Unabhängigkeit, aber kein Frieden im Südsudan

9. Juli 2012, 05:30

Vor genau einem Jahr wurde der Süden des Sudan eigenständig. Die Bilanz seither ist ernüchternd

Juba - Fast 99 Prozent der Südsudanesen stimmten im Jänner 2011 dafür, am 9. Juli war es dann so weit: Der Südsudan erklärte sich unabhängig vom Sudan. Der Erdölexport und internationale Aufbauhilfen sollten dem krisengeschüttelten Land wieder auf die Beine helfen. Im ersten Staatshaushalt verließ sich die Regierung zu 98 Prozent auf Einnahmen aus dem Ölexport - ein schwerer Fehler, wie sich zeigt.

Im Jänner entschloss sich Präsident Salva Kiirs Regierung, die Ölförderung einzustellen. Denn der Sudan hatte südsudanesisches Öl konfisziert, weil Khartum höhere Erlöse aus dem Öltransit beansprucht. Der Süden nutzte bisher ausschließlich sudanesische Pipelines für Exporte, die Entwicklung alternativer Transportwege dürfte Jahre dauern.

Die Entscheidung zum Förderstopp war für den Südsudan mit seinen riesigen Ölreserven ein sehr schmerzhafter Schritt. Die Regierung musste den Staatshaushalt um drei Viertel im Vergleich zu diesem Jahr kürzen. Dabei leiden schon jetzt die Menschen größte Not, der Südsudan zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Weltbank schätzt, dass der Anteil der Bevölkerung, der unterhalb der Armutsgrenze lebt, von bisher 51 Prozent bis 2013 auf 83 Prozent steigen wird.

Der Südsudan muss zudem mit einer internen Flüchtlingswelle fertigwerden. Noch immer sind die Grenzstreitigkeiten mit dem Sudan nicht beigelegt. Regierungstruppen und auch Rebellenorganisationen kämpfen um die umstrittenen Landstriche. Seit Mitte 2011 haben hunderttausende Südsudanesen aus Furcht vor Gewalt ihre Heimat verlassen. Hilfsorganisationen berichten, der Sudan setze seine Luftwaffe ein und bombardiere sogar Flüchtlingslager. Die sudanesische Regierung bestreitet dies.

Trotz der Not gibt der jüngste Staat der Welt rund 40 Prozent seines Staatshaushalts für Militärausgaben aus. So sollen auch Stammeskonflikte innerhalb des Landes beigelegt werden. Zu Jahresbeginn kamen über 800 Menschen bei Stammesrivalitäten ums Leben, als verfeindete Stämme sich gegenseitig Rinderherden stahlen.

Im April kam es zudem zu den schlimmsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Sudan und dem Südsudan seit der Unabhängigkeit. Gekämpft wurde um die Ölfelder von Heglig in der Grenzregion. Der Weltsicherheitsrat drohte beiden Ländern mit Sanktionen, sollte das Blutvergießen nicht enden. Die Afrikanische Union vermittelt zwischen beiden Ländern und setzt derzeit auf die Friedensverhandlungen zwischen beiden Parteien in Addis Abeba (Äthiopien). Dort sollen am Montag Gespräche mit Salva Kiir und dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir stattfinden. (red, DER STANDARD, 9.7.2012)

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war leider zu befürchten. solange der massenmörder bashir in khartum regiert, wird diese gegend wohl nicht zur ruhe kommen.

ich dachte george clooney kümmert sich darum.

naja.
kleiner tipp an den südsudan: das öl bis auf weiteres dort lassen wo es ist. es wird nicht davonlaufen. grenzen zum sudan mittel grenzziehungskommission abklären, in streitfällen einfach nachgeben (das ist keine schande wenn man der schwächere ist).

Toller kleiner Tipp.

Wie einfach doch alles immer ist, wenn man nur weit genug entfernt ist.

ach, mit der entfernung hat das gar nix zu tun.

tatsache bleibt aber dass das öl nicht weglaufen kann.
die grenze zum stärkeren und mächtigeren norden muss einmal gezogen werden - da hilft alles nix. und so eine grenzziehungskommission benötigt zeit und bringt ... zeit.
zeit um all die probleme zu betrachten und auch ohne öl zu lösen. und ja, das wäre machbar.
denn, wie gesagt, das öl läuft nicht davon.

wenn da nur nicht vorher der staatsbankrott drohen würde...

ich wünsch dem Südsudan alles Gute

vielleicht sollten sie doch daran denken, die Erdölproduktion wieder aufzunehmen (ohne Pipeline ists halt schwierig).

Hauptschuld an dem Konflikt ist für mich der Islam an sich...wozu der imstande ist, sieht man hier: http://www.youtube.com/watch?v=v... verified=1

Wenn sie eine andere Religion hätten, würden sie sich nicht ums Öl streiten? Das glauben Sie wohl selbst nicht.

Unwissenheit

hat keine Grenzen

ich glaub der Helmut71 an sich hat eine verkürzte Sicht der Dinge.

http://www.jungewelt.de/2012/07-09/008.php

Das hat soviel mit dem Islam zu tun wie die griechische Wirtschaftskrise.

achso? und ich dachte auf dem Video wären radikale Islamisten zus ehen...mein Fehler.

