Letzter Aufruf für EU-Forschungsmilliarden

9. Juli 2012, 17:46
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2013 vergibt Brüssel für Forschung und Entwicklung mehr als 8,1 Milliarden Euro an Förderungen

Brüssel/Wien - Endspurt im siebenten Rahmenprogramm für Forschung (RP7) der EU. In der letzten Runde des ob seiner ausgeprägten Bürokratie teils heftig kritisierten RP7 stehen mehr als 8,1 Milliarden Euro an Forschungsfördergeld zur Verteilung an. Das ist die höchste Einzeltranche, die seit Einführung des Innovationsförderregimes 1984 je bereitgestellt wurde.

Unis, Forschungsinstitute und Unternehmen können bis September förderwürdige Projekte einreichen. Mehr als die Hälfte der Zuschüsse der aktuellen Tranche, nämlich 4,8 Milliarden Euro, werden im wichtigsten und am höchsten dotierten Bereich des EU- Forschungshaushalts vergeben: Unter dem Sammelbegriff "Cooperation" soll Verbundforschung, also länderübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb des EU-Binnenmarkts, gestärkt werden.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der eher kleinteiligen europäischen Wirtschaft und das Wachstum insgesamt anzukurbeln, sind gemäß EU-Haushaltsrecht 15 Prozent der Mittel für Klein- und Mittelbetriebe (KMUs; bis zu 500 Beschäftigte) gewidmet. In der aktuellen Tranche sind dies laut dem Vizegeneral der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission, Wolfgang Burtscher, bis zu 1,2 Milliarden, die in angewandte Forschung und Entwicklung durch Unternehmen fließen werden. Dieser Sektor ist für Österreich besonders interessant, gilt die Wirtschaftsstruktur doch im EU-Vergleich als besonders kleinteilig. Hierzulande zählt ein Betrieb mit 500 Beschäftigten bereits als Großbetrieb.

Eine weitere Milliarde steht für Förderung von Ausbildung und Mobilität von Forschern zur Verfügung (Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen), 2,7 Mrd. für Standortmaßnahmen. Inhaltlich liegen die Prioritäten des seit 2007 (bis 2013) laufenden Rahmenprogramms mit einem Gesamtvolumen von 55 Milliarden Euro auf Themen wie Energie, Wasser, Gesundheit, Mobilität, Umweltschutz sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.

Um die Kumulierung von Spitzenforschung in bestimmten Regionen hintanzuhalten und stattdessen den Innovationsgrad flächendeckend anzuheben, startet eine neue Initiative für "Lehrstühle im Europäischen Forschungsraum" (EFR). Dabei werden um zwölf Milliarden fünf EFR-Lehrstühle gefördert, die in fünf weniger entwickelten Regionen bzw. EU-Ländern ansässig sind. Insgesamt erwartet die EU-Kommission, dass mit den 8,1 Mrd. Euro an öffentlichen Förderungen gut sechs Milliarden an privaten Forschungsinvestitionen stimuliert werden und so mehr als 200. 000 Arbeitsplätze entstehen.

Österreich, bei EU-Mitgliedsbeiträgen traditionell Nettozahler, sieht sich gut positioniert, wieder Nettoempfänger zu werden. Aus dem RP7 seien in Summe 650 Mio. Euro geflossen, rechnete FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth-Stadlhuber vor, das sei eine Rückflussquote von 130 Prozent. Am erfolgreichsten beim Einwerben ist die TU Wien gefolgt von Uni Wien und AIT (ehemals Forschungszentrum Seibersdorf).

Darüber hinaus enthält der EU-Forschungshaushalt auch gemeinschaftliche Finanzmittel, die ohne Ausschreibung vergeben werden, etwa Euratom (993 Mio. Euro, Kernenergieforschung).

Wie es 2014 weitergeht, steht im Detail noch nicht fest. Veranschlagt hat die Kommission im Programm "Horizon 2020" insgesamt 80 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung. (ung, DER STANDARD, 10.7.2012)

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