Der dritte Tag des Lesewettbewerbs

    7. Juli 2012, 14:42
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    Leopold Federmairs "Aki" überzeugte nicht wirklich - Isabella Feimers "Abgetrennt" erntete Kritik

    Klagenfurt - Mit den Österreichern Leopold Federmair und Isabella Feimer ist am Samstag das Wettlesen bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur zu Ende gegangen. Federmair erntete deutlich mehr Kritik als Lob. Feimer musste sich sogar harsche Kritik der Juroren gefallen lassen, bis hin zum Vorwurf der "klebrigen Sentimentalität" von Juror Paul Jandl.

    In Federmairs "Aki" erzählt eine Frau über eine frühere Beziehung mit einem zehn Jahre jüngeren Burschen namens Aki. Diese fiel ihr wieder ein, als sie den ehemaligen Freund zufällig in einer Bank wiedersieht und er sie nicht erkennt. Es war eine seltsame Beziehung, man traf sich nächtens am Gang, er stets nackt und mit erigiertem Penis, sie geschafft von der Arbeit im Gasthaus. Sie hörten Musik zusammen oder musizierten selbst, dazu stahlen sie gelegentlich Geld aus dem Tresor des Gastwirtes. Irgendwann fiel die Beziehung auseinander und durch das Zufallstreffen blendet sie zurück.

    Gute "Coming-of-age-Geschichte"

    Hubert Winkels nannte es eine "Coming-of-age-Geschichte", die gut gemacht sei. Meike Feßmann hielt den Text für nicht gelungen, vor allem, da die falsche Erzählperspektive gewählt worden sei. Hildegard Keller hatte sich gefragt, wozu diese Geschichte erzählt werde und wem die Figur die Geschichte erzähle. Burkhard Spinnen konstatierte, es gehe um eine traurige Existenz, es sei ein großer trauriger Text eines Mittfünfzigers über die irren Typen, die man vermisse. Daniela Strigl, die Federmair vorgeschlagen hatte, sah die Geschichte einer "verpatzten Erlösung", eine vergiftete Nostalgie. Paul Jandl befand, es sei die Geschichte eines "Spannungsabfalls", die doch etwas zu wenig Dramatik vermittle. Der Autor fotografierte während der Diskussion übrigens die Juroren.

    Feimer erzählt in "Abgetrennt" die Erinnerung an eine Beziehung. Dazu mengt die Autorin Kindheitserinnerungen beider in ihren Text. Die Frau beschreibt ihren - offenbar sehr dominanten - Partner, sehr feinfühlig, sehr liebevoll, sie kommt mit dem Alleinsein aber nicht wirklich klar. Der Partner wird zum Schatten, den sie doch nicht loswird.

    Strigls "Hühnerkopf-Abtrennungs-Allergie"

    "Es hätte eine sehr gute Geschichte werden können", meinte Winkels. Das Grundmotiv der Unterworfenen sei sehr gut, die Inszenierung der Dramatik der Beziehung sei gelungen, doch das Ganze sei zu stark instrumentiert. Feßmann sah die Geschichte eines "unnötigen Abschieds", einer neurotischen Frau. Für Corina Caduff, die Feimer nominiert hat, lebt der Text von "Arten der Abtrennung". Keller unterstrich die konzeptuelle Klarheit des Textes, aber die Geschichte sei nicht besonders berührend. Strigl zeigte sich nicht besonders fasziniert, zudem leide sie an einer "Hühnerkopf-Abtrennungs-Allergie" in der Literatur, wofür ihr Spinnen von Herzen dankte. (APA, 7.7.2012)

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