Rezession Griechenlands wird noch tiefer

9. Juli 2012, 17:36
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Griechenlands Wirtschaft ist weiter im Sturzflug: Dieses Jahr könnte das Minus bei 6,9 Prozent liegen, die Zahl der Arbeitslosen auf 23 Prozent klettern

Griechenlands Wirtschaft ist weiter im Sturzflug: Dieses Jahr könnte das Minus bei 6,9 Prozent liegen, die Zahl der Arbeitslosen auf 23 Prozent klettern, laut einer neuen Studie aus Athen. Die Troika beharrt noch auf weiteren Gehaltskürzungen.

 

Zwei Monate politische Un sicherheit ohne Parlament und gewählte Regierung, aber unter dem Eindruck des rasanten Aufstiegs der Linksradikalen haben Griechenland vom Sparkurs abgebracht und die Wirtschaft zusätzlich geschädigt. Das geht aus dem Quartalsbericht des Athener Wirtschaftsforschungsinstituts IOBE hervor, der am Montag vorgelegt wurde. Die Forscher korrigierten ihre Schätzung für Griechenlands Rezession in diesem Jahr nach unten - von noch rund minus fünf Prozent im April auf nunmehr knapp minus sieben Prozent.

Gehaltskürzungen bei weiterhin hohen Lebenskosten und die weitgehend fehlende Umsetzung der Öffnung von Berufszweigen für den Wettbewerb tragen laut Studie zur Vertiefung der Rezession im nunmehr fünften Jahr bei. Der weiter einbrechende Konsum könnte bewirken, dass am Ende dieses Jahres allein eine Milliarde Euro an bisher eingeplanten Einnahmen aus der Mehrwertsteuer fehlten. Die Arbeitslosenrate werde zudem weiter steigen und die neue Rekordzahl von 23,6 Prozent erreichen, so fürchten die IOBE-Forscher.

Der Antritt einer neuen Koalitionsregierung, die Griechenland in der Eurozone behalten will, hätte aber bereits das Wirtschaftsklima verbessert, glauben die Ökonomen der Stiftung für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE); der bisherige Direktor ihres Thinktanks, Yiannis Stournaras, war Finanzminister in der Regierung geworden. Er reiste am Montag zu seinem ersten Auftritt bei den Ecofin-Ministern nach Brüssel. Dort trug auch die Troika von EU-Kommission, EZB und IWF ihre erste Einschätzung zu den neuen griechischen Fehlzahlen bei der Erfüllung der Sparauflagen vor. Sie drängt auf vereinbarte Gehaltskürzungen bei 200.000 Beamten, die dieses Jahr 600 Millionen Euro bringen sollen.

Über etwaige Korrekturen am Sparpaket soll erst im August verhandelt werden. Regierungssprecher Simos Kedikoglou räumte im griechischen Frühstücksfernsehen ein, sein Land müsse zuerst Leistungen bringen und könne danach neue Verhandlungen über die Bedingungen des Rettungskredits vom März dieses Jahres führen.

Die neue griechische Regierung - eine Dreierkoalition, bei der die Juniorpartner Pasok und Demokratische Linke keine eigenen Minister ins Kabinett sendeten - erhielt in der Nacht zum Montag erwartungsgemäß alle 179 Stimmen im Parlament, auf die sie sich stützen kann. Allerdings trat am Montag gleich der stellvertretende Arbeitsminister zurück.

Vizeminister wirft hin

Nikos Nikolopoulos von der konservativen Nea Dimokratia war mit der Regierungserklärung seines Premiers nicht zufrieden. Auf die Forderung nach Neuverhandlungen der Kreditverein barungen hätte mehr Nachdruck gelegt werden müssen, schrieb er in seiner Rücktrittserklärung und fügte an: "Ich hoffe, ich mache einen Fehler." Premier Samaras ernannte sofort einen Nachfolger. In der Parlamentsdebatte hatte er dem Führer der nunmehr stärksten Oppositionspartei, Alexis Tsipras von der linksradikalen Syriza, vorgeworfen, dieser "terrorisiere" alle, die in Griechenland investieren wollten. (Markus Bernath, DER STANDARD, 10.7.2012)

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    Vor dem Parlament sorgt die Garde für Recht und Ordnung. Drinnen warf das erste Regierungsmitglied am Montag das Handtuch.

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