Ich kann das video leider nicht sehen (da muss man sich anmelden), aber im Titel heisst es Kabul..
Ich war aber letztens 6 monate dort (Jongolei und upper nile state) und die Südsudanesen (Dinka, Nuer, Murle,...) haben mit dem Islam aber gar nichts am hut und die chinesen sicher auch nicht. Selbst von den Malaysiern (Petronas hält neben den Chinesen gute teile an Ölvorkommen) war nichts disbezügliches zu hören oder zu sehen.

Keine humanitäre Katastrophe?

Grenzgefechte räumlich eingeschränkt

ist das die zukunft von afrika?

die unhaltbaren alten nationalstaatenkonstrukte zerbrechen in kleinere, statt internem bürgerkrieg gibts dann wieder regulären zwischenstaatlichen krieg...

dass afrika in diesem jahrhundert ernsthaft fortschritte machen wird wird immer unwahrscheinlicher...

Ganz im Gegenteil, Afrika befindet sich in einer so noch nie dagewesenen Phase des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Aufschwungs. Ja, dieser Konflikt ist tragisch aber sie müssen auch den Fortschritt sehen. Der Südsudan wurde durch ein demokratisches Referendum unabhängig - noch vor zehn Jahren undenkbar. Es ist schwierig den Überblick bei so vielen negativen Meldungen zu behalten aber Afrika befindet sich tatsächlich auf dem richtigen Weg. Die Konflikte haben seit dem Ende des kalten Krieges drastisch abgenommen und auch wirtschaftlich geht es ohne Zweifel bergauf.

Ich war ja auch für die Unabhängigkeit des Südsudans, der unter Bashirs Regime gelitten hat, aber wirtschaftlichen Aufschwung sehe ich in Afrika - zumindest in den permanenten Krisenregionen - kaum.

Ja, in ein paar Krisenregionen ist eine Verbesserung noch nicht zu spüren aber das wichtigste ist dass diese Krisenregionen seit Ende des Kalten Krieges immer weniger werden:

http://www.regjeringen.no/nb/dep/ud... ?id=533452

In den meisten Ländern Afrikas ist die Stimmung zurecht sehr hoffnungsvoll und optimistisch.

Bergauf?
Aber auch nur fuer die kolonial-Ausbeuter, zB China, USA, F&GB!
Den Menschen gehts so mies wie eh und je.
Keine nachhaltige Besserung in Sicht.
Verstehe nicht, wie man das uebersehen kann - vmtl durch die tollen Zickezacks auf den Boersenseiten?

Ich kann ihnen nur empfehlen entweder selbst mal in Afrika vorbei zu schauen oder sich zumindest eine Meinung abseits der üblichen Apokalypse-Marktschreierei zu bilden.

Afrika wird die Erfolgsgeschichte des 21ten Jahrhunderts. Ich kann mich noch erinnern wie Leute wie sie in den 80ern und 90ern den Aufstieg von Asien genauso kleinreden wollten. Damals war auch noch die Dependenz-Theorie ganz gross = wir können nur so reich sein weil die da drüben so arm sind.

Fakten:
- 6 von 10 der in den letzten 10 Jahren am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften sind aus Afrika
- 8 der letzten 10 Jahre ist Afrika wirtschaftlich schneller gewachsen als Ostasien
- Das Wachstum in den kommenden Jahren wird durchschnittlich bei 6% liegen

Das ist einfach nicht richtig, schauens einmal wieviele österr. Firmen von US oder DE Konzernen gekauft wurden, da müsste mann ja auch sagen wir werden von den USA und DE ausgbäutet...
Im moment schauts so aus, dass in Afrika mit jedem noch so kleinen Schritt in Richtung Demokratie ein massves Wachstum einhergeht: http://www.wolframalpha.com/input/?i=gdp+ruanda
http://www.wolframalpha.com/input/?i=gdp+kenia
http://www.wolframalpha.com/inpu/?i=g... p+tansania
http://www.wolframalpha.com/input/?i=... malia&lk=4
http://www.wolframalpha.com/input/?i=gdp+uganda
http://www.wolframalpha.com/input/?i=... dp+nigeria
http://www.wolframalpha.com/input/?i=... dp+austria
http://www.wolframalpha.com/input/?i=gdp+africa

Ganz meine Meinung. In einigen Ländern geht es mit riesen Schritten vorwärts. Das will natürlich hier im Jammer-Forum niemand wahrhaben...

jaja,
mal sehen wie es ausschaut, wenn die Entwicklungs"hilfen" ausbleiben, und die Gegenleistungen wieder mit ausländischer Gewalt eingefordert werden (sollten die Lieblingsdiktatoren mal ausscheren).
Mein Standpunkt: Afrika wird auf ewig daran gehindert, zu "wachsen" - und zwar in SEINEM Interesse, und nicht für die üblichen Verdächtigen
(Stichwort: Ausbeutung)

da könnens mir mit noch soviel Gelehrtenartikel kommen :/
die propagieren doch nur die Investment-Ruinen der Zukunft!

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