Nationalbank rät Banken zu Krisenpuffer

9. Juli 2012, 12:00
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Wegen der Eurokrise sollten die Finanzinstitute einen stabileren Risikopuffer haben, schlussfolgert die OeNB nach einem neuen Stresstest

Wien - Die Spannungen an den Finanzmärkten machen auch den österreichischen Banken das Leben schwer. Ein neuer österreichinterner Stresstest zeigt laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) eine verbesserte Risikotragfähigkeit, aber auch bekannte Schwachstellen auf. Den Banken wird empfohlen, ihre Kapitalpolster weiter zu stärken.

OeNB-Direktor Andreas Ittner bekräftigte am Montag bei der Präsentation des neuen Finanzmarktstabilitätsberichts die Forderung der Notenbank nach weiterem Kapitalaufbau in der österreichischen Kreditwirtschaft. Angesichts der noch stärker steigenden Kapitalisierungsquoten der anderen in Ost/Südosteuropa tätigen internationalen Banken, der Unabwägbarkeiten im Fall einer europäischen Schuldenkrise sowie wegen Basel III seien österreichische Großbanken "weiterhin angehalten, ihre Kapitalquoten zu verbessern", so Ittner in der Medienmitteilung.

Risikofaktor Fremdwährungskredite

Ein wesentlicher Risikofaktor für Haushalte und Banken sei nach wie vor der hohe Fremdwährungskreditanteil. Im ersten Quartal 2012 waren knapp 28 Prozent des gesamten Kreditvolumens des Haushaltssektors im Land in fremder Währung aushaftend.

Befürchtungen, dass internationale Banken - so auch die österreichischen - ihr Exposure in der Region Ost/Südosteuropa deutlich reduzieren würden, seien nach bisherigen Daten nicht eingetreten, heißt es im Bericht. Im Gegenteil: Die österreichischen Banken hätten seit dem ersten Quartal 2009 ihr (wechselkursbereinigtes) Exposure in der Region um 10 Prozent ausgeweitet.

Vom Osten kommt ein wichtiger Ergebnisbeitrag für die Banken. Allerdings, so die OeNB, gehe mit der höheren Profitabilität ein deutlich erhöhtes Kreditrisiko einher.

Keine Bad Bank

Die OeNB kann Überlegungen, die faulen Kredite, toxischen Papiere und belasteten Assets der drei staatlichen bzw. teilstaatlichen Problembanken (Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit/KA Finanz, ÖVAG) in einer einzigen großen Bad Bank abzuladen, bisher nicht allzu viel abgewinnen.

OeNB-Direktor Ittner räumte ein, dass das "sehr attraktiv klingt" - er sieht aber die Portfolioklassen sehr unterschiedlich. Sind es bei der bestehenden Kommunalkredit-Bad Bank KA Finanz vor allem staatliche Papiere und Credit Default Swaps, so kämpft die Kärntner Hypo Alpe Adria primär mit einem Berg fauler Kredite und Finanzierungen in Südosteuropa.

Die Problembanken seien jetzt in der Phase, sich massiv zu verändern und somit auf dem richtigen Weg. "Eine absolute Garantie, dass es nie mehr wieder zu weiteren Unterstützungen kommen muss, können wir nicht geben", so Ittner.

Als ein Kandidat für neue Staatshilfe ist die Kärntner Hypo. Bei der staatlichen Hypo Alpe Adria ist die Notenbank voriges Jahr von 1,5 Mrd. Euro zusätzlichem Kapitalbedarf ausgegangen. Bis Ende 2012 muss die Hypo (mitsamt Risikokapitalpuffer) 12 Prozent Kapital haben. Wieviel Kapital sie aktuell auf diese Quote brauchen wird, wird noch berechnet. "Genaue Rechnungen werden im Sommer durchgeführt", so Ittner heute. Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Um einen direkten milliardenschweren Staatskapitaleinschuss noch heuer zu vermeiden und sich selber besser verkäuflich zu machen, schlug die Hypo Alpe Adria kürzlich eine Abbaugesellschaft für faule Kredite und anderer belastete Assets vor. Laut "Standard" soll das Thema nach einem vorwöchigen Treffen von Vertretern von Finanzministerium, Bundeskanzleramt und Bankenaufsicht aber vom Tisch sein, weil sich damit der staatliche Schuldenberg zu stark erhöhen würde. Ein Hypo-Sprecher bestritt am Montag, dass eine finale Entscheidung getroffen ist.

Zum Stand der Pläne bei der Hypo äußerte sich Notenbank-Direktor Ittner heute nicht. Dies seien "Eigentümerentscheidungen", spielte er den Ball an die Finanzministerin. Aus Stabilitätsgründen mache es aus Sicht der Notenbank keinen so markanten Unterschied, ob die Identifikation von schlechten Assets nun innerhalb oder außerhalb des betreffenden Instituts stattfinde. Der Eigentümer freilich werde sich "Schulden- und Budgetauswirkungen überlegen". (APA, 9.7.2012)

  • Die Banken brauchen einen Krisenpuffer.
    foto: epa/andy rain

    Die Banken brauchen einen Krisenpuffer.

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