Spanien will mehr reformieren

6. Juli 2012, 15:42
6 Postings

Spanische Renditen durchbrachen die Sieben-Prozent-Marke, das Land will weitere Wirtschafts­reformen verabschieden

Madrid - Die spanischen und italienischen Zinsen für 10-Jahres-Anleihen haben sich am Freitag im Tagesverlauf weiter nach oben entwickelt. Spanische Renditen durchbrachen die 7-Prozent-Marke und notierten am frühen Nachmittag bereits bei 7,027 Prozent. Italienische Zinsen kletterten über die 6-Prozent-Marke und wurden mit 6,057 Prozent ausgewiesen.

Für Spanien bedeutet dies eine Steigerung innerhalb von nur zwei Tagen von 6,2 auf 7,027 Prozent. Bei Italien gab es einen Sprung in dieser Zeitspanne von 5,62 auf 6,057 Prozent. Damit sind die Beschlüsse des EU-Gipfels, nach dem es ein kurzfristiges Aufatmen für die beiden Euro-Länder gegeben hat, nicht nur vorbei. Die Zinsen sind gegenüber dem Stand vor einer Woche sowohl in Spanien als auch in Italien noch teurer geworden.

Mehr Reformen

Spanien wird nach Worten von Vize-Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria bald weitere Wirtschaftsreformen verabschieden. Mit diesen tiefgehenden Veränderungen wolle das Land das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen, kündigte sie am Freitag an. Mit Hilfe der Reformen solle das Haushaltsdefizit reduziert und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden.

Barroso zuversichtlich

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat sich am Freitag "voll zuversichtlich" gezeigt, dass das immer stärker unter den Druck der Finanzmärkte geratende Spanien alle nötigen Schritte ergreifen wird, um Vertrauen wieder herzustellen. Barroso sagte zum Auftakt der zypriotischen EU-Ratspräsidentschaft in Nikosia, die EU-Kommission verfolge die Lage in Spanien sehr genau und stehe permanent im Kontakt mit der Regierung in Madrid. Auf Details zum Rettungspaket der Euro-Länder für Spanien wollte Barroso nicht eingehen.

Barroso forderte allerdings Zypern, das vor der EU-Ratspräsidentschaft ebenfalls um Milliarden-Hilfen bei den europäischen Partnern angesucht hat, dazu auf, selbst Verantwortung für die mit einem solchen Programm verbundenen Reformen zu übernehmen. "Es wäre ein totaler Fehler, das als etwas von außen verordnetes zu sehen", sagte der Kommissionschef. Zypern müsse sein Defizit reduzieren und über Reformen wettbewerbsfähiger werden. Zypern habe diese Ungleichgewichte nicht alle selbst verursacht, sondern "erleidet Kollateralschaden von anderen Euro-Ländern", sagte Barroso in Hinblick auf die enge Verknüpfung der zypriotischen Banken mit jenen Griechenlands.

Kritik an Troika zurückgewiesen

Der EU-Kommissionspräsident wies Kritik an der "Troika" der Gläubiger von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zurück. "Die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank zwingen nichts auf." Die Troika habe vielmehr ein Mandat von allen Ländern der Eurozone. An der mangelnden Verantwortungsbereitschaft für Reformen sei auch fehlende Führungsstärke der Politiker in den Krisenländern schuld. "Einige politische Leader sind schwach und haben nicht den Mut zu erklären, warum das Land in einer solchen Situation ist." Schuld an der Finanzkrise seien übermäßige Budgetdefizite und Fehler im Finanzsektor. Am erfolgreichsten seien jene Länder, die erkennen würden, dass sie um die Reformen nicht herumkommen, egal ob es dabei Druck von außen gebe. Als Beispiel nannte Barroso Island. (APA, 6.7.2012)

Share if you care.