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Als Einzelunternehmer arbeitet man auf eigenes Risiko.
vergrößern 600x1349Medianeinkommen bei Selbstständigen.
Erich Pichlers gute Zeiten als Architekt sind vorbei. Lukrative Aufträge sind rar, Familie und Büro leben von Reserven. Starke Einkünfte aus einem Jahr machen die Verluste davor und danach nicht wett. Er habe immer gute Arbeit geleistet, ist der Tiroler überzeugt, und sei im Job erfolgreich gewesen, doch mittlerweile beute er sich selbst aus. Mitarbeiter können sich er und seine beiden Kollegen schon lange nicht mehr leisten. Pichler ist seit bald 30 Jahren selbstständig, aber auch " den jüngeren Architekten geht es heute nicht besser".
Mit harscher Kritik an der Wohlfahrtseinrichtung für Ziviltechniker hält der 62-Jährige nicht hinterm Berg. Sie biete nicht Schutz, sondern sei " ein Inkasso- und bürokratisches Selbsterhaltungsinstrument". Drei Jahrzehnte habe er seine Beiträge eingezahlt, um nun einen Pensionsanspruch von gerade einmal 813 Euro zu haben. Für 2012 erhielt er eine Vorschrift von mehr als 11.000 Euro. Nach zwei auftragsschwachen Jahren sei das für ihn nicht finanzierbar. Die Reduzierung des Beitrags erreichte er "nur nach heftigem Insistieren. Das alles macht mich zornig."
Keine Lobby
Im Heer der Selbstständigen rumort es. Weder Angestellte noch Arbeitgeber, hatten die Ein-Personen-Unternehmen jahrelang keine echte Lobby. Zu weit driften ihre Berufe auseinander. In der Politik fanden ihre Probleme wenig Gehör. Mittlerweile aber mobilisieren sich die knapp 240.000 Kleinstbetriebe und holen sich die Unterstützung von 42.000 neuen, gewerbescheinlosen Selbstständigen - von Schriftstellern wie Journalisten, Beratern, Krankenpflegern, Fotografen wie Psychologen. Sie trommeln ihren Groll über prekäre Arbeitsbedingungen in sozialen Medien und geben ihren Anliegen auf spontanen öffentlichen Aktionen ein Gesicht.
So vielen Selbstständigen gehe es schlecht. Klar liege das mitun- ter auch an fehlendem Verkaufs-Know-how. Doch verdiene eine so große Zahl an Kleinen derart wenig, dann seien daran vor allem System und Strukturen schuld, sagt Martina Schubert. Selbst Einzelkämpferin, berät sie ihresgleichen und steht im Ringen um faire Rahmenbedingungen für Ein-Personen-Betriebe an vorderster Front. Ihr Kontrahent ist das Sozialversicherungssystem: Zu hoch seien die Beiträge für Wenigverdiener, klagt sie. Zumal Selbstständige mit schmalen Einkommen prozentuell mehr bezahlten als Besserverdiener. Ihre Liste der Ungleichbehandlung im Vergleich zu Arbeitnehmern reicht von teuren Selbstbehalten bei Krankheit bis zu deutlich niedrigerem Wochengeld für Mütter.
"Ehe Kinder versorgt und Butter aufs Brot geschmiert werden können, ist Sozialversicherung zu begleichen", sagt Schubert. "Warum lässt man Selbstständige mit nur 11.000 Euro Einkommen im Jahr nicht leben? Warum darf Sozialpolitik für sie nichts kosten?"
Finanzielle Entlastung
Peter McDonald, Chef der Sozialversicherungsanstalt, hat darauf scharfe Antworten parat: Seit bald zehn Jahren würden Selbstständige laufend finanziell entlastet, zuletzt etwa in der Krankenversicherung und bei der Abfertigung neu. Dass es da und dort individuell natürlich Verbesserungsbedarf gebe, ändere nichts an einem "an sich sozial gerechten System".
Der SVA wehe allerdings eisiger Wind entgegen: Im Zuge des Sparpakets wurden ihr 135 Millionen Euro entzogen, "um damit Löcher im Bundesbudget zu stopfen".
Das mittlere Jahreseinkommen eines ausschließlich selbstständig Beschäftigten beträgt 10.900 Euro, rechnet Schubert vor. Bei Frauen seien es lediglich 8000 Euro, Teilzeitarbeit inkludiert. In der Wirtschaftskammer beziffert man ih- ren Lohn mit im Schnitt 26.000 Euro; laut Schubert sind hier aber etwaige Zusatzeinkünfte aus unselbstständiger Arbeit mit drin.
