Pühringer beharrt auf eigener Medizin-Fakultät in Linz

6. Juli 2012, 14:18
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Landeshauptmann kann Zweifel von Rektorenchef Schmidinger nicht nachvollziehen

Linz - Oberösterreich beharrt auf einer medizinischen Fakultät für die Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz. Natürlich könne diese aber nicht aus dem bestehenden Universitätsbudget finanziert werden. Daher hätten Land und Gemeinden eine zehnjährige Anschubfinanzierung zugleich mit der Forderung nach einer Fakultät angeboten, so Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) am Freitag in einer Pressaussendung. Pühringer reagierte damit auf Äußerungen des Vorsitzenden der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger.

"Das verkraften wir nicht"

Schmidinger steht der Errichtung einer Medizin-Universität in Linz bzw. einer medizinischen Fakultät an der Johannes-Kepler-Uni äußerst skeptisch gegenüber. Er wolle sich sicher nicht in standes- oder standortpolitische Überlegungen in Oberösterreich einmischen, so der Rektor der Universität Salzburg. Man müsse aber den finanziellen Aspekt beachten: "Das verkraften wir aus dem Budget, das uns im Moment zur Verfügung gestellt wird, nicht", so Schmidinger am Donnerstag Abend vor Journalisten.

Ärztemangel als Strukturproblem

Mit den 2013 bis 2015 zur Verfügung gestellten Mitteln aus der "Hochschulmilliarde" könnten die Unis den Status Quo erhalten "und vielleicht ein bisschen mehr", aber sicher keine zusätzliche medizinische Fakultät oder Universität einrichten. Bei der Frage des Ärztebedarfs gelte es, einen breiteren Kontext herzustellen, betonte Schmidinger. Hier existierten "Strukturprobleme, die man nicht dadurch löst, dass man mehr Studienplätze einrichtet". Falls es tatsächlich künftig einen Ärztemangel in Oberösterreich geben sollte - und auch das sei nicht sicher -, habe dies auch mit anderen Faktoren zu tun, die man berücksichtigen müsse.

So gebe es etwa den Trend, dass ausgebildete Mediziner nicht gerne aufs Land zögen, sondern in der Stadt bleiben wollen. Dazu gebe es auch eine Abwanderung von Ärzten ins Ausland, wo sie mehr Möglichkeiten beim Turnus und bessere Bezahlung vorfänden, so Schmidinger. "Ich frage mich, ob wir dieses strukturelle Problem durch die Errichtung einer medizinischen Fakultät in Linz lösen."

Beratungen seit der Vorwoche

Das Land Oberösterreich fordert seit Jahren mit dem Argument eines absehbaren Ärztemangels die Einrichtung eines Medizin-Studiums an einer öffentlichen Universität in Linz - entweder als eigene Medizin-Uni oder als Fakultät der Uni Linz. Seit der Vorwoche beraten Experten des Landes und des Wissenschaftsministeriums über entsprechende Optionen. Wichtigste Grundlage dafür dürfte die