Streit um Eurogruppenchef: Schäuble wäre gute Wahl

Kommentar8. Juli 2012, 18:16
30 Postings

Der deutsche Finanzminister wäre ein Zeichen, dass Deutschland voll zum Euro steht

Wolfgang Schäuble scheint seinem letzten großen Ziel doch noch einen entscheidenden Schritt näher zu kommen: Chef der Eurogruppe zu werden, den Boden aufzubereiten für eine echte EU-Reform, die den Weg freimacht zur späteren Fiskalunion, mit einem starken Euro/EU-Finanzminister - das alles angehen zu wollen signalisiert der Karlspreisträger 2012 seit Monaten.

Es zeichnet sich ab, dass Frankreich, das zuerst Ja sagte, dann wieder Nein, Schäuble "im Gegengeschäft" akzeptieren könnte. Zwar gab es von Anfang an Bedenken bei einigen Partnern. Der mächtigste Finanzminister in der Eurozone, der über Sein oder Nichtsein des Rettungsfonds entscheidet, könne nicht gleichzeitig den Vorsitz führen. Aber es war auch immer klar, dass letztlich Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft im Euro, den Ausschlag gibt.

So war das beim Euro von Anfang an. Ohne Konsens der Eurogroßmächte läuft rein gar nichts. Ideal ist das nicht. Die Stärke der Union macht ihre Vielfalt aus, die Tüchtigkeit vieler kleiner Staaten. Luxemburg, das Land des spätestens Ende 2012 scheidenden Eurogruppenchefs Jean-Claude Juncker, beweist das. Die "Kleinen" sind in der Regel auch die besseren Vermittler, haben weniger Macht.

Aber: Eine Alternative zu Schäuble hat - bisher - niemand angeboten. Der deutsche Europäer aus Freiburg wäre eine hervorragende Wahl: sozusagen physischer Beweis dafür, dass Deutschland voll und ganz zum Euro steht. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 9.7.2012)

Share if you care.