Früherer Arafat-Vertrauter gestorben

7. Juli 2012, 14:56
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Deutscher Experte: Polonium wäre in Arafats Leiche kaum noch nachweisbar

Ramallah/München - Eine der prägenden Figuren der Palästinenserführung um den verstorbenen Palästinenserpräsident Yasser Arafat, Hani al-Hassan (Abu Tariq), ist tot. Hassan sei am Freitag im Alter von 74 Jahren in Jordanien gestorben, verlautete am Samstag aus der Autonomiebehörde in Ramallah. Der 1938 im heute zu Israel gehörenden Haifa geborene Hassan war Ende der 1950er Jahre zum Studium nach Deutschland gekommen, wo er die erste politische Palästinenservertretung in Europa gründete.

Das frühere Mitglied des Zentralkomitees der Fatah war lange Jahre Berater und Vertrauter Arafats. Dieser schickte Hassan als ersten Diplomaten auf den Botschafterposten im Iran, der kurz nach der Islamischen Revolution 1979 eingerichtet wurde. Hassan war ab 2002 Fatah-Chef im Westjordanland, später dann palästinensischer Innenminister.

In den letzten Jahren hatte der als Intellektueller geltende Politiker wiederholt die Palästinenserführung kritisiert, woraufhin er seinen Beraterstatus bei Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) verlor. Bei dem nationalen Begräbnis am Montag in Ramallah wird Abbas teilnehmen.

Derweil äußerte sich ein deutscher Experte skeptisch zu der geplanten Untersuchung von Arafats Leiche auf mögliche Spuren von Polonium, um einen möglichen Gifttod Arafats nachzuweisen. Das in Frage stehende Polonium-210 habe eine Halbwertszeit von lediglich 138,38 Tagen, sagte der Direktor des Instituts für Transurane in Karlsruhe, Thomas Fanghänel, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Acht Jahre nach dem Tode Arafats wären also - "wenn überhaupt - nur noch wenige Millionstel einer ursprünglich verabreichten Menge nachweisbar". "Ich habe meine Zweifel", sagte Fanghänel zur These eines Gifttods Arafats.

Der Fernsehsender Al-Jazeera hatte vor einigen Tagen unter Berufung auf ein Schweizer Labor berichtet, Arafat könnte an einer Polonium-Vergiftung gestorben sein. Arafats Witwe Suha und die Palästinenserführung sprachen sich für eine Autopsie aus, um den Hinweisen nachzugehen. (APA, 7.7.2012)

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