Schlecker-Rabattschlacht setzt Konkurrenz zu

Die Branche werde noch eine Weile unter den Hamsterkäufen leiden, heißt es. Im April und Mai verzeichnete sie massive Rückgänge

Stuttgart/Düsseldorf - Das Schlecker-Aus färbt ab - und das dürfte wegen sinkender Preise vor allem die Verbraucher freuen. Die gesamte deutsche Drogeriebranche hat hingegen laut einer Marktuntersuchung an der Rabattschlacht beim einstigen Primus zu knacken. Im April und Mai sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr nach einer GfK-Analyse um 4,8 und 6,6 Prozent, wie die "Wirtschaftswoche" berichtete.

Indes wird zur Übernahme früherer Schlecker-Filialen über die Gründung neuer Genossenschaften nachgedacht. Offen ist nach wie vor auch das Schicksal der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz. Am Online-Shop gibt es immerhin Interesse. Für die Österreich-Tochter hat Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz einen Investor an der Angel, man sei bereits bei der Due Diligence, hatte es vorige Woche geheißen.

Rabatte

Nach der Untersuchung des Marktforschers GfK haben sich Millionen von deutschen Haushalten dank der Rabatte in vielen Warengruppen ausreichend mit Drogerieartikeln versorgt. Die Branche "wird folglich an Schlecker noch eine Weile zu leiden haben", schreiben die Marktforscher. Das Hamstern der Kunden werde auch in den nächsten Wochen die Umsätze drücken.

Der Grund sei vor allem der Ausverkauf bei Schlecker zu besonders niedrigen Preisen, hieß es. Nach der Insolvenz hatte der schwäbische Drogerieriese kontinuierlich die Preise gesenkt. Am letzten Verkaufstag, dem 27. Juni, gab es die Reste für je 20 Cent.

Aus Sicht der deutschen Konsumenten positiv wirkt sich dieser Trend weit über die Drogeriebranche hinaus aus. Zahlreiche Diskonter hatten bereits Preise vor allem für Drogerieartikel wie Sonnenmilch, Waschmittel oder Kosmetika gesenkt oder dies zumindest angekündigt. Dazu zählten Aldi Süd, Norma, die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount, Lidl.

Preiskampf

Diskonterexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail hatte mit Blick auf Aldi Süd gesagt, mit den Reduzierungen orientiere sich das Unternehmen am neuen Marktführer dm. Der Preissturz kommt allerdings nicht überraschend: Branchenexperten hatten mit der Schlecker-Pleite erwartet, dass die Firmen den harten Preiskampf um Drogerieartikel fortsetzen.

Doch auch beim Lebensmittelhandel, wo viele Ex-Schlecker-Kunden nun ihren Bedarf teilweise deckten, sehen die GfK-Experten laut "Wirtschaftswoche" eine Flaute. Im Drogeriesortiment seien bei Selbstbedienungshäusern und Diskontern Käuferreichweite, Kauffrequenz und -summe im Mai durchwegs rückläufig gewesen.

In den kommenden Tagen und Wochen werden Entscheidungen über die Zukunft der rund 4.000 IhrPlatz-Angestellten und deutschlandweit rund 490 Märkte sowie der rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaft in Österreich mit 930 Filialen und 3.000 Angestellten erwartet.

Der dm-Gründer und Aufsichtsrat Götz Werner interessiert sich unterdessen für den Online-Shop des Ex-Konkurrenten. "Der Shop hat rund 2,5 Millionen Kunden, das ist ein großes Potenzial", sagte er dem Magazin "Focus". Da viele Kunden dort aber wohl nur einmal etwas bestellt hätten, müsse man "sich fragen, ob es da wirklich Substanz gibt, die uns den Einstieg ins Online-Geschäft erleichtern würde".

Genossenschaften

Um möglichst doch noch bisherige Schlecker-Filialen erhalten zu können, sollen Genossenschaften gegründet werden. Dies sei etwa in Sachsen und Thüringen Thema, sagte der Vorstandschef des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbands, Gerald Thalheim, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in Chemnitz. "Die Voraussetzungen sind günstig: Wir haben kompetente Verkäuferinnen und zumindest im ländlichem Raum Läden, die sonst leer stehen." Die Initiative ging von gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen aus. Insgesamt hatten rund 25.000 Menschen ihren Job beim früheren Drogerieriesen verloren.

Auch im Schlecker-Stammland Baden-Württemberg hat die Gewerkschaft ver.di nach wie vor Hoffnung, einzelne Schlecker-Filialen mit einer Genossenschaftslösung vor dem Aus zu retten. "Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie hier hilft, dass sie gegebenenfalls bürgt, damit auch Lieferanten gefunden werden", hatte Landesbezirksleiterin Leni Breymaier der "Stuttgarter Zeitung" gesagt. An ehemaligen Schlecker-Beschäftigten hatte neben der Drogeriekette Rossmann jüngst der SB-Warenhausbetreiber Real Interesse gezeigt. (APA, 9.7.2012)

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