Die Emilia Romagna feiert den Sommerbeginn

Guido Gluschitsch
10. Juli 2012, 16:44

Nach den Erdbeben im Mai wäre das Fest zum Sommeranfang in der Emilia Romagna fast ins Wasser gefallen. Aber das Fest in Rosa fand trotzdem statt

Zwischen den Badetouristen laufen Händler herum, die rosa Hüte verkaufen. Die Restaurants und Hotels entlang der Küste schmücken ihre Eingänge mit rosa Luftballons und Girlanden. In den Läden haben rosa Polo-Shirts Hochsaison. Es ist der 6. Juli 2012, die Sonne knallt regelrecht vom Himmel, und Rimini rüstet sich für sein Capodanno des Sommers, die Notte Rosa.

Am ersten Juliwochenende taucht der über 100 Kilometer lange Küstenstreifen der Emilia Romagna vor Rimini in kitschiges Rosa. Dabei hätte das Fest heuer beinah nicht stattfinden können, wie Katharina Thimm vom Tourismusverband Emilia Romagna erzählt. Die Spätfolgen der Erdbeben im Mai haben die Kräfte der Region an anderen Stellen gebündelt. Jetzt will die einst so begehrte Bade-Meile wieder für Sonne, Strand, Meer und Spaß bekannt sein.

Die Hotels direkt am Meer sind gut besucht. Von Badetouristen, die wie Verhungernde über das nachmittägliche Kuchenbuffet ihres Hotels herfallen, und Pauschaltouristen, die sich von launigen Animateuren zu einfachen Gesellschaftsspielen einpeitschen lassen bis hin zu den Kultur-Genießern, die neben dem Bad im Meer auch das Hinterland erkunden. Doch Letztere sind deutlich in der Unterzahl. Die wunderschöne Altstadt von Rimini ist quasi touristenfreie Zone. Hier sitzt man zwischen Einheimischen in den Restaurants, während man am Meer kaum ein italienisches Wort hört.

Frische Blüten in der Notte Rosa

Außer am ersten Wochenende im Juli. Dann mischen sich die Italiener aus der gesamten Region mit den Gästen aus Deutschland, Russland, der Slowakei und natürlich Österreich. Der Paukenschlag, mit dem die Notte Rosa wieder für freundlichere Schlagzeilen sorgen soll, ist dann aber kein solcher. Es ist viel mehr ein Donner, der aus den Gewitterwolken drängt, welche die Eröffnung regelrecht ins Wasser fallen lassen. "Seit über zwei Monaten ist in Rimini kein Tropfen Wasser vom Himmel gefallen", klagt Mauro, Kellner in einem der Lokale am Meer, "und gerade heute muss es so regnen."

Nach wenigen Minuten ist der Wasserspuk vorbei. Die Luft ist frischer, es hat etwas abgekühlt, und die Notte Rosa startet eben eine halbe Stunde später - treibt aber genauso ihre Blüten.

Wie Waldorf und Statler keifen zwei Männer einer etwas beleibteren Frau in einem viel zu engen und viel zu kurzen rosa Schlauchkleid hinterher. Im Grand-Hotel servieren Kellner rosa gefärbte Piadina, das italienische Fladenbrot, das in rosa unweigerlich süß schmeckt, auch wenn es mit Prosciutto und Ruccola gefüllt ist. Und die rosa gefärbten Cocktails können dem guten italienischen Wein auch nicht den Rang ablaufen.

Ausgelassen ist dafür die Stimmung an der Strandpromenade. Tausende Menschen feiern in den Lokalen entlang der Küste und am Strand den Sommerbeginn. Die Piazza Federico Fellini ist übervoll. Kein Wunder, spielt dort auf der Bühne Giorgia - die italienische Sängerin und Songschreiberin. Nicht ganz so voll ist das 55 Meter hohe Riesenrad, an dessen höchsten Punkt man einen kleinen Eindruck vom Ausmaß des Festes bekommt.

Höhepunkt der Notte Rosa ist das Feuerwerk um Mitternacht, das synchron an gut 10 Stellen entlang des Sandstrandes gezündet wird. Gleichzeitig ist es aber auch wie der Halbzeit-Pfiff eines Fußballspiels, denn das Fest zieht sich bis in die frühen Morgenstunden. Um vier Uhr morgens martern Jugendliche noch ihre Motorinos auf den Straßen, um den Heimweg anzutreten.

Der Fisch, die Pasta und der Wein

Am nächsten Tag kehrt wieder Normalität in Rimini ein. Lediglich die rosa Verzierungen an den Häusern zeugen noch von der ausgelassenen Nacht. Während die ersten Gäste sich in den Hotels am Frühstück laben, putzen Kehrmaschinen die Straßen wieder heraus. Während sich die Liegestühle am Strand und jene an den Hotelpools langsam füllen, brechen wir auf, um die schönen Seiten der Emilia Romagna zu erkunden. Auf der Adriatica, der Landstraße, die sich entlang der Küste von Padua in Venetien bis Otranto in Apulien schlängelt, fahren wir nach Ravenna, schlendern durch die Altstadt und besuchen die Basilika San Vitale. Sie gilt als eine der wichtigsten Kirchen der spätantik-frühbyzantinischen Zeit und ist berühmt für die vielen aufwändigen Mosaike an den Wänden und am Boden.

Es ist eines der tausend Gesichter der Emilia Romagna. Neben den Clubs für Familien, den Hotels für die Sonnenanbeter an der Küste, zieht die Region Sprachschüler, historisch und kulturinteressierte Menschen, Hedonisten und - äh nennen wir sie Motoristen an. Hedonisten, wegen der schönen Landstriche, der ehrlichen italienischen Speisen - vom Fisch bis zur Pasta - und der Weine aus der Emilia Romagna.

Die Motoristen tingeln von Sant‘Agatha Bolognese, wo Lamborghini sein Werk hat, zum Bologneser Stadtteil Borgo Panigale, wo Ducati nun auch wie Lamborghini unter der Schutzherrschaft der vier Ringe produziert. Oder von Maranello nach Modena, besuchen dort Ferrari und Maserati, die ebenfalls hier in der Emilia Romagna ihren Sitz haben - wie auch einst Stanguellini.

Nur rosa Autos hat keine der Sportwagenschmieden freiwillig gebaut. Aber dafür war eine rosarote Ducati Monster einer der Blickfänge auf der Notte Rosa in Rimini. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 10.7.2012)

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3 Postings

Emilia Romagna ist aber doch ein wenig mehr ;)
Grüße aus Bologna, la dotta e grossa!

grassa

muss es heißen!

Ja, vatippt.

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