Terrys Anwalt plädiert auf Freispruch

Kläger Anton Ferdinand sei kein verlässlicher Zeuge - Chelsea-Verteidiger soll Queens Park Rangers-Akteur rassistisch beleidigt haben

London - Der englische Fußball-Teamspieler John Terry hat am Dienstag die gegen ihn erhobenen Rassismus-Vorwürfe vor Gericht erneut zurückgewiesen. Bei einem ähnlichen Vorfall würde er heute sofort zum Schiedsrichter gehen, sagte der 31-jährige Verteidiger vom Champions-League-Sieger Chelsea am zweiten Verhandlungstag in London. Sein Anwalt George Carter-Stephenson beantragte, das Verfahren einzustellen. Es sei im Nachhinein nicht mehr sicher festzustellen, was am fraglichen Tag gesagt wurde, und Terrys Gegenspieler Anton Ferdinand von den Queens Park Rangers sei kein verlässlicher Zeuge.

Terry muss sich seit Montag für einen Streit mit Ferdinand bei einem Spiel im Oktober 2011 verantworten. Er soll Ferdinand mit einem rassistischen Kommentar beleidigt haben. In dem Prozess, der bis Freitag dauern könnte, droht Terry eine maximale Geldstrafe von 2.500 Pfund (3.156 Euro).

Vor Gericht wurde ein Interview vorgespielt, das Terry kurz nach dem Vorfall dem englischen Fußballverband (FA) gegeben hatte. Darin sagte er unter anderem: "Man hat mich in meiner Fußballkarriere und außerhalb des Spielfelds vieles genannt, aber ich lasse mich nicht Rassist nennen. Ich werde nicht zulassen, dass Anton oder irgendjemand sonst so was von mir denkt. Das entspricht einfach nicht meinem Charakter."

Zum Prozessauftakt wurden Videoaufnahmen der mutmaßlichen Beleidigung gezeigt. Terry bestand weiter darauf, er habe auf sarkastische Weise Worte wiederholt, die Ferdinand gesagt habe.

Der Verteidiger hatte unter anderem wegen des Vorfalls im Februar seine Kapitänsbinde in der englischen Nationalmannschaft abgeben müssen. Da dies auf Geheiß des Verbands erfolgte, erklärte der damalige Teamchef Fabio Capello daraufhin seinen Rücktritt. Unter Neo-Coach Roy Hodgson erreichte Terry mit dem Team bei der EM in Polen und der Ukraine das Viertelfinale.

Vor Gericht gab Anton Ferdinand zu Protokoll, dass ihn die Beschimpfungen von Terry "sehr verletzt" hätten. Außerdem habe er im Eifer des Gefechts nicht realisiert, dass der 31-jährige Chelsea-Spieler ihn rassistisch beleidigt habe. Erst nachdem ihm ein Video auf YouTube gezeigt wurde, wurde er darauf aufmerksam. (APA/red, derStandard.at, 10.7.2012)

Share if you care