Zehn Prozent der Ein-Personen-Betriebe würden von der Sozialversicherung wegen offener Rechnungen exekutiert; gepfändet dürfe bis unter das Existenzminimum werden, fährt sie fort. Nur wenige Exekutionen würden umgesetzt, relativiert McDonald und verweist auf Zahlungen in Raten. " Die Leute verkaufen dafür ja auch ihre Couch", hält Schubert entgegen.
Hoher Akademikeranteil
Architekt Pichler empfiehlt jungen Branchenkollegen jedenfalls, sich "nie und nimmer" als Selbstständige verwirklichen zu wollen.
280.000 Einzelkämpfer schaffen sich ihre Jobs selbst. Der Akademikeranteil unter ihnen ist hoch. Zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung blicken sie auf im Schnitt 15 Jahre an Berufserfahrung zurück. Rund 40 Prozent jedoch geben nach den ersten fünf Jahren wieder auf.
Zwölf Prozent galten laut EU-Statistiken zuletzt als armutsgefährdet; sieben Prozent sind es generell bei den Erwerbstätigen. Fast ein Fünftel arbeitet direkt bei ihren Kunden, erfragte die KMU-Forschung. 78 Prozent üben die Selbstständigkeit hauptberuflich aus. Sie bedienen überwiegend regionale Märkte. Die Bereitschaft, Mitarbeiter aufzunehmen, ist gesunken.
Jeder Selbstständige zahlt Sozialversicherung, mindestens 1,5 Euro am Tag. Im Vorjahr wurden von der SVA wegen offener Rechnungen 1900 in Konkurs geschickt. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 9.7.2012)
Geringe Zuverdienstgrenzen und fehlende Kinderbetreuung in der Karenz zwingen zum reinen Hausfrauendasein
Finanzielle Barrieren für Kleinstunternehmer
Geringere Selbstbehalte treiben mehr Unternehmer zur Vorsorgeuntersuchung. Viele können sich den Arztbesuch dennoch nicht leisten
Selbstbehalte beim Arzt oder Arbeitsunterbrechung zehren Ersparnisse auf
Die Arbeiterkammer ortet in Österreich 30.000 Scheinselbstständige, von frei erwählt und echter Selbstständigkeit weit entfernt
Zwischen Arbeitnehmerinnen und Selbstständigen tut sich in der Karenz eine tiefe finanzielle Kluft auf. Das Bild der reichen Unternehmerin ist Vergangenheit
Die Sozialversicherungsanstalt lässt jeden zehnten Kleinstbetrieb exekutieren. Die meisten kommen mit Ratenzahlung davon
Viele Kleinstunternehmen geraten in eine Todesspirale, Gutverdiener sind aus der Solidarität entlassen, sagt der Arbeits- und Sozialrechtswissenschaftler Martin Risak
Christa Auderlitzky hat einen Weltvertrieb für Filme in Wien gegründet - STANDARD-Serie, Teil 8
Manfred Häfele wagte nach drei Jahrzehnten bei Bösendorfer einen Neubeginn in der Klavierbranche
Stefan Lechner über das Filmemachen als One-Man-Show, den Weg zur eigenen Filmproduktion und das Zittern um neue Projekte
Edith Ploss ist Pionierin: Sie ist Vorarlbergs einzige selbstständige Sozialarbeiterin
Der Wiener Rainer Imb hat sich mit einer Firma für Webdevelopment selbstständig gemacht
Gerhard Forstner hat sich schon in allen möglichen Berufen versucht, als Brauer von Bierspezialitäten hat er seine Berufung gefunden
Der Oberösterreicher Dietmar Spöcker ging einen für Zeitungsleute nicht untypischen Weg
Ergotherapeut Christian Andergassen ist seit fünf Jahren selbstständig und hat mehr berufliche Freiheiten
Kleinstunternehmer, Neue Selbstständige, Ein-Personen-Unternehmen: Immer mehr Menschen kommen ohne Anstellung aus
Grundsätzlich ist bei der Frage,
ob eine Selbstständigkeit sinnvoll ist,
der Unternehmerlohn zu berücksichtigen:
Verdienst als Angestellter: z.B. 2000,- EUR netto
Unternehmerlohn: 2.000*2*12 = 48.000,- EUR
(das würde der gleiche Angestellte zirka der Firma kosten!).
