Raiffeisen-Chef Scharinger: "Wir stehen Gewehr bei Fuß"

25. Juni 2003, 18:19
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Ludwig Scharinger, umtriebiger Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, will mit Partnern den Staatsanteil an der Voest übernehmen - Aus der Steiermark hagelt es Kritik am "Provinzkonzept" - Die ÖIAG verteidigt sich: "Nur ein, zwei Gespräche mit Magna"

Wien/Linz/Graz - RLB-OÖ-Chef Ludwig Scharinger bekräftigte am Mittwoch im STANDARD-Gespräch sein starkes Interesse am 34,7-prozentigen Staatsanteil an der Voestalpine, den er als "Leitbetrieb für Oberösterreich" sichern will. Scharinger: "Die ÖIAG will neun Prozent relativ rasch verkaufen, will aber auch ein Konzept für die restlichen 25 Prozent. Zu beidem bin ich in der Lage. Wir stehen Gewehr bei Fuß."

Die erste Tranche von neun Prozent will Scharinger selber kaufen, für den Rest stelle er über seinen Österreich-Fonds ein Bieterkonsortium zusammen. Das ÖIAG-Gesamtpaket ist derzeit an der Börse rund 450 Mio. Euro wert. Springender Punkt ist allerdings, wie ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger bestätigt, dass es bei einem Verkauf an Finanzinvestoren vorher eine öffentliche Ausschreibung geben müsse. Auch dürften sich Scharinger und Partner nicht vertraglich aneinander binden ("syndizieren"), sonst müssten sie auch allen anderen Voest- Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Paierl: Politik "regiert hinein"

Aus der Steiermark kommt massive Kritik an den oberösterreichischen Plänen, die Scharinger "nicht kommentieren" will. Dieses "Provinzkonzept" gehe in die "völlig falsche Richtung", sagte der steirische Finanz- und Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl zum STANDARD. "Die Voest ist damit einmal mehr gefährdet, weil sich die Politik wieder ihrer bemächtigt und hineinregiert. Dazu zählt auch diese Bankenintervention. Diese Philosophie, wie sie jetzt von den Oberösterreichern angedacht wird, hatte die Voest dahin gebracht, wo sie war: in den Ruin."

Wenn bei der Voest von einer österreichischen Lösung die Rede sei, "erinnert mich das stark an die österreichische Stromlösung". Diese sei auch nur eine rein niederösterreichische geworden. Die "österreichische Voest-Lösung" drohe eine "oberösterreichische Lösung" zu werden, warnt Paierl.

Unterdessen wehrte sich ÖIAG-Sprecherin Kickinger gegen die Vorwürfe - etwa von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl - die Staatsholding hätte in einer geheimen Arbeitsgruppe mit Magna bereits am Verkauf der Voestalpine an Frank Stronach gearbeitet. Sie bestätigt aber gleichzeitig erstmals die Existenz dieser unter dem Projektnamen "Minerva" gelaufenen Gespräche. Zum STANDARD sagte Kickinger: "Da haben maximal ein, zwei Gespräche den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Wenn das schon eine Arbeitsgruppe ist, dann haben wir mit mehreren Interessenten Arbeitsgruppen."

Vranitzky würde gehen

Ex-SP-Kanzler und Magna- Aufsichtsrat Franz Vranitzky sagte, er würde im Falle eines Interessenkonflikts bei einem Voest-Verkauf sein Aufsichtsmandat zurücklegen. (Michael Bachner, Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 26.6.2003)

  • "Kein Kommentar" ist Ludwig Scharinger zur harschen Kritik aus der Steiermark zu entlocken
    foto: semotan

    "Kein Kommentar" ist Ludwig Scharinger zur harschen Kritik aus der Steiermark zu entlocken

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