Blair und Putin demonstrieren Einigkeit

26. Juni 2003, 19:14
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Irak-Dissonanzen ad acta gelegt - Engere Zusammenarbeit in Energiefragen - Abkommen über Verschrottung von Atom-U-Booten

London - Russland und Großbritannien haben ihre jüngsten Differenzen über den Irak-Krieg nach Ansicht von Präsident Wladimir Putin und Premierminister Tony Blair überwunden. Beide Staaten arbeiteten sehr eng in Fragen des internationalen Terrorismus oder von Massenvernichtungswaffen zusammen, sagte Blair nach einer Unterredung mit Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag in London. Putin hält sich seit Dienstag zu einem viertägigen Staatsbesuch in Großbritannien auf.

In den vergangenen drei Jahren hätten sich die politischen, Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen rege entwickelt, sagte Blair. Putin sprach von einem "Ausdruck gegenseitiger Sympathie und gegenseitigem Respekt" zwischen Russland und Großbritannien. Beide Politiker erörterten nach Angaben Blairs die Themen Irak und Iran, die indisch-pakistanischen Beziehungen, den Friedensprozess im Nahen Osten, religiösen Extremismus in aller Welt, die russische Wirtschaft sowie Tschetschenien. "Was den Irak betrifft, können und sollten wir zusammenarbeiten", sagte Putin.

Zusammenarbeit in Energiefragen

Zuvor hatten beide Staaten eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen vereinbart. Die Energieminister Stephen Timms und Igor Jussufow unterzeichneten eine Vereinbarung über eine Pipeline, die das Königreich mit russischem Gas versorgen soll. Blair zufolge machen neue Abkommen der Ölkonzerne BP und Royal Dutch Shell Britannien zum größten Investor in Russland. Da das Land mittel- und langfristig verstärkt auf Energieimporte angewiesen sein werde, sei die Beziehung zu Russland keine gewöhnliche Handelsbeziehung, sondern von fundamentaler strategischer Bedeutung.

Neue Gaspipeline

Putin sagte, die Integration Russlands in die europäische und die Weltwirtschaft sei von hoher Wichtigkeit, "und das Vereinigte Königreich betrachten wir als wichtigsten Partner". Der russische Erdgaskonzern Gasprom plant den Bau einer 5,7 Milliarden Dollar teuren Gaspipeline, die vom Raum St. Petersburg über Norddeutschland an die Ostküste Großbritanniens verlaufen soll.

Verschrottung von Atom-U-Booten

Außenminister Jack Straw gab die Unterzeichnung eines Abkommens über die Demontage außer Dienst gestellter Atom-U-Boote und die Lagerung abgebrannter Brennstäbe mit seinem Kollegen Igor Iwanow bekannt. London könne 30 Millionen Pfund (43,7 Mill. Euro) einsetzen, um Russland dabei zu unterstützen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, beide Staaten wollten bei der Beseitigung der russischen Chemiewaffenlager und der Bekämpfung des Terrorismus zusammenarbeiten. Ferner wollten sie die Möglichkeit eines gemeinsamen Manövers ihrer Streitkräfte prüfen.

Putins Staatsbesuch ist der erste eines russischen Staatsoberhaupts in Großbritannien seit 1874. Damals hatte sich Zar Alexander II. bei Queen Victoria in London aufgehalten, Anlass war die Hochzeit seiner Tochter mit Victorias Sohn. Queen Elizabeth II. stattete Russland 1994 einen Staatsbesuch ab. Großbritannien war auch Ziel von Putins erster Reise ins westliche Ausland nach seiner Wahl 2000. (APA/AP)

Von Frank Herrmann aus London
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    Gutes Benehmen wieder gefragt: Der russische Staats- präsident Wladimir Putin hilft Queen Elizabeth II mit einer perfekten Handreichung aus der Staatskarosse.

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