Eine heiße Spur zur Dunklen Materie

6. Juli 2012, 18:47
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In einem Galaxienhaufen, dem Supercluster Abell 222/223, könnten sich Hinweise auf den mysteriösen Stoff finden

London - Der 4. Juli 2012 wird wohl als Higgs-Tag in die Wissenschaftsgeschichte eingehen: Nach vielen Jahren vergeblicher Suche konnte die Existenz jenes Teilchens bestätigt werden, das den anderen Teilchen Masse verleiht.

Doch die Materie, die damit beschrieben werden kann, umfasst nur einen Teil des Universums. Der große Rest - Forscher gehen von bis zu 95 Prozent aus - sei Dunkle Materie und Dunkle Energie. Doch was sich konkret dahinter verbirgt und ob man sie überhaupt beobachten kann, ist und bleibt bisher - genau: dunkel.

Ein Hauptproblem dabei ist, dass Dunkle Materie kaum mit etwas anderem interagiert. Allenfalls könnte sie sich dadurch verraten, dass ihre Teilchen recht schwer sind - und die Gravitationswirkung so einen Hinweis auf das Vorhandensein des mysteriösen Stoffs gibt. Genau solche Hinweise wollen Forscher um Jörg Dietrich von der Universitäts-Sternwarte München in einem dreifachen Galaxiehaufen, dem sogenannten Supercluster Abell 222/223 gefunden haben, wie sie im Fachblatt "Nature" schreiben.

Ausgangspunkt der Beobachtungen ist die Annahme, dass unser Universum von einem Netz aus dunkler Materie durchzogen sei. Diese Fäden werden von den Physikern Filamente genannt, die man sich als langen Zylinder voller Dunkler Materie vorstellen kann. Entsprechend der Relativitätstheorie Einsteins würde das Licht von Galaxien, die hinter dem Filament liegen, ganz leicht abgelenkt.

Wie Dietrich und seine Kollegen in "Nature" schreiben, haben sie einen solchen sogenannten Gravitationslinseneffekt nun bei Abell 222/223 beobachtet - was auch dem glücklichen Umstand zu verdanken sei, dass wir von der Erde gleichsam der Länge nach durch das Filament durchschauen könnten. Der Anteil der gewöhnlichen Materie würde in dem "Faden" kaum zehn Prozent betragen.

Unumstritten ist das alles nicht. Denn die Frage, ob es Dunkle Materie überhaupt gibt, ist völlig unbeantwortet. Erst vor kurzem haben Forscher in einem Text für das "Astrophysical Journal" behauptet, dass sie bei Beobachtungen von 400 Sternen keine Spur davon gefunden hätten. (tasch/DER STANDARD, 7./8. 7. 2012)

  • Dunkles Filament zwischen den Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223.
    foto: jörg dietrich, university of michigan/university observatory munich

    Dunkles Filament zwischen den Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223.

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