Dörfler: "Ich brauche keine Sozialapostel auf der Saualm"

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  • FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler ist davon überzeugt, dass die hohen Kosten für das Asylheim auf der Saualm gut investiert sind.
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    FPK-Landeshauptmann Gerhard Dörfler ist davon überzeugt, dass die hohen Kosten für das Asylheim auf der Saualm gut investiert sind.

Der Landeshauptmann will Missstände in der Sonderanstalt für Asylwerber abstellen, geschlossen wird sie aber nicht

STANDARD: Der Dalai-Lama hat vor kurzem Kärnten besucht. Welchen Eindruck hat er hinterlassen?

Gerhard Dörfler: Es war eine unglaublich intensive Begegnung. Er ist ein ganz besonderer Mensch. Es freut mich, dass nach dem Besuch des Dalai-Lama eine persönliche Freundschaft zu mir und zu Kärnten geblieben ist. Übrigens ist es schon interessant, dass er am selben Tag Geburtstag hat wie meine Frau und meine Tochter. Auch die Ortstafellösung wurde am 6. Juli 2011 beschlossen. Da kann man schon sagen, da waren positive Kräfte am Werk.

STANDARD: Was findet der Kärntner Landeshauptmann am geistlichen Oberhaupt der Tibeter?

Dörfler: Ich habe mich schon längere Zeit mit den Lebensweisheiten des Dalai-Lama beschäftigt und habe ein Sammlung von seinen Weisheitssprüchen stets bei mir auf dem Schreibtisch. Schauen wir mal, was heute drinsteht. Die Essenz des Menschen ist die Güte.

STANDARD: Was kann der Dalai-Lama, der ja auch ein Flüchtling ist, denn einem Politiker vermitteln?

Dörfler: Er hat eine unglaubliche Art, Menschen zu berühren. Er ist eine geistige, intellektuelle und emotionale Kraftquelle. Er bestätigt mir, dass man in dieser hochkomplexen Welt immer menschlich bleiben muss, dass man Zusammenhänge immer auch philosophisch betrachten und dass man eine gewisse Großzügigkeit haben muss im Umgang mit Menschen, was in der Politik nicht immer leicht ist. Es ist mir eine Ehre, dass ich sein Freund sein darf.

STANDARD: Von der Philosophie zur Flüchtlingsrealität auf der Kärntner Saualm. Wann schließen Sie dieses umstrittene Asylheim?

Dörfler: Überhaupt nicht. Das geht auch gar nicht. Denn würden wir dieses Heim schließen, könnten wir unsere Asylquote nicht mehr erfüllen.

STANDARD: Laut Flüchtlingsorganisationen widerspricht die Unterbringung auf der Saualm rechtsstaatlichen Grundsätzen, so etwa die separierte und isolierte Unterbringung aufgrund von Verdächtigungen.

Dörfler: Das ist einfach nur ein Geschwafel. Da wird niemand separiert. Alles entspricht nationalen und internationalen Verpflichtungen. Aber es geht auch um die Sicherheit der Kärntner Bevölkerung. Ich lade alle NGOs ein, straffällige Asylwerber bei sich in ihren Wohnungen aufzunehmen.

STANDARD: Sie haben von Ihrem Vorgänger Jörg Haider nicht nur die Ortstafelfrage, sondern auch die sogenannte "Sonderbetreuungsanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylwerber" geerbt. Für Sie auch ein politisches Vermächtnis Haiders?

Dörfler: Das ist kein Vermächtnis, sondern eine Notwendigkeit. Ich verwahre mich aber gegen die Begriffe wie Lager und Kasernierung. Das ist eine spezielle Betreuungseinrichtung für schwierige und auch straffällige Asylwerber. Das schlechte Image hat wohl mit dem Namen Saualm zu tun. Würde der Ort dort oben Heidi-Alm heißen, gäbe es keine Aufregung.

STANDARD: Unser Lokalaugenschein hat ergeben, dass es dort erhebliche Missstände gibt. Die Flüchtlinge sind isoliert, haben keine Betreuung, und sie erhalten zu wenig zu essen, Speisen sollen auch teilweise verdorben sein. Das hat sogar die Lebensmittelbehörde festgestellt.

Dörfler: Beschwerden über das Essen gibt es in jedem Asylheim in ganz Österreich. Wenn es solche Vorkommnisse gibt, sind die sofort auszuschalten. Da bin ich dem Pfarrer Johann Wornik sehr dankbar, dass er das aufgezeigt hat. Es gibt aber keine Fünfsternebetten für Asylwerber. Aber das Ganze ist ja sowieso eine künstliche Auf regung. Solange es ein Kindererholungsheim der roten AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfeverbände Kärntens) war, hat es niemanden gekümmert, jetzt wo Asylwerber oben untergebracht sind, wird plötzlich Skandal geschrien.

STANDARD: Wenn alles nicht so schlimm ist, warum gibt es dann für NGOs ein Betretungsverbot? Das Asylheim auf der Saualm wird ja von der Öffentlichkeit finanziert, und die sollte ein Recht auf Kon trolle haben.

Dörfler: Ich brauche keine Sozialapostel da oben. Die versuchen doch nur, ihre Show abzuziehen. Denen geht es um ihre Selbstdarstellung, die wollen Schlagzeilen produzieren. Außerdem ist das ja Privatgrund. Wenn die Betreiberin das nicht will, ist das ihre Sache.

STANDARD: Auch der Pfarrer Wornik durfte nicht mehr ins Heim.

Dörfler: Na, dann machen wir halt in den nächsten Wochen einmal gemeinsam einen Besuch und schauen uns das an.

STANDARD: Der Rechnungshof findet die Saualm massiv überteuert, bei einer Auslastung von nur 16 Prozent wird eine Vollunterbringung mit einem erhöhten Tagsatz von 40 Euro bezahlt. Sonderbetreuung gibt es keine.

Dörfler: Den Tagsatz zahlt der Bund. Sicherheit muss uns etwas wert sein. Da verweise ich auf jenen Tschetschenen, der einen Kärntner verprügelt und so schwer verletzt hat, dass dieser sein Leben lang gezeichnet ist. Da ist das Geld auf der Saualm gut investiert.

STANDARD: Geht es da auf dem Rücken der Asylwerber nicht primär um ein politisches Projekt, um den Menschen zu zeigen, schaut her, wir sperren die weg, die euch bedrohen?

Dörfler: Aber nein. Die Menschen haben ein Hilfs-, aber auch ein Sicherheitsbedürfnis. Ich habe beidem gerecht zu werden, und ich bin auch um Integration bemüht. So etwa wenn ich mit erfolgreichen Schulabsolventen der HTL Villach zusammentreffe, die aus Asylwerberfamilien stammen. Meine Aufgabe ist es, europäisch, nachbarschaftlich und integrationsfördernd zu agieren. Da halte ich mich an den Dalai-Lama. Die Würde des Menschen hat auch mit einem Grundrespekt vor Sicherheit zu tun. Jemand, der sein Gastrecht missbraucht und mit dem Gesetz in Konflikt kommt, muss erkennen, dass es in Kärnten Grenzen gibt. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 7.7.2012)

GERHARD DÖRFLER (57), FPK-Politiker, wurde 2008 nach dem Tod Jörg Haiders Landeshauptmann von Kärnten. In seiner zweiten Amtsperiode hat er wesentlich zur Ortstafellösung beigetragen.

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