Intendanz in der Endlosschleife

16. September 2003, 10:20
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Das BKA sieht sich als "falscher Ansprechpartner"

Wien/Graz - Wie DER STANDARD berichtete, hat die Generalversammlung des Vereins "Forum österreichischer Film" die von Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) berufenen neuen Diagonale-Intendanten Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs unter Hinweis auf nicht vorliegende Konzepte nicht bestellt und das Bundeskanzleramt (BKA) um entsprechende Unterlagen ersucht.

Seitens des BKA sieht man sich, so Morak-Pressesprecherin Katharina Stourzh jedoch nicht zuständig: Es sei Sache des Vereins und der designierten Intendanten, direkt miteinander in Kontakt zu treten, um sich über inhaltliche und wirtschaftliche Konzepte zu informieren. Auf die Frage, ob daraus nicht der Eindruck entstehen könnte, dass man die Beteiligten im Regen stehen ließe, meinte Stourzh: "Nein, das sehe ich nicht so." Auch bezüglich einer Änderung der Struktur des Festivals sehe man keinen Handlungsbedarf.

Reaktionen gibt es inzwischen auch aus Graz: Der neue Kulturstadtrat Christian Buchmann (VP) hielt sich gegenüber dem STANDARD mit klaren Wertungen gegenüber alter und vorerst abgelehnter neuer Intendanz zurück. Er wolle jedenfalls noch am Mittwoch ein "offenes Gespräch" mit den ehemaligen Diagonale-Leitern Constantin Wulff und Christine Dollhofer führen: "Es gibt das Gerücht, dass Altlasten von rund 135.000 Euro bestehen, da müssen sie schon erklären, wie sie das abzudecken gedenken."

Die kolportierte Summe bezieht sich laut Auskunft von Dollhofer/Wulff allerdings auf eine Hochrechnung, die die laufenden Kosten bis Jahresende inkludiert. Und weiters: Die Nichtbestellung sei auch im Zusammenhang mit der finanziellen Situation der Diagonale zu sehen. Dollhofer und Wulff sind ehrenamtlich weiter Vereinsvorsitzende und persönlich haftbar.

Angesichts des angelaufenen Minus von rund 55.000 Euro sei man gezwungen gewesen, wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen - Kündigung der Mitarbeiter, Auflösung der Bürostruktur u.Ä. -, um den Verein schuldenfrei zu machen. Ohne Budget könne man auch keine Dienstverträge mit den nominierten Nachfolgern abschließen. Budgetverhandlungen fallen jedoch eigentlich bereits in deren Zuständigkeit. (irr, cms / DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2003)

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