Erst ab einem Gewinn über 48.000 EUR wäre in obigem Rechenbeispiel die Selbstständigkeit zu empfehlen!
Zahlungen entsprechen immer dem GEWINN
im vorvergangenen Jahr: von diesem Gewinn müssen
22,80 % für Pension
17,50-20,00 % für Selbstständige (klarer Vorteil!!!)
7,65 % für die Krankenversicherung
1,40 % für die Unfallversicherung
Hauptunterschied:
Selbstständige zahlen den kompletten Beitrag,
bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber anteilig mit,
aber der Selbstständige bekommt auch den gesamten Gewinn und nicht bloß einen anteiligen Lohn!
Zwei Jahre später zu Jammern ist falsch:
es gehört zu den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns zu (die Bezeichnung „ordentlicher Kaufmann“ schließt freie Berufe NICHT aus)
für künftige Forderungen entsprechende Rückstellungen und Rücklagen zu treffen!
Zum Vergleich - Monatskosten eines Dienstnehmers mit einem Stundenlohn von EUR 15,-- sind etwa EUR 3800 - toll, wenn man das mit allen diesen angeführten Berufen vergleicht. Und da braucht man dann keine Steuererklärung, keine eigenen Werkzeuge, Computer , Räume usw.
Aber in der Autowerkstätte kostet dann eine Meisterstunde schon 80-100 EURO, wir sind nicht bereit, für Dienstleistungen zu zahlen.
...rät Langzeitarbeitslosen oder Personen über 50 in gewissen Branchen zu einer Selbstständigkeit als ob das die ultimative Arbeitsform wäre!
Sie wurden gekündigt weil die Firma Sie sich als Angestellten nicht mehr leisten kann/will, dann machen Sie sich selbstständig und arbeiten so wieder für ihren alten Arbeitgeber auf eigene Rechnung!
AMS = A mieses System!
die kammern in die wüste zu schicken. hoffentlich kommt die möglichkeit der volksabstimmung, so gefährlich eine solche sein kann. ich bin der erste, der sich dann für eine abstimmung gegen diese zwangsmitgliedschaften einsetzen wird.
und immer mehr werden von den Kammern zur Selbstänigkeit eingeladen... dazu kommt noch der Mißbrauch von qualifizierten Personen - Techniker, die dann als selbständige Volontäre arbeiten, zu einem niederen Lohn und diese Zeiten gelten dann nicht einmal als Praxiszeiten, wenn sie bspw. die Anerkennung dafür wollen bei der Ziviltechnikerprüfung oder HTL-Ing-Qualifikation. Italinische Verhältnisse, wo dann hochqualifizierte zu Praktikaten-Gehältnern arbeiten, solange eben Aufträge da sind, dort wohnen dann die 35jährigen noch zu Hause, verdienen vielleicht 1000EURO im Monat und hoffen, dass sich doch was ändert. Die erzwungenen Praxiszeiten in Berufsregeln werden ja geheiligt, so billig kommt man sonst nie zu Arbeitskräften.
Das ist ja wohl ein Scherz (und eine Frechheit)!
Als EPU muss ich für mich selbst als einzigen Angestellten(!) Abfertigung “ansparen“, und zwar bei einem von 9 möglichen Anbietern, den ich mir ein mal ganz zu Beginn(!) aussuchen konnte, ohne die Möglichkeit später zu wechseln.
Die jährliche Aufstellung dieses “Ansparmodells“ treibt mir jedesmal eine Mischung aus Zornes- und Lachtränen in die Augen: der Zinssatz ist noch nicht mal in der Nähe der Inflationsrate, das bisserl was nominal “erwirtschaftet“ wird, wird vollständig von den Verwaltungskosten aufgefressen. Ich hätte mehr davon, wenn ich einfach Bargeld in den sprichwörtlichen Strumpf stopfte und unter die Matratze legte.
Danke, auf diese finanzielle “Entlastung“ verzichte ich.
Lieber Werwolfi,
Sie sehen immer nur Negatives! Ich z. B. denke mir bei der jährlichen Kontoauskunft, dass ich damit viele Jobs unterstütze, die es ohne meine finanzielle Hilfe nicht gäbe. Da gibt es satte GF-Gehälter für Blutzer die sonst wohl keinen so verantwortungsvollen Job hätten.
