Musik macht gesprächig

26. Juni 2003, 21:17
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"St. Anger" im ansonsten handzahm gewordenen Musikfernsehen

Das Bemerkenswerte an "St. Anger", dem neuen Album der US-Heavy-Metal-Götter Metallica, ist, dass das Video zur gleichnamigen Single derzeit im ansonsten mit Kuschelrappern und "Deutschland sucht den Superstar"-Backfischen handzahm gewordenen Musikfernsehen rauf und runter gespielt wird. Knüppelhartes und gehetztes Aggressionsmanagement, gefilmt live vor der "White Power"-Abordnung des kalifornischen Staatsgefängnisses St. Quentin.

Bemerkenswert aber auch, dass nicht nur ganzkörpertätowierte schlimme Buben ihre Fäuste des Zorns im Takt recken. Wie gerade in "Newsweek", dem britischen "Guardian" oder der "Zürcher Weltwoche" nachzulesen war: Auch die CIA hat die Vorzüge der Musik von Metallica zu schätzen gelernt.

Immerhin vertraut man bei Verhören im Irak im Kampf gegen den Terrorismus jetzt auch auf Musik des Brutalo-Quartetts aus San Francisco. Sergeant Mark Hadsell vom US-Geheimdienst dazu: "Wer diese Musik 24 Stunden vorgespielt bekommt, dessen Hirn- und Körperfunktionen beginnen zu desintegrieren. Der Gedankenfluss verlangsamt sich, und der Wille wird gebrochen."

Irakische Kriegsgefangene sollen so gesprächig gemacht werden: "Sie haben so etwas noch nie gehört, das halten sie nicht aus. Und dann kommen wir rein und reden mit ihnen."

Musik und ihre Wirkung auf die Psyche. Gerade erreicht uns auch die Meldung, dass sich in Deutschland Modern Talking aufgelöst haben. Das alles hängt irgendwie zusammen. Keine Frage. (schach/DER STANDARD; Printausgabe, 26.6.2006)

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