Reeder-Sohn will Griechen freikaufen

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    Peter Nomikos

Peter Nomikos sammelt für den Kauf griechischer Anleihen

Dreitausend Euro für jeden Griechen, und die Sache ist erledigt. So rechnet Peter Nomikos, Investor, Kunstmäzen und Sohn aus wohlhabender Reederfamilie. Sein Plan ist bestechend einfach: Geld sammeln, griechische Staatsschulden kaufen, dann erlassen.

Seit zwei Wochen läuft nun Nomikos' Internetkampagne Greece Debt Free (GDF). Der Zähler auf der Webseite zeigt täglich den neuesten Stand an - GDF marschiert bereits auf die drei Millionen Euro zu. Reederfreund Evangelis Marinakis, zugleich Besitzer des Fußball-Traditionsklubs Olympiacos Piräus, hat gleich einmal 168.590 Euro in den Topf geworfen. Knapp ein Drittel der bisherigen Einnahmen sollen aus Deutschland kommen - vermutlich von dort lebenden griechischen Geschäftsleuten.

Sie alle sind den Zirkus mit der Troika, den Brüsseler Ratenzahlungen und den wankelmütigen Politikern in Athen leid. "Nationale Krisen löst man in Griechenland mit patriotischen Aktionen", sagt Nomikos. Er appelliert an den Vaterlandssinn der Griechen, Exilgriechen und Griechenlandunterstützer in aller Welt.

Der 33-Jährige, ein Absolvent der Harvard Business School, kalkuliert dabei ganz nüchtern: Seit dem Schuldenschnitt vom Frühjahr, den Athen mit den privaten Gläubigerbanken augehandelt hatte, ist der Preis für griechische Staatsanleihen nur gesunken. Bei angenommenen derzeit 273 Milliarden Euro Staatsschulden sind die Griechen (elf Millionen Staatsbürger) pro Kopf theoretisch mit 24.800 Euro verschuldet, dem Marktwert der Anleihen nach aber nur mit 3000 Euro. Deshalb jetzt zugreifen.

Ökonomen halten Nomikos' Projekt für gut gemeint, aber verfehlt. Vom großen Schuldenkauf hätte die griechische Wirtschaft erst einmal nichts. Nomikos und seine reichen Freunde sollten besser direkt in Griechenland investieren, heißt es.

Nomikos' Eltern Anastasios und Angele gründeten 1958 das Reederunternehmen, es ist mit knapp zwei Dutzend eigenen Frachtern auf den Weltmeeren unterwegs. Sohn Peter widmet sich neben Investmentgeschäften der Bierbraukunst und dem Weinbau auf der Heimatinsel Santorini und sponsert auch das dortige Thera-Museum.

Mit der Planung für Greece Debt Free begann Nomikos vor einem Jahr. Der Arabische Frühling habe ihn inspiriert, so erzählt er. Die Massenbewegung, die im Internet begann, will er nun für Griechenland. (Markus Bernath, DER STANDARD, 7.7.2012)

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