Mobil mit Prothese

9. Juli 2012, 13:02
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Versorgungs-Konzept für ältere Patienten mit Extremitätenverlust

Ein Versorgungs-Konzept für eine verbesserte Behandlung geriatrischer Patienten nach Beinamputation wurde vor Kurzem an der Fachhochschule St. Pölten entwickelt. Das vom Studiengang Physiotherapie zusammengestellte Maßnahmen-Portfolio zeigt Verbesserungsmöglichkeiten, die gleichzeitig helfen, Kosten zu sparen. Fokussiert wurde insbesondere auf die Koordination und den Informationsfluss des Betreuungsablaufs, heißt es in einer Aussendung der FH. 

Beinprothesen ermöglichen ihren Trägern ein mobiles, selbstbestimmtes Leben - solange sie gut angepasst wurden und keine unangenehmen oder störenden Druckbelastungen verursachen. Doch genau das ist in vielen Fällen die traurige Realität, wie Kerstin Lampel vom Studiengang Physiotherapie an der FH St. Pölten erläutert: "Patienten werden im sorgfältigen Umgang mit dem Extremitätenstumpf und der korrekten Handhabung und Nutzung der Prothese nicht oder zu wenig eingeschult." Genau mit diesen Mängeln im Betreuungsablauf solcher PatientInnen will das neue Konzept der FH. St. Pölten aufräumen.

Immer mehr Amputationen

Wie relevant das Konzept dabei ist, zeigte eine Vorerhebung zur Anzahl an Beinamputationen in Österreich: "Allein im Jahr 2002 wurden laut Statistik Austria insgesamt 1.693 Beinamputationen durchgeführt - 2007 waren es schon 1.776.", erläutert Lampel. Vor allem "nicht traumatische" Amputationen, also aufgrund von Lebensstilerkrankungen durchgeführte Eingriffe, werden häufiger: "Diese dramatische Entwicklung hat gleich zwei Ursachen. Zum einen nehmen sogenannte Lifestyle-Probleme wie Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen spürbar zu - auch bei jungen Menschen. Zum anderen führt die stetig steigende Lebenserwartung dazu, dass zusätzlich Spätfolgen dieser Erkrankungen - Stichwort Raucherbein oder Diabetischer Fuß - von immer mehr Menschen am eigenen Leib gespürt werden", ergänzt die Expertin.

In extremen Fällen können diese Erkrankungen eine Amputation notwendig machen. Ein irreversibler Eingriff in die Mobilität der Betroffenen, dessen Konsequenzen durch ein optimales Versorgungskonzept gelindert werden können. Das haben die Experten der FH St. Pölten erarbeitet und haben dabei auf eine bessere interdisziplinäre Vernetzung der Ärzte, des Pflegepersonals, der Orthopädietechniker und Physiotherapeuten fokussiert. Eine Empfehlung ist etwa die optimierte Abstimmung von Sprechstunden. Allein dadurch ließen sich belastende und unnötige Wege zu Therapie- und Kontrolleinheiten nach der OP sowie deren Kosten verringern. Ein weiterer Verbesserungsschritt wäre die Errichtung von Versorgungszentren mit interdisziplinären Teams. Diese würden dann eine Versorgung und Betreuung in mehreren Bereichen ohne Ortswechsel ermöglichen.

Recht auf Prothesentechnik

Ein Gefühl von Betreuungs-Sicherheit für die Betroffenen schaffen zu können, ist ein weiterer zentraler Aspekt der Überlegungen: Patienten haben in Österreich nicht nur gesetzlich das Recht auf eine Versorgung mit modernster Prothesentechnik, ihnen gebührt auch die Gewissheit, dass ihr Versorgungsprozess gut geplant ist. Für diese Gewissheit braucht es aber Information, die nicht immer bereitgestellt wird. Eine Studie belegt das Gegenteil. Kostengünstige Abhilfe schaffe da schon die Erstellung und Verteilung einer Informationsbroschüre: "Wir haben einen Folder gestaltet, der den Patienten exemplarisch einen Versorgungsplan und einen schriftlichen Überblick über zentrale Schritte gibt." (red, derStandard.at, 9.7.2012)

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