Auf der Suche nach der Teilzeitfalle

SPÖ-Frauen warnen vor Gefahren der Teilzeitarbeit - und wollen Anreize für mehr Fulltimejobs schaffen

Wien - Der weiße Scottish Terrier hat es gut an schwülen Tagen wie dem Montag: Im Büro von Unitcargo in Wien-Meidling gibt es eine Klimaanlage. Wohlfühlatmosphäre für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; auch für deren Haustiere und, wenn es sich ergibt, auch für ihre Kinder.

Das Speditionsunternehmen ist kein Durchschnittsbetrieb, die 35 Beschäftigten kommen aus aller Herren Länder - und es sind überwiegend Frauen. Das hört Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bei ihrem Betriebsbesuch gerne. Sie hört auch gerne, dass Frauen sich als Disponentinnen besonders bewähren, sie interpretiert sofort: "Frauen bieten die besseren Lösungen an."

"Kind abgeben"

Gabriela Tomasikova, in der Slowakei geborene Managerin des Unternehmens, quittiert die Bemerkung mit einem Lächeln und erzählt von ihrer Karriere: Zehn Jahre lang hat sie hart gearbeitet, hat dann die Karriereunterbrechung durch die Geburt eines Kindes gebraucht. Hat sich während der Karenzzeit weitergebildet und ist auf einen besseren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Das Wunschkind zieht sie alleine auf - gegebenenfalls arbeitet sie auch von daheim: "Wozu soll ich ein Kind haben und es dann irgendwo abgeben?"

Das hört die Ministerin nun nicht so gern, "ich wehre mich gegen das Wort 'abgeben'". Sie will ja mehr Kinderbetreuung fördern, will vor den Gefahren der Teilzeitarbeit für die Karriere (und spätere Pensionsansprüche) warnen, wie es die SPÖ-Frauen in ihrer Frühjahrskampagne getan haben.

Frau Tomasikova ist nicht das ideale Beispiel für die Thesen der SPÖ-Frauen, sie sagt ganz klar: "Frauen möchten sich doch um ihre Kinder kümmern." Und die Fallen, die Heinisch-Hosek in der Teilzeitarbeit sieht, kann sie in ihrem Unternehmen auch nicht ausmachen: Die Mehrzahl der Teilzeitbeschäftigten hier ist männlich - es sind Leute, die ordentlich verdienen, aber im Leben auch noch etwas anderes machen wollen.

"Notlösung"

Die Wahrnehmung der Ministerin und SPÖ-Frauenvorsitzenden ist eine andere: "Für die meisten Beschäftigten ist Teilzeit nur eine Notlösung, das haben wir in annähernd 40.000 Gesprächen bei Veranstaltungen in 94 Bezirken immer wieder zu hören bekommen." Die Frühjahrskampagne soll nun konkrete Früchte tragen: Noch im Herbst soll im Arbeitszeitgesetz fixiert werden, dass Teilzeitkräften neu entstehende Vollzeitarbeitsplätze zuerst angeboten werden müssen - und dass jene, die viele Mehrstunden leisten, Anspruch auf Anpassung der Arbeitszeit bekommen.

Zweite Stoßrichtung der Ministerin ist eine Umgestaltung der Familienbeihilfe - die derzeitige Regelung sei nämlich extrem ungerecht. Die SPÖ will, dass die Familienbeihilfe als höhere Geldleistung ausbezahlt wird, dafür sollten aber die steuerlichen Vorteile entfallen. So könne Geld für Kinderbetreuungsplätze frei werden.  (Conrad Seidl, DER STANDARD, 10.7.2012)

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