmühle zu stehen lieber teilzeitarbeiten, für die hat man nur Spott und Hohn über.

Ideologie

Frauen sollen eben wie Männer werden

Es schmerzt viele, das Frauen noch so konservativ sein wollen und Zeit für Kinder verwenden wollen
absurd

viele frauen

1) wollen wenn sie kinder haben gar nicht arbeiten und fehlt es meistens an durchhaltevermögen (süchte), qualifikation (kein schulabschluss) und motivation (sozialstaat sorgt sowieso im mindestmass) überhaupt einen job anzunehmen bzw. zusätzlich auszufüllen!

2) weitere gründe sind die diskreminierungen in den verschiedenen familienverhältnissen - patchwork, alleinerziehend bzw. verheiratet!

3) verteilungsdefizite jeder mensch hat das recht den selben ausgleich für seine leistungen zu bekommen, egal in welchen sozialen, ökonomischen verhältnissen wer lebt!

4) machterhalt - leider gibt es in at keine einheitlichen regelungen, jedes bundesland will ja seine sozialjobs haben! geldverschwendung pur auf kosten der einzelnen bürger

wo wird so ein ideologischer Unsinn indoktriniert? Gruwi? Gewi? Schule?

eine Bekannte von mir hat derzeit eine Vollzeit- und eine Teilzeitstelle ausgeschrieben - doppelt soviele Bewerbungen für die Teilzeitstelle - und nicht nur Hausfrauen mit Kindern - tlw. auch Ex-Führungskräfte männlich und weiblich, die kürzer treten wollen und lieber wieder auf eine Assistenzstelle reflektieren und den Kopf frei haben....

es ist zu unterscheiden

zwischen jenen die sich freiwillig für eine reduzierung der arbeitszeit entscheiden und jenen, die keine chance auf einen vollerwerb bekommen!

nona. Voll reinbuttern ist sicher für einige, auch viele Jahre, gut und schön. Ich habe aber vollstes VErständnis für jede Frau und jeden Mann, die noch was anderes auch haben wollen vom Leben als nur malochen. Die Ex-Führungskraft will den Stress aus dem Kopf kriegen, die Mutter will die Zeit mit ihren Kindern verbringen - ja auch Väter soll es bereits geben, die auch gemeinsam mit der Frau die Ansprüche zurückstellen und gemeinsam vielleicht 60 Wochenstunden arbeiten und mehr zeit für Familie und füreinander haben.

Wenn ich die Wahl habe zwischen 3800 brutto für 40h

Oder 2800 brutto für 30h nehm ich auch Teilzeit.

"Teilzeitfalle" ???

Die meisten Frauen sind doch heilfroh, wen sie einen Halbtagsjob ergattern, um am Nachmittag bei den Kindern sein zu können.
Was daran schlecht sein soll, kann wohl nur eine sozialistische Funktionärin erklären.

Wer Teilzeit arbeiten WILL, sollte das können.

Es ist aer eine gewaltige Unart udn Ausbeutung von Firmen, jede Menge Teilzeitkräfte einzustellen und die dann jede menge Mehrstunden ableisten zu lassen, bloß um sich die Gehälter von Ganztagskräften zu drücken. DABEI hat dann niemand mehr die Freiheit, zu entscheiden!

Die Frauen sind heilfroh, dass sich irgendwer kompetent um die

Kinder kümmert, weil deren Vater nie im Leben daran dächte, seine Arbeitszeit dafür zu kürzen. Über die Konsequenzen des Teilzeitjobs sind die Frauen aber nicht froh. Besonders nicht, wenn der Herr Gemahl sich in späteren Jahren vertschüsst und dann partout nicht einsieht, warum er die "faule" Frau, die ihm auf ihre Kosten den Rücken freigehalten hat, dann seinerseits alimentieren soll.

Da liegt das Problem aber tiefer als bei der Teilzeitarbeit, nämlich beim Vertschüssen, das momentan durchaus modern ist. Hier würde eine gesellschaftspolitische Korrektur durchaus vernünftig sein.

Wer Ihnen für so was rot gibt.

Naja is eh klar, passt halt nicht, wenn man(n) so klar aufgedeckt wird.... ;)

also das sie "froh" sind wird wohl kaum stimmen. wenn es ginge wären sie zuhause und spielen mit den kindern.

was für frauen kennen Sie?

Wo es Betreuung der Kinder gibt ist Vollzeit möglich

Man redet ihnen das ein! Sie wären schlechte Mütter leider, wird's auch geglaubt

habe keine Kinder

und arbeite auch immer Teilzeit- möchte nie mehr zurück

das ist Geld nicht wert, man kann auch mit weniger gut leben

Und die xxxx Mindestpenisonistinnen nach einem Leben voller Arbeit und einem Alter in relativ einfachen Verhältnissen - aber die Mami ist ja eh mit einem Danke u. Essen am Muttertag glücklich, nicht? Haben Frauen ja schon genetisch festgelegt diese Demut und Selbstlosigkeit.

Frauen haben genetisch festgelegte Demut und Selbstlosigkeit

Das ist deine Meinung.

Erstens erkennens Ironie nicht und zweitens kann man vom Gelabere und Dank keine Miete bezahlen.

Halbtagsjobs = genetisch festgelegte Demut und Selbstlosigkeit

Die Diskussion find ich lächerlich.
Ich kenne niemanden, der mit vorgehaltener Pistole zur Teilzeit gezwungen wird.
Eher kenne ich Leute, die keinen Teilzeitjob kriegen. (nur Vollzeit)

naja in den Einzelhandel schauen...

da gibt´s meist außer für den Filialleiter nur Teilzeit...

um die, die im 30-Stunden job 3000,-EUR verdienen gehts da eh nich sondern um die die für 30h 1000,-- EUR brutto verdienen...

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