Schwarzgeldabkommen löst Anzeigenflut aus

6. Juli 2012, 18:15
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Steuerberater und die heimischen Banken sind Profiteure des Abkommens mit der Schweiz, die meisten Betroffenen entscheiden sich für Selbstanzeige

Wien - "Lieber spät als gar nicht erwischt", kommentierte Finanzministerin Maria Fekter (VP) am Freitag das Schwarzgeld-Steuerabkommen mit der Schweiz. Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde es im Nationalrat beschlossen. Am 1. Jänner tritt es in Kraft. Während die Opposition das Abkommen als lückenhaft wie Schweizer Käse geißelte, dürfen sich Steuerberater und heimische Banken bereits jetzt freuen.

Bei den Beratungsgesellschaften Deloitte und KPMG haben sich laut eigener Auskunft bereits mehrere hundert Österreicher gemeldet, die ihr Geld im Nachbarland gebunkert haben und nun wissen wollen, was sie tun sollen. Wie schon im Vorfeld vermutet, wollen die wenigsten die anonyme Abgeltungssteuer in Anspruch nehmen. Dabei liefert die Schweizer Bank zwischen 15 und 38 Prozent (je nach Dauer der Steuerflucht und Höhe des Vermögens) an den heimischen Fiskus ab. Künftige Erträge werden mit 25 Prozent besteuert. Im Gegenzug darf man weiter den Schutz der Anonymität genießen.

Laut Friedrich Fraberger von KPMG greifen aber 90 Prozent der Steuerflüchtlinge zur Selbstanzeige. Warum sie das tun? Auch die Selbstanzeige wirkt strafbefreiend - sie kommt in aller Regel aber deutlich günstiger. Im Schnitt fallen acht bis zwölf Prozent des Vermögens an. Roman Leitner von Leitner&Leitner berichtet aber auch von Fällen, die mit einer Nachzahlung von nur drei bis vier Prozent davonkommen. Die Erklärung dafür: Finanzdelikte vor 2003 sind verjährt. Bezahlt werden muss also nur ein Viertel des Ertrages ab 2003.

Großvermögen bleiben

Bernhard Gröhs von Deloitte berichtet von einer 80-prozentige Quote an Selbstanzeigen. Was die heimischen Banken freuen wird: Zumindest kleinere Vermögen (bis eine Million Euro), die den Großteil der Fälle ausmachen, werden in aller Regel nach Österreich transferiert. "Die denken sich: Jetzt ist mir der Aufwand mit der Schweiz zu groß." Größere Vermögen bleiben eher in der Schweiz. Gröhs spricht von 50 Prozent der Fälle, Fraberger sogar vom Regelfall.

Aus Gesprächen mit Schweizer Bankern wisse er aber auch, sagt Fraberger, dass rund ein Viertel eine dritte Variante wählt: Jene der still und heimlichen Überführung des Geldes nach Österreich. Diese Leute zeigen sich also nicht bei der Finanz an, zahlen aber auch keine Abgeltungssteuer. Bei Bartransporten besteht dann freilich das Risiko, beim Zoll erwischt zu werden - die Strafen sollen demnächst erhöht werden.

Viele würden das Geld aber einfach überweisen, sagt Fraberger. Wenn der Transfer von einem Namenskonto aus der Schweiz auf ein Namenskonto in Österreich erfolge, bestehe nur ein geringes Risiko, dass die Bank eine Meldung wegen Geldwäscheverdachts mache, sagt er. Das Verschieben des Geldes in andere Steueroasen, etwa in Asien, ist laut den Beratern eher die Ausnahme. Es sei mit weiteren OECD-Abkommen zu rechnen, begründet Leitner. Mittlerweile sei er auch viel in Vaduz unterwegs, erzählt Fraberger. Viele Liechtensteiner Steuerflüchtlinge gingen davon aus, dass bald auch für sie ein Steuerabkommen beschlossen wird. (Günther Oswald, DER STANDARD; 7.7.2012)

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    Maria Fekter hat sich mit der Schweizer Amtskollegin schon vor etlichen Wochen geeinigt.

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