Wenn die Politiker schon Flexibilitätvon uns fordern, dann bitte aber Schluss mit diesem Unsinn.
Einmal Krankenversicherung reicht wohl. man kann ja nicht doppelt krank sein.
Vllt. Machen selbständige wirklich etwas verkehrt. Offenbar legt es der Staat österreich darauf an seine selbständigen zu einer Anmeldung in einem unternehmerfreundlicheren EU-Land zu bewegen. Da muss man sich doch glatt mal schlau machen welche möglichkeiten es da gibt. Freier waren- und dienstleistungsverkehr sind ja garantiert.
unternehmerfreundlicheren EU-Land
Beispiel: schon mehr als 50% der österr. LKW`s werden ausgeflaggt - sprich: ins Ausland verlegt (Rumänien ist sehr beliebt).
Dabei gehen dem Staat pro LKW knapp 50.000 € verloren - aber der österr Unternehmer bleibt konkurenzfähig und überlebensfähig.
Wer tut sich das bitte an?:
Ständig Steuervoranmeldung, Steuerberatergschnasgespräche, Zwanggsbeiträge, doppelt Versicherung zahlen, wenn zusätzl. Arbeitsverhältnis, Wirtschaftskammer-Zwangsmitgliedschaft (auch in anderen Ländern gibt es Wirtschfatskammern, aber dort ist die Mitgliedschaft frei, ergo gibt es dort auch echte Serviceorientierung).
Schde, denn die Selbständigkeit wäre eigentlich zeitgemäß und hätte großes Potenzial. Politisch erwünscht ist allerdings lieber der kollektive Niedergang, wie's ausschaut.
Ich bin noch kein jahr selbstständig, aber bevor ich noch den ersten cent verdient hatte, kam die sva und verlangte geld. Selbst die ungeliebte finanz war nicht so schnell da.
Zusätzlich zahle ich 20% selbstbehalt. Hatte ich bei der wgkk nicht. Einfach eine frechheit. Es dürfte nur mehr eine sozialversicherung für alle geben oder jedeR darf sich aussuchen, zu welcher sv er/sie möchte.
Ganz abgesehen ist ö das genaue gegenteil von us. Hier bist du als beamter und angestellter könig und als unternehmer der trottl, der belächelt wird. In us genau umgekehrt. Die balance ist sicherlich wieder einmal der richtige weg, denn wer schafft etwas neues? Wer schafft innovation? Wer schafft arbeitsplätze?
im ersten Jahr sinds rund 150 Euro im Monat - wenn sich das nicht ausgeht, sollte man sich schnell wieder eine Anstellung suchen ...
Innovative Unternehmen machen die ersten 2-3 Jahre keine Gewinne. Dort wird entwickelt und investiert.
Mein Kontostand nach dem 2 Jahr war minus 100.000 € - trotzdem musste ich brav SVA Beiträge zahlen (bzw die Bank + Zinsen).
Würde man folgenden Missstand endlich beenden, könnte man wie bei der Einkommenssteuer auch bei der SVA einen Freibetrag zur Grundsicherung einführen: Gewinnausschüttungen bei GmbH`s sind nämlich bis jetzt nicht SVA Abgabenpflichtig - wir reden hier über Milliardenbeträge !
bei den Gewinnausschüttungen geb ich recht - viele gesellschaftende GF's zahlen sich einen miniLohn und schütten sich dann zu mit Geld...
aber auch bei permantenten Verlusten würd ich einen Grundbetrag verlangen - GesundheitssystemLeistungen konsumiert man ja trotzdem
permantenten Verlusten
Einem Unternehmer der 1-3 Jahre Minus macht, gönne ich aber eine kostenlose SVA und danach dreht eh die Bank den Hahn ab.
Und wenn er eine GmbH hat und sich trotz Minus einen Gehalt auszahlt, muss er SVA zahlen wie jeder andere. Es müsste halt einen Freibetrag wie bei der Einkommenssteuer geben - z.B. bis 10.000 € keine Steuern keine SVA - darüber wird in % zur Kasse gebeten - auch bei Gewinnausschüttungen von GmbH`s.
Wär super easy - alle wären zufrieden und die SVA Anstallten kann man dicht machen weil jeder den selben %Satz zahlt und sich das auch einfacher ausrechnen kann.
Und wer sein Leben lang kaum was eingezahlt hat, bekommt eine Mini Mindest Überlebenspension und der Rest je nach Einzahlung %uell mehr.
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