UNICEF: Zahlreiche Kinder im Norden rekrutiert und misshandelt

6. Juli 2012, 16:52
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Hilfswerk besorgt angesichts geschlossener Schulen

Dakar - Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF hat sich zutiefst besorgt über die Situation der Kinder im unruhigen Norden von Mali geäußert. Seit Islamisten und andere bewaffnete Gruppen Ende März die Kontrolle über weite Teile des Nordens übernommen hatten, seien mindestens 175 Burschen zwischen zwölf und 18 Jahren von den Gruppen rekrutiert worden, erklärte UNICEF am Freitag. Mindestens acht Mädchen wurden demnach vergewaltigt oder sexuell missbraucht, zwei Jugendliche wurden bei der Explosion von Sprengsätzen getötet und 18 weitere Kinder verstümmelt.

UNICEF kritisierte zudem die Schließung der meisten Schulen in der Region, wodurch die Kinder noch mehr von Rekrutierungen und Gewalt bedroht seien. Rund 300.000 Kinder seien von den Schulschließungen betroffen. Zudem werde die Gewalt im Norden Malis von einer "schlimmen" Nahrungsmittelkrise begleitet. In ganz Mali sind UNICEF zufolge derzeit rund 560.000 Kinder von Unterernährung bedroht. Bis zu 220.000 von ihnen droht ohne baldige Hilfe der Hungertod. Der nordmalischen Stadt Gao, wo Anfang der Woche die Cholera ausgebrochen war, könnte zudem nach Angaben der Behörden bald das Trinkwasser ausgehen.

Hunderttausende auf der Flucht

Mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppen brachten den Norden Malis nach dem Sturz der Regierung in Bamako im Zuge eines Militärputsches gemeinsam mit Tuareg-Rebellen im April unter ihre Kontrolle. Seither verdrängten die Islamisten die Tuareg aus den größten Städten. In den vergangenen Tagen hatte die Zerstörung mehrerer zum Weltkulturerbe zählender Heiligtümer in der Stadt Timbuktu durch Islamisten weltweit für Entsetzen gesorgt.

Nach Angaben von UNICEF flohen mehr als 330.000 Menschen vor den Kämpfen im Norden Malis. 150.000 von ihnen seien im Land geblieben, die anderen 180.000 seien in Nachbarländer geflohen. (APA, 6.7.2012)

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