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vergrößern 800x529Freiluftoper lustig und gut: Marc-Olivier Oetterli (als Don Pasquale) und Chiara Skerath (als Norina).
Klosterneuburg - Junge, adrett gekleidete Pärchen flanieren durch die Lobby, setzen sich an die Bar und trinken einen Campari. Die verhärmte Rezeptionistin ordnet Papiere und nimmt Anfragen entgegen, Zimmermädchen steigen treppauf, treppab. Ja, wo sind wir denn hier? Einerseits im " Hotel Roma" sowie in einem wundervollen 1950er-Jahre-Ambiente, in welchem jeden Moment Peter Kraus und Conny Froboess händchenhaltend ums Eck schlendern und singend die Schönheiten des Lebens schildern könnten.
Andererseits sehen wir hier auch gerade Gaetano Donizettis Don Pasquale: Regisseur Andy Hallwaxx hat die Opera buffa über die Irrungen und Wirrungen eines geizigen, geilen alten Kauzes glatt um ein Jahrhundert in die Vespa- und Sophia-Loren-Hochzeit nachverlegt. Darf man das? Aber ja doch. Natürlich macht so nicht mehr jedes Detail des Librettos Sinn; wenn sich aber - auch dank der wundervollen Bühne (Hans Kudlich) und der Kostüme (Franz Blumauer) - in toto ein solch beschwingter Reigen sinnlicher, witziger Stimmungsbilder ergibt, kann das nur weltverschlossene Puristen grämen. Auch die Musik passt in dieser Produktion zu der leichten, klaren Linie der 50er-Jahre, welche die Szene vorgibt:
Nicht verstärkt im sternenhimmelsoffenen Kaiserhof des Stifts musizierend, nimmt sich der Klang der Sinfonietta Baden dezent, luftig-zart aus, wie ein flauschiger Biskuit. Christoph Campestrini, der hochagile, präzise neue Musikchef der Opernfestspiele, weiß auch um die tausend kleinen Verzögerungen und Beschleunigungen, Crescendi und Decrescendi, die nicht notiert sind: fein. Gerät der Don Pasquale Marc-Olivier Oetterlis körpersprachlich zu jugendlich und stimmlich etwas blass, so gefällt Günter Haumers Malatesta mit baritonaler Notarsnoblesse. Arthur Espiritu (Ernesto) kann sogar frauenherzenhöherschlagenlassend Arien singen, während er eine Vespa repariert (too much, Herr Hallwaxx). Und Chiara Skerath ist als Norina schlicht wundervoll: selbstbewusst, witzig, sexy, stimmlich mit einem Hauch dieser herben Callas-Strenge. Brava! (Stefan Ender, DER STANDARD, 10.7.2012)
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