Planen für die Post-Bashir-Ära

Analyse9. Juli 2012, 05:30
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Sudans Opposition einigt sich auf ein Grundsatzpapier

Khartum/Wien - Obwohl der Sudan, in dem seit 1989 Omar al-Bashir autoritär regiert, logischerweise auf der Kandidatenliste für den Arabischen Frühling steht, konnte dieser 2011 trotz vereinzelter Demonstrationen nicht in dem Land Fuß fassen. Das scheint jetzt anders zu werden: Die Proteste dauern an, und sie werden von der Opposition aufgegriffen. Vor wenigen Tagen haben die sudanesischen Oppositionsparteien ein gemeinsames Dokument für die Post-Bashir-Ära unterzeichnet. Allerdings geht, ähnlich wie bei der syrischen Opposition, der Konsens nicht weit über den Wunsch nach "regime change" hinaus.

Wie 2011 ging es bei den ersten Protesten vor einigen Wochen um die Sparpolitik der Regierung, die Preise für Waren des täglichen Bedarfs teurer macht: Vor kurzem wurde die Benzinpreisstützung abgeschafft. Dass allerdings just Studentinnen die ersten organisierten Demonstrationen an der Universität Khartum abhielten, zeigt, dass diesmal strategisch vorgegangen wird: Demonstrierende junge Frauen finden im Westen eher mediale Beachtung und Sympathie als ganz normale Brotdemonstranten.

Für die sudanesische Regierung ist auch klar, wer dahintersteckt: Hassan al-Turabi, einst als Chef der Islamischen Front Bashirs Partner dabei, den Sudan auf islamische Weichen zu stellen, heute dessen erbitterter Gegner, der seit zehn Jahren im Gefängnis ein und aus geht. Auch im Jänner 2011 wurde er kurzfristig verhaftet. Am Samstag erwischte es ein Mitglied von Turabis "Volkskongress"-Allianz, das nach Katar reisen wollte, um im Sender Al Jazeera aufzutreten, der Wunderwaffe der arabischen Aufständischen - wobei Al Jazeera nur dann mitmacht, wenn es politisch von den Golfstaaten erwünscht ist.

Turabi, ein islamistischer Denker mit teilweise durchaus unorthodoxen Ansichten, befindet sich aber nicht nur in Konkurrenz zu Omar al-Bashir, sondern zum zweiten großen alten Oppositionellen im Sudan, Al-Sadiq al-Mahdi, dem Chef der Umma-Partei. Sie konnten sich lange nicht darauf einigen, wie der künftige sudanesische Staat beschrieben werden sollte: zivil oder islamisch oder demokratisch. Omar al-Bashir hat indes einmal mehr versprochen, dem Sudan eine rein islamische Verfassung geben zu wollen - das soll sozusagen das Zuckerl für seine Anhänger dafür sein, dass der - ungläubige, weil großteils christliche und animistische - Süden weg ist.(Gudrun Harrer/DER STANDARD Printausgabe, 9.7.2012)

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