Frank Stronachs geplatzte Träume

Hintergrund
  • Als Züchter  hatte Frank Stronach mehr Erfolg als mit dem Pferdesport.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Als Züchter hatte Frank Stronach mehr Erfolg als mit dem Pferdesport.

Frank Stronach, dem Werkzeugmacher aus einem steirischen Dorf, gelang eine legendäre Karriere - Ebenso legendär sind seine Flops

Graz - Legenden erzählen, Frank Stronach habe sich in den späten 1980er-Jahren deshalb nach Österreich zurückgezogen, um hier in seiner alten Heimat die Wunden zu lecken.

Der steirische Werkzeugmacher hatte in Kanada als Autozulieferer einen Weltkonzern aufgebaut. Aber er wollte mehr und kandidierte Ende der 1980er für die dortige Liberal Party. Es wurde die bis dahin größte Niederlage, die Stronach zu verarbeiten hatte. Der Neopolitiker hatte einen pompösen Wahlkampf ("Let's be Frank") organisieren lassen. Der Gegenkandidat, ein Optiker, schmiss ihn aber aus dem Rennen. Stronach hatte vorerst genug von der Politik. Zumindest von einem direkten Engagement.

Zurück in Österreich, holte er sich die Elite der Parteien, eine ganze Riege ehemaliger Spitzenpolitiker, in seine Dienste. Sie sollte ihm bei seinen Investitionen in Österreich behilflich sein. Aber es lief nicht alles rund. So scheiterte Stronach nach öffentlichen Protesten etwa beim Kauf der Voestalpine, die gerade im Zuge der schwarz-blauen Regierung zur Privatisierung anstand.

Parallel zu seinen erfolgreichen Industrieprojekten - etwa dem Kauf des Herzstücks seines Magna-Österreich-Konzerns, Steyr Daimler Puch -, mit denen er den Großteil der 13.000 Arbeitsplätze schuf, wollte Stronach seine Heimat Österreich und sich selbst mit einer Reihe von millionenschweren Entertainment-Investitionen beglücken. Ein Gustostückerl seiner Freizeitsparte sollte rund um seine Lieblingstiere, die Pferde, aufgebaut werden. Von den Erfolgen seiner Rennpferde erzählt Frank Stronach immer wieder gerne, über die Rennbahn-Gruppe, die er seit 1998 zusammengekauft hat, weniger gern. Denn die war ein Fehlschlag. Ursprünglich erwarb Stronach zehn Rennbahnen quer durch die USA, darunter renommierte Plätze wie Santa Anita (Los Angeles) und Gulfstream Park (Florida). Aber die Geschäfte liefen bei weitem nicht so, wie er es erwartet hatte.

Die Magna Entertainment Gruppe MEC verlor bis 2009 rund 500 Millionen Dollar. Ein erklecklicher Verlustteil davon kam auch aus dem österreichischen Magna Racino, das Stronach 2004 - Baukosten rund 100 Millionen Euro - für geplante 50 Renntage pro Jahr eröffnet hatte.

Pferdesport lahmte

Heuer sind es gerade einmal zehn. Aus der Pleite von MEC übernahm Stronach einige Bahnen und versucht teilweise mit Casino-Lizenzen zu besserer Rentabilität zu gelangen. Aber auch der TV-Wettkanal, in den er große Hoffnungen gesetzt hatte, floppte. Seine Erklärung wie so oft: Die staatlichen Regulierungen hätten ihn an der Entfaltung gehindert.

Bei der Wiener Austria hat ihn niemand gebremst, dieses Match spielte er alleine. "Ich brauche keine Reklame", sagte Frank Stronach, als er im Sommer 1998 bei der Wiener Austria als Mäzen mit einem Scheck über zehn Millionen Schilling vorstellig wurde. Auf den Fußballgeschmack war er gekommen, als er mit dem damaligen Austria-Präsidenten Rudolf Streicher beim Landeanflug auf Wien das hellerleuchtete Happel-Stadion sah. Spätestens in fünf Jahren werde die Austria den Europacup gewinnen, 2006 werde Österreich Weltmeister werden. Beides ist sich nicht ganz ausgegangen. Obwohl Stronach 1999 zum Präsidenten der Bundesliga gewählt wurde. Von 2000 bis 2007 ist die Magna-Tochter Sport Management International für die Betriebsführung der Wiener Austria zuständig. Stronach bzw. Magna investierten in dieser Zeit rund 100 Millionen Euro in die Austria. Zwei Meistertitel und drei Cupsiege sind der Profit. 2008 wird der FC Magna Wr. Neustadt gegründet. Stadienprojekte scheitern reihenweise: Rothneusiedl, St. Pölten, Wiener Neustadt. Und die Fußball-Akademie in Hollabrunn alimentiert er auch nicht mehr.

Neben der Pferderennbahn Magna Racino hätte ja noch eine ganze Entertainmentwelt entstehen sollen: Stronach - sein Vermögen wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt - plante einen Erlebnispark in Form einer begehbaren Weltkugel. Diese hätte ursprünglich mit einer Höhe von 80 Meter beim Wiener Prater errichtet werden sollen. Aber da erkannte Stronach schnell, dass die Behörden nicht mitmachten. Weniger schnell wurde ihm dies in Ebreichsdorf bewusst. In der Gemeinde südlich von Wien stellte er 1996 erstmals seine Pläne vor: 150 Meter hoch war damals noch die Vision, die dann fast um die Hälfte schrumpfte, bevor sie ganz verdampfte. "World of Wonder" - promoted vom damaligen Firmensprecher Karl-Heinz Grasser - sollte sie heißen und rund sieben Milliarden Schilling (rund 508 Millionen Euro) kosten.

Drink verlieh keine Flügel

Tausende Gegner trugen sich in Unterschriftenlisten ein, dem Versprechen von der Schaffung vieler Arbeitsplätze zum Trotz. Zwar gab es 1997 einen positiven Beschluss des Ebreichsdorfer Gemeinderats zur Umwidmung der Fläche. Doch das Land teilte dem Austrokanadier 1999 in einer Vorbegutachtung mit, dass das Projekt nicht genehmigungsfähig sei.

Die Megakugel floppte ebenso wie sein riesiges Hotelprojekt am Wörthersee später. Und selbst der Energydrink, den er sich zur Erbauung einfallen ließ und der Red Bull Konkurrenz machen sollte, kam nicht hoch. "Frank's Authentic Austrian Energy - keeps you yodeling all night long" bekam nie wirklich Flügel. Die wurden Stronach zuletzt auch bei seinen letzten wirklich großen Versuchen, international am Automarkt mitzumischen, ordentlich gestutzt. Beim versuchten Kauf des US-Autoherstellers Chrysler sowie 2009 bei den Verhandlungen mit General Motors und der deutschen Bundesregierung über die Übernahme von Opel wurde Stronachs Magna ordentlich ausgebremst.

Aber jetzt geht der 80-Jährige sein altes kanadisches Trauma an: Er wagt sich noch einmal in die Politik. (bez/dol/mue/spri, DER STANDARD, 9.7.2012)

 

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