Vorwurf der Misshandlung durch SFOR-Truppen

25. Juni 2003, 17:14
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Gesellschaft für bedrohte Völker protestiert gegen Verhaftung und Misshandlung eines Roma

Sarajewo/Göttingen - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat einen scharfen Protest an den Kommandanten der in Bosnien-Herzegowina stationierten internationalen Truppen (SFOR), den US-General William Ward, gerichtet. Wie die GfbV am Mittwoch in einer Aussendung berichtete, seien SFOR-Truppen am 20. Juni gewaltsam in das Haus von Mirsad Basic in Visoko eingedrungen. Der Invalide, der durch eine Minenverletzung ein Bein verloren habe, sei ohne Angabe von Gründen verhaftet und geschlagen worden.

Befehl, seinen Bart abzurasieren

"Allein sein langer Bart und die dunkle Hautfarbe dieses Roma waren für die SFOR-Soldaten Grund genug, ihn ohne eine vorherige Überprüfung des Personalausweises zu verhaften und zu misshandeln", wurde in der Aussendung kritisiert. Erst nachdem er nachgewiesen habe, dass er ein Roma und kein Araber sei, wurde er nach Hause zurückgebracht. Befohlen habe man ihm jedoch, er müsse seinen Bart abrasieren. Die Roma sind laut GfbV die meist bedrohte ethnische Minderheit in Bosnien. Sie leben unter widrigsten Umständen und kämpfen täglich ums Überleben.

Wiederholt kritisierte die GfbV, dass die SFOR "schon acht Jahre lang keinen Finger gerührt hat, den meistgesuchten Kriegsverbrecher Radovan Karadzic" zu verhaften. Der ehemalige Präsident der Republika Srpska ist vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt. (APA)

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