Libanesische Armee in Alarmbereitschaft

7. Juli 2012, 22:19
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Fünf Tote bei Artilleriebeschuss - Präsident Sleimane ordnet Untersuchung an - Junge Sunniten wollen sich syrischen Rebellen anschließen

Beirut - Nach einem Artillerieüberfall aus dem benachbarten Syrien mit fünf Toten ist die libanesische Armee am Samstag in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Heeresverbände im Raum Wadi Khalid seien in höchster Bereitschaft, um gegen jede Grenzverletzung vorzugehen, teilte die Armeeführung in Beirut mit. Staatspräsident Michel Sleimane ließ eine Untersuchung der Vorfälle anordnen und erklärte den Schutz der Zivilbevölkerung zur "obersten Priorität". Nach dem Angriff flohen viele Menschen in Panik aus dem Gebiet.

Nach Augenzeugen waren mehrere Dörfer im Nordlibanon am Morgen unter Beschuss gekommen. Fünf Menschen wurden getötet, zahlreiche weitere nach Angaben von Einwohnern verletzt. Es seien Mörsergranaten in Bauernhäuser fünf bis 20 Kilometer von der Grenze entfernt eingeschlagen. Zuvor hätten Rebellen aus Syrien die Grenze überquert, um sich im Libanon in Schutz zu bringen.

Vorwürfe gegen Riad

Syrien hatte zuletzt Saudi-Arabien beschuldigt, Unruhen im Nordlibanon mit "Waffen und Söldnern" zu schüren. Saudi-Arabien hatte seinerseits dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vorgeworfen, auf einen konfessionellen Bürgerkrieg im Libanon hinzuarbeiten. In der nordlibanesischen Stadt Tripoli wie auch in der Hauptstadt Beirut waren in den vergangenen Wochen bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Assads mehrere Menschen getötet worden.

Die libanesische Regierungsmehrheit, zu der die schiitische Hisbollah gehört, steht dem syrischen Regime nahe. Ministerpräsident Najib Mikati hatte erklärt, der Libanon müsse alles tun, um sich aus dem Syrien-Konflikt herauszuhalten. Das Oppositionsbündnis "Syrischer Nationalrat" hatte die Libanesen mehrmals aufgerufen, sich mit dem Widerstand gegen Assad zu solidarisieren. Im Libanon sind weit über zehntausend Flüchtlinge aus Syrien registriert. Die Auslieferung islamistischer Flüchtlinge an Syrien hatte im Vorjahr im Raum Tripoli schwere Ausschreitungen zwischen anti-syrischen Sunniten und pro-syrischen Alawiten verursacht.

Junge libanesische Sunniten haben sich syrischen Rebellen angeschlossen, um in den Reihen der "Freien Syrischen Armee" gegen das Assad-Regime zu kämpfen. (APA, 7.7.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schäden an einem Wohnhaus in Wadi Khaled

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