Die Kunst der Empathie

6. Juli 2012, 20:25
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Nach 23 Jahren wieder in Wien zu Gast: das Keith Jarrett Trio, eine der bedeutendsten Band-Institutionen des Gegenwartsjazz

Wien - Es war an einem kalten Wintertag in New York, im Jänner 1983: Während in der Jazzszene draußen noch der elektrifizierte Rock-Jazz nachhallte und sich Herbie Hancock anschickte, mit dem Elektro-Hit Rockit die Hitparaden zu stürmen, tat der damals 37-jährige Pianistenkollege Keith Jarrett scheinbar höchst Simples: Mit zwei langjährigen Weggefährten, Bassist Gary Peacock und Schlagzeuger Jack DeJohnette, beschwor Jarrett die Melodien der Broadway- und Tin-Pan-Alley-Schlager, also der Jazz-"Standards".

Jarrett, Peacock und DeJohnette indessen spulten jene alten Hadern des American Songbook nicht in routinierter Professionalität ab: Sie transformierten sie in Vehikel für ihre dichte Trio-Kommunikation um - mit freier Improvisation. Das Resultat waren die zwei berühmten Standards-Alben und das spontan improvisierte Werk Changes - Musik von höchster interaktiver Empathie. Zwischen den Polen strukturbewusster Spontaneität und interaktionsoffener Song-Zentriertheit pendelnd, hat sich das Keith-Jarrett-Trio zu einer der einflussreichsten "Working groups" des Modernen Jazz entwickelt.

Nach 23 Jahren beehren die drei Herren erstmals wieder Wien und bescheren dem Jazzfest so einen Höhepunkt. Das inoffizielle Präludium bestreitet übrigens bereits am Vorabend Keiths elf Jahre jüngerer Bruder Chris Jarrett bei einem Solokonzert im Reigen.  (Andreas Felber, DER STANDARD, 7./8.7.2012)

7. 7. Wien, Reigen: Chris Jarrett, 20.30
8. 7. Wien, Keith Jarrett Konzerthaus. 20.00

  • Spontan und doch konzentriert auf den Song: das Keith Jarrett Trio beim Jazzfest Wien.
    foto: sven thielmann

    Spontan und doch konzentriert auf den Song: das Keith Jarrett Trio beim Jazzfest Wien.

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