Bericht: Tote bei Protesten in Saudi-Arabien

9. Juli 2012, 11:07
19 Postings

Polizei löste schiitische Demonstration gewaltsam auf

Dubai - In Saudi-Arabien haben königliche Sicherheitskräfte in der Nacht auf Montag nach Angaben von Demokratieaktivisten gewaltsam eine Demonstration aufgelöst und dabei zwei schiitische Demonstranten getötet. Etwa zehn Menschen seien bei den Protesten im östlichen Katif durch Kugeln verletzt worden, erklärten schiitische Aktivisten am Montag. Demnach hatten die Demonstranten gegen die Verhaftung eines schiitischen Geistlichen protestiert. Die Angaben wurden nicht offiziell bestätigt.

Wie das Innenministerium in Riad mitteilte, wurde der Geistliche am Sonntag bei seiner Festnahme am Bein verletzt und im Krankenhaus behandelt. Die Behörden werfen ihm Anstachelung zum Aufruhr vor. Die meisten der rund zwei Millionen Schiiten leben im Osten Saudi-Arabiens, die schiitische Minderheit klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das sunnitisch-wahhabitische Herrscherhaus. Seit Mitte März 2011 kommt es im Osten des Landes daher immer wieder zu Protesten, gegen die die Sicherheitskräfte gewaltsam vorgehen.

Repressive Diktatur

Das US-amerikanische Forschungsinstitut "Freedom House“ zählt Saudi-Arabien zu den repressivsten Diktaturen der Welt. Nach Erkenntnissen von Amnesty International geht das Regime rigoros gegen Anhänger des "Arabischen Frühlings“ vor, die auch demokratische Reformen in dem Königreich fordern. Die zur Anwendung kommenden Praktiken liefen darauf hinaus, Reformanhänger generell mit Terrorverdächtigen gleichzusetzen. Tausende Personen befänden sich in Haft, Folter und Misshandlungen seien allgegenwärtig. Insbesondere Angehörige der schiitischen Minderheit seien Verfolgungen durch die Behörden ausgesetzt.

Als die Massenproteste in Tunesien und Ägypten im Vorjahr die dortigen Despoten stürzten, hatten Behörden und Geistlichkeit in Saudi-Arabien die Bürger massiv unter Druck zu setzen versucht. Der Großmufti von Saudi-Arabien, Abdel Aziz al-Sheikh, hatte die Volksaufstände in arabischen Ländern als von „Feinden des Islam gesteuerte chaotische Aktionen“ verurteilt, deren Ziel es sei, „die muslimische Welt zu spalten". Die „Feinde des Islam und ihre Knechte“ stifteten zur Revolte an, um „die muslimische Nation im Herz zu treffen und sie zu spalten“, war der höchste geistliche Würdenträger des Königreichs zitiert worden. Saudi-Arabien hatte im März 2011 Soldaten in den Golfstaat Bahrain geschickt, um die Proteste der dortigen schiitischen Mehrheitsbevölkerung gegen die sunnitische Königsherrschaft niederzuschlagen. (APA, 9.7.2012)

Share if you care.