Klarere Regeln für Wiener "Prüfingenieure"

  • "Prüfingenieure" sollen in Wien als Bindeglied zwischen Bauherr und Baupolizei fungieren. In der Praxis klappte das nicht immer so, wie es sollte.
    foto: putschögl

    "Prüfingenieure" sollen in Wien als Bindeglied zwischen Bauherr und Baupolizei fungieren. In der Praxis klappte das nicht immer so, wie es sollte.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Missverständnissen, deshalb wurde ein neues "Leistungsbild" erstellt

Die Wiener Bauordnung sieht vor, dass so genannte "Prüfingenieure" als Bindeglied zwischen Bauherr und Baupolizei fungieren und damit die Qualität der Bauausführung auf der jeweiligen Baustelle sicherstellen sollen. Weil es hier in der Vergangenheit immer wieder zu Missverständnissen zum genauen Aufgabenbereich dieser Prüfingenieure kam, die nicht selten in massiven Bauschäden aufgrund mangelnder Kontrolle mündeten, hat die Stadt Wien nun von MA 37 (Baupolizei) und Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, NÖ und Burgenland ein neues "Leistungsbild" für Prüfingenieure erstellen lassen (siehe unten).

Seit August 2010 führt die MA 37 außerdem verstärkt Baustellenkontrollen durch, dabei musste bis Ende Juni 2012 in nicht weniger als 336 Fällen die Bauführung - zumindest temporär - behördlich eingestellt werden. Arbeiten ohne Baubewilligung bzw. unzulässige Abweichungen von den bewilligten Plänen waren die häufigsten Gründe, wie Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) am Freitag bekanntgab. "Es mussten aber auch Baustellen wegen fehlender statischer Berechnungen, fehlenden Prüfingenieuren und mangelhafter Ausführungen eingestellt werden."

In 926 Fällen kam es zu Strafanzeigen. Ludwig hielt fest, dass für schwere Bauvergehen auch Gefängnisstrafen von bis zu sechs Wochen drohen würden.

Aufgaben

Die Aufgaben der PrüfingenieurInnen umfassen laut Aussendung im Wesentlichen:

  • Durchgehende Aufsicht und Verantwortung von Baubeginn bis zur Erstattung der vollständig belegten Fertigstellungsanzeige. U.a. Kontrolle der Einhaltung von Höhenlagen, Fluchtlinien, den Ausbauteilen, der Geometrie, etc.
  • Beschauten des Untergrundes für alle Tragkonstruktionen vor Beginn der Fundierungs- oder Betonierungsarbeiten
  • Beschauten aller Bauteile, die nach der Fertigstellung nicht mehr besichtigt werden können (das betrifft etwa Fundamente, Stahleinlagen, Träger, Stützen, Schweißnähte, u.ä.)
  • Bei bewilligungspflichtigen Abweichungen von der Baubewilligung oder bei Abweichungen von den Bauvorschriften ist der betroffene Teil der Baustelle einzustellen und die Baubehörde unverzüglich zu verständigen. Der/die PrüfingenieurIn hat allenfalls erforderliche Sicherungsmaßnahmen sowie die Herstellung des konsensgemäßen Zustandes oder die Beseitigung von Baumängeln anzuordnen und zu überwachen.
  • Rohbaubeschau
  • Prüf- und Überwachungspflicht von Befunden anderer Sachverständiger (stichprobenartig)

(red, derStandard.at, 6.7.2012)

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8 Postings
Baumängeln???

wie schauts da eigentlich aus, macht es sinn die örtliche bauaufsicht zu klagen?

nein

Die oertliche bauaufsicht hat ueblicherweise kein kapial, der zivilrechtliche erfolg ist sehr unsicher und der zeitverlust eines baustopps bedeutet hohe folgeschaeden

in der realität sieht das wohl so aus:

"die akten sind in vorbildilcher weise geführt. daher muss alles in ordnung sein".

basta.

mehr interessiert die ma 37 nicht.

und wenn doch was schiefgeht:

- nichtvorhersehbare umstände
- zusammenkommen unwahrscheinlicher nichtverhersehbarer umstände
- falsche pläne der architekten (ok, das kann man sogar glauben)
- unvorhersehbare berechnungsfehler
- überschreiten der toleranzgrenzen in unvorhersehbarer und unabwendbarer weise
- ...

Was ist heute mit Kompetenz??????????

Das trifft in Wien doch sehr oft zu, weil immer nur der Billigstbieter genommen wird!? Hab mit Recht Billigstbieter geschrieben, weil nie fast nie der echte Bestbieter genommen wird. Zweitens laufen leider immer noch sehr viele Absprachen (nenne das Absprachen, weil ich das andere nicht schreiben möchte!).
Ehrlichkeit und Kompetenz ist nicht mehr gefragt, leider wird es ja von oben (Poli....) so vorgelebt.

und wenn mal was nicht passt

Was machen wir dann? Das gewerk geht bei baufehlern in konkurs und macht unter fast gleichem namen und mit gleicher telefonnummer am naechsten tag weiter. Das naechste gewerk schimpft dann grosskotzig ueber den vorgaenger und ist danach um nichts besser. Die behoerde kuemmert sich um das eintreiben von verwaltungsstrafen wo es was zu holen gibt, glaenzt aber sonst durch inkompetenz.

Leider werden nur echte Billigstbieter genommen.

Diese pfeiffen meistens aus dem letzen Loch.

1 Bau. 1 Mangel.

Unsere Bauaufsicht war über mehr als 6 Monate vielleicht 10 Mal auf der Baustelle, kein einziges Mal am Gerüst. Da kann man sich ausrechnen, was die alles nicht gesehen haben. Jetzt ist der Putz drüber und später wird's keiner gewesen sein.

...

am pfusch koennen die spaeter noch mehr verdienen als an normalleistung, deshalb sehen auch alle weg, die bereits immobilien oder erfahrung haben.

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