Gelassenheit und Pathos

Ljubisa Tosic
8. Juli 2012, 20:30

Gitarrist John Scofield und Sänger Rufus Wainwright

Wien - Notenfaule Gelassenheit - wie man sie bei John Scofield findet - hat wohl etwas mit dem Zutrauen zu den eigenen Ideenkräften zu tun. Der US-Gitarrist beweist es jedenfalls seit Jahren: Mit einer elegant-deftigen Note kann er einen rhetorischen Überzeugungscharme entfalten, zu dem Kollegen auch mit tausend Noten pro Sekunde nicht imstande wären. Und diese Note - man hat es nun beim Jazzfest im akustisch heiklen Arkadenhof des Rathauses erahnen können - lebt vom eleganten Timing; es ist jedoch auch der Sound als solcher, dem immer etwas von dreckig-bluesiger Gequältheit innewohnt, der für spezielle Reize sorgt.

Von großer Gelassenheit zeugt natürlich auch die Besetzung: In Scofields Quartett ist nämlich auch Platz für einen Saitenkollegen, der auch schon lange und zu Recht kein Unbekannter ist. Kurt Rosenwinkel hat nicht nur einen helleren, weicheren Ton als Scofield. Er verfügt auch über einen flüssigeren Stil als der Gastgeber, was bei einem eher traditionellen Jazzkonzept, das sich in alten, bisweilen swingenden Jazzformen entfaltet, mitunter sogar einen Vorteil bedeutet.

Rosenwinkel ist in die Bebopschule gegangen und hat auch die Swingstilistik, die dem Bop vorausging, gut verinnerlicht, was in seinen Soli zu quirligen Linien führt, die, oberflächlich betrachtet, Scofield blass aussehen lassen. In puncto markante Aussage ist jedoch der Gastgeber immer noch Punkte vorne. Besonders wenn es bluesig wird. Hier ist Scofield, der diesmal die funkige Seite seiner Kunst ausklammerte, jener umwerfende Minimalist des kontrollierten Pathos.

Tags zuvor, in der Wiener Staatsoper, war von Pathoskontrolle nichts zu spüren. Singer/Songwriter Rufus Wainwright erhob seine einnehmend engelhafte Stimme, in der Erinnerungen an Billy Joel und Roy Orbison verschmelzen, passend opernverliebt und also prall gefüllt mit einer Überdosis Emotion.

Im Prinzip eine schöne Sache. Das Problem: Eine Menge der Songs dieses Abend waren solide Meterware und konnten mit dem vokalen Ausdruck substanzmäßig nicht mithalten. So produziert schon der Opener Candles, ganz im Dunklen dargeboten, eigentlich das Gefühl von Überlänge, das sich dann noch eine Weile nicht verabschieden wollte.

Es wurde besser, und immerhin: Der Titelsong der neuen CD, Out Of The Game, hat jenes gewisse Etwas, das nur wirkliche Komponierkönner zuwege bringen. Und natürlich auch Bitter Tears, mit dem das offizielle Programm endete und bei dem es gleich viel Begeisterung gab, wie bei Wainwrights Bemerkung, er werde bald seinen Freund ehelichen.  (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 9.7.2012)

Montag, 9.7., beim Jazzfest: Sharon Jones, Arkadenhof, Rathaus

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9 Postings
Da war auch noch Marc Ribot

Marc Ribot Y LOS CUBANO POSTIZOS heizten nach dem Scofield-Auftritt dem Publikum mit einem Rhytmusgewitter derart ein, dass man sich fragte, warum man auf einem Sessel saß. Die Bestuhlung hätte zu diesem Zeitpunkt längst weg sein müssen. Schließlich hielt es einen Teil des Publikums nicht mehr auf den Stühlen und es wurde wild getanzt. Nur ein paar eingefleischte Jazz-Puristen blieben sitzen und beschwerten sich auch noch bei den TänzerInnen, dass diese ihnen nun die Sicht verstellten.

Diese Kritik trifft es doch um einiges besser...

...http://diepresse.com/home/kult... o/index.do

die unverstärkten Lieder

bleiben unerwähnt?! die Ironie mit der Wainwrigth seine Situation erklärt: "It's a Pop-Show on a Jazz-Festival in an Opera-House." Fulminantes Konzert.

Tontechnik / Mischer verbessern!!

@ Scofield: Hall ohne Ende
@ Mothers finest: Nur laut, schallsumpf der übelsten Sorte

im arkadenhof kann man den sound nicht verbessern

eine hoffnungslose lokation.
das einzige was dort hilft ist ganz vorne stehen.

und da haben mir mothers finest viel vergnügen bereitet.
wieviel spass rock machen kann.

100% agree zum arkadenhof

Standardkonzertkritiker haben...

...eine doch sehr eigenwillige Wahrnehmung!

Wainwright ist großartig!!!!!!

Ein Entertainer der Sonderklasse! Standing ovations in der Staatsoper! Danke!

Ich stimme zu

Akustik (Tontechnik) war weiter oben leider grottenschlecht!!

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