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Gabriele Tebbich ist Geschäftsführerin der österreichischen NGO Horizont3000. "Entwicklungshelfer ist kein Beruf, er oder sie hat einen Beruf", sagt sie. Die Organisation nehmen laufend und gerne erfahrene Mitarbeiter auf.
Die Optik auf das Feld der Entwicklungszusammenarbeit ist nicht nur in Österreich, wo sie nach wie vor gern noch "Entwicklungshilfe" genannt wird, eine oft schiefe. Stichwort: Sozialromantik. Dabei ist ein Job in diesem Sektor, vor allem im Zuge von Auslandsentsendungen in oft entlegenste Gebiete der Erde, alles andere als ein Wohlfühlprogramm. Oder, wie es Gabriele Tebbich, Geschäftsführerin der österreichischen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit Horizont3000 sagt: "Entwicklungshelfer ist kein Beruf, sie oder er hat einen Beruf."
Gleichbedeutend ist das mit: Projektmitarbeiter und -leiter haben Berufserfahrung, eine fundierte Ausbildung, verfügen über Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Fähigkeiten und die notwendige Persönlichkeitsstruktur, um sich in einer ihnen fremden Kultur unter oft widrigsten Umständen durchsetzen und auch arbeiten zu können. Spricht man gerne von einem Professionalisierungsschub im NGO-Bereich, bei Horizont3000 ist das kein leeres Schlagwort mehr.
2001 wurde die NGO gegründet - eine Fusion aus drei österreichischen Entwicklungsdiensten, um Synergieeffekte nützen zu können. Gabriele Tebbich ist seit vier Jahren dort Geschäftsführerin, und mit ihr hat sich auch in der Organisation einiges verändert. Die Betriebswirtin formte aus einem "Bauchladen" mit Projekten in 23 Ländern eine schlankere Struktur mit weniger Standorten und klarer Fokussierung auf drei Projektbereiche: integrierte ländliche Entwicklung, Menschenrechte und Förderung der Zivilgesellschaft sowie - ein Feld, das zunehmend an Bedeutung auch in ihrer Projektlandschaft gewinne - Klimawandel. Gesucht sind - aktuell sind zwölf offene Stellen auf der Homepage gelistet - Organisationsentwickler, Experten aus dem Finanz- und Bildungsbereich, Menschen mit Erfahrung in der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte (u. a.) oder Holz-, Elektro- und Baufachleute.
Genaue Selektion
Für die Selektion potenzieller Projektmitarbeiter lässt man sich Zeit: Eine Auswahl an Bewerbern wird zu sogenannten Auswahlgesprächen eingeladen, danach folgt ein dreitägiges Auswahlseminar, eine Entsendeeignungsuntersuchung, Vorbereitungskurse, Intensivsprachkurse werden ebenfalls angeboten. Erst dann kommt es zu einer Landes- und Projekteinführung und danach zur Projektmitarbeit. Rund vier Monate muss für das Auswahl- und Vorbereitungsverfahren eingeplant werden.
Als Projektmitarbeiter muss man sich dann auch für (mindestens) zwei Jahre verpflichten. Rückkehrgespräche mit den Mitarbeitern seien selbstverständlich, so Tebbich weiter. Und viele ihrer insgesamt 160 Mitarbeiter in 20 Ländern kommen "strahlend zurück - mit dem guten Gefühl, etwas verändert zu haben", sagt sie. Die meisten kehren in ihre Ursprungsberufe zurück - arbeiten als Berater, Lehrer, Journalist, Tontechniker oder als Experte für Solaranlagen -, andere bleiben der NGO-Szene erhalten, erzählt sie. In jedem Fall finden diese "Rückkehrer" immer sehr schnell wieder einen Job, sagt sie nicht ohne Stolz.
Ein Asset, das viele Interessenten anziehe, sei, dass sich ihre NGO auch um Partner und Kinder kümmere. "Wir entsenden Paare und versuchen auch immer einen geeigneten Job für den Partner und Schulen für ihre Kinder zu finden", so Tebbich weiter. Was sie selbst - aus der Finanzbranche kommend - in den NGO-Sektor gebracht habe? Die Horizont3000-Chefin denkt kurz nach: "Das soll jetzt nicht als Plädoyer gegen den Kapitalismus verstanden werden", lacht sie, schließlich habe sie dort eine schöne Zeit gehabt. Dennoch: Irgendwann habe sie ihre Arbeit nur noch als Beitrag dafür empfunden, "die Reichen noch reicher zu machen", sagt sie. Tebbich: "Ich gönne den wohlhabenden Menschen ihren Reichtum, aber es macht für sie keinen Unterschied mehr, ob sie noch reicher werden." Es war dieser "Unterschied", zu dem sie beitragen wollte. (Heidi Aichinge, DER STANDARD, 7./8.7.2012)
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