Die Wahl zum Mitmenschen des Monats

11. Juli 2012, 12:46
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Die ersten KandidatInnen stellen ihre Erziehungskonzepte vor

Wir vergeben einen Humanismus-Preis. Vorneweg: Er ist nicht dotiert. Nicht dass diejenigen, die einen Platz auf dem Posting-Friedhof aus unerfindlichen Gründen mit einem Ehrengrab verwechseln, noch zusätzlich angespornt werden. Außerdem gibt es für das Goldene Herz ohnehin BewerberInnen genug - diese und nächste Woche stellen wir die KandidatInnen der Reihe nach vor.

Sie sind in so unterschiedlichen Gebieten wie Medizin, Erziehung, Demografie und Gartenbau tätig, haben aber alle etwas gemeinsam: Auf Beschimpfungen wird weitestgehend verzichtet, ihre Botschaft des Mitgefühls verbreiten sie lieber in sachlichem Ton.

Wie zum Beispiel catfish eyes aus den Reihen der "Impfkritiker", der/die einem Vorposter und Impfkritikerkritiker beim Thema "Masern-Erkrankungen in Österreich verdoppelt" ausrichten lässt:

"Die Impfkritiker können nichts dafür, dass Sie so schlecht informiert sind, dass Sie diesen schwachsinnigen Artikel glauben müssen.
Fakten:
1. Bei chemiefreier Behandlung sind so gut wie keine Komplikationen bekannt.
2. Masern sind eine extrem wertvolle Kinderkrankheit für die Entwicklung des kindlichen Selbstbewusstseins. Die Überwindung dieser an sich harmlosen Krankheit (die noch vor 30 Jahren fast jedes Kind hatte) aus eigener Kraft bewirkt einen rasanten Entwicklungsschub hin zum selbstständig denkenden Menschen.
Dass Sie das alles nicht wissen und nicht mehr erfahren dürfen, tut mir sehr, sehr Leid für Sie und die kranke Gesellschaft, in der Sie leben müssen."

Dass weltweit jährlich mehr als 100.000 Kindern diese extrem wertvolle Erfahrung versagt bleibt (also nicht die Infektion, sondern das Überleben selbiger), fällt für das bereits voll entwickelte Selbstbewusstsein von catfish eyes weniger ins Gewicht. Man/frau wundert sich fast, dass die Gemeinden keine rostigen Nägel auf ihren Spielplätzen ausstreuen: Was unseren Kindern durch vorenthaltene Blutvergiftungen an rasanten Entwicklungsschüben entgeht, lässt sich kaum beziffern!

Eine wertvolle Erfahrung im Rahmen der kindlichen Entwicklung hätte auch der brave kamel beim Thema "Zwei Achtjährige in Schubhaft" anzuregen:

"eine ordentliche schubhaft hat noch keinem kind geschadet!
haertet ab und macht fit fuers leben. eigentlich sollte man auch alle oesterr. gschrappn ein paar monate in schubhaft nehmen, damits gegen die migranten keinen wettbewerbsnachteil aufgrund mangelnder lebenserfahrung haben."

Mit Kinder- und Jugendschutz hat er's offenbar generell nicht so, siehe sein - unter dem Pseudonym das ganz brave kamelchen abgeschicktes - Posting zu "Minderjähriger im Iran trotz internationaler Kritik hingerichtet":

"ein moerder weniger. passt."

Wer jetzt glaubt, damit würde sich in der Wahl zum Mitmenschen des Monats schon ein Favorit abzeichnen, möge bitte bis nächste Woche warten: Da hat jemand gleich ganze Weltregionen im Fadenkreuz. Eine/n zum diesmaligen Themenschwerpunkt Erziehung hätten wir aber noch, nämlich Gudrun Antibronner nebst einfühlsamem Kommentar zu "Familienrichter schlägt Tochter minutenlang mit einem Gürtel":

"weshalb der aufruhr, normalerweise macht man das wenn sie nackt ist. da brennt die lederwurscht richtig schön auf der haut. hat ihr sicher net gschadet der göre der lästigen"

... und einen rasanten Entwicklungsschub hin zum selbstständig denkenden Menschen wird sie damit ganz sicher auch vollziehen. So sicher, wie Babysitting-Agenturen die KandidatInnen dieser Woche mit Job-Angeboten zuspammen werden. Wir danken ihnen für die Vorstellung ihrer Erziehungskonzepte und warten gespannt auf nächste Woche. Da sind dann erwachsene Zielpersonen dran. (ZensorIn, derStandard.at, 11.7.2012)

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