Wir schmökern nicht, wir scrollen

16. Juli 2012, 16:20
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Es wird stiller im Blätterwald. Das digitale Zeitalter hat in unserem Alltagsleben Einzug gehalten

Anstelle der gedruckten Bibel wird in Zukunft in einem Hotel in Newcastle die digitale Version neben dem Bett liegen (-> siehe Artikel). Das erfüllt manchen mit einer gewissen Wehmut.

Wir werden euch vermissen, ihr labbrigen Seiten, die ihr in der Feuchte der Tropen aneinander klebt und die Hotelempfehlung bis zu Unkenntlichkeit verwaschen lasst.

Auch der Duft nach frischer Druckerfarbe wird uns fehlen, der bereits lange vor dem Buchen beim Durchblättern der Reisekataloge ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen ließ.

Schmerzlich werden wir uns an die gedruckten Bordkarten erinnern, die sich in irgendwelchen Schubladen im Keller gestapelt haben - als Erinnerung an die einzigartige Reise.

Melancholisch betrachten wir noch einmal die Postkarten von früher, die zwar nur eine Zeile Text enthielten, aber immerhin (hoffentlich) mit Liebe ausgesucht, geschrieben und am örtlichen Postamt mit Marke und Stempel verschickt wurden.

Anstatt zu schmökern, scrollen wir. Kindle, iPad und Smartphone machen heute das Leben einfach. So einfach, dass es bereits ein wenig Farbe verloren hat. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 11.7.2012)

  • Irgendwo in den Schubladen liegen die Erinnerungen an eine Zeit, als Urlaubsgrüße noch nicht via Facebook oder E-Mail eintrudelten.
    foto: ham/derstandard.at

    Irgendwo in den Schubladen liegen die Erinnerungen an eine Zeit, als Urlaubsgrüße noch nicht via Facebook oder E-Mail eintrudelten.

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