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Salzburg - Zum Einstand des letzten von Michael Stolhofer kuratierten Sommerszene-Festivals zeigten zwei Top-Frauen aus dem Tanz der 1980er-Jahre ihre Beiträge zur Gegenwart: die Kanadierin Louise Lecavalier und die Belgierin Anne Teresa De Keersmaeker.
Lecavalier, 53, war von 1981 bis 1998 die Startänzerin in Édouard Locks gefeierter Company La La La Human Steps - eine Virtuosin von unglaublicher Kraft, Geschwindigkeit und Präzision. Bei der Sommerszene zeigte sie nun den ersten Teil eines eigenen Stücks, das kommenden Dezember, komplettiert, in Düsseldorf uraufgeführt wird: So Blue.
Das Salzburger Try-out ist ein Solo zur rhythmisch abgründigen Musik von Mercan Dede, in die an einer Stelle auch Trümmer aus Chers Hit Bang Bang (My Baby Shot Me Down) eingestreut sind. Lecavalier, in dunkler Trainingshose und passendem Shirt, lässt ihr Image als Turbo-Fee in Locks kühlen Designerstücken hinter sich. Ihr im Umspannwerk ihrer Karriere drahtig gewordener, abgeklärter Körper wirkt wie ein Zwilling von David Bowie, bis hin zum Haarschnitt und den Gesichtszügen. Sie tanzt in kurzen, präzisen Bewegungsfolgen, die wieder und wieder gebrochen werden - energiegeladen, aber weder als die Tanz-Lara-Croft von früher noch als zerbrochene Heldin wie noch in dem Solo "I" Is Memory, das 2006 im Tanzquartier Wien zu sehen war.
In ihren reiferen Jahren wird Lecavalier, unterstützt von ihrem Landsmann Benoît Lachambre, zu einer Choreografin, die etwas mitzuteilen hat. So Blue könnte ein schönes Stück werden, in dem die Künstlerin weiterhin ihre Vergangenheit aufarbeitet. Der Salzburger Abend war ergänzt von Reminiszenzen an frühere Zeiten unter dem Titel A Few Minutes of Lock.
Darin tanzt Louise Lecavalier nicht bloß Zitate aus den Lock-Produktionen Salt und 2, sondern sie übersetzt diese Passagen auch in eine nüchterne Atmosphäre, in einen anderen Zusammenhang. So wird das Zitat zu ihrem eigenen Statement. Die Erscheinung als Bowie-Figur liest sich als zweite Reminiszenz: 1990 tanzte sie in Bowies Sound and Vision -Tour. Die Tänzerin wieselt zwar durch ein Geflecht an Spuren, die ihre Biografie ausmachen, wird dabei aber nicht zur Selbsttherapeutin.
Auch Anne Teresa De Keersmaeker hat in die Vergangenheit zurückgegriffen und eines ihrer markantesten Stücke wieder aufgenommen: Drumming von 1998. Die Sommerszene zeigte das große Gruppenwerk zur Musik von Steve Reich, die live vom Ictus Ensemble gespielt wird, auf der Jedermann -Bühne vor der Dom-Fassade.
Das dynamische, aber doch minimalistische Stück verträgt die Freilichtaufführung nur bedingt. Sein Formalismus wird durch den Fassaden-Hintergrund überbetont, und das Spiel mit dem Goldenen Schnitt wirkt wesentlich schwächer als in der Erstfassung.
So wirkte das Stück seltsam verloren und leer. Impulstanz hat 1998 in den Sophiensälen die Uraufführung gezeigt und wird diese Neuaufnahme ab 14. Juli im Wiener Burgtheater präsentieren. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 9.7.2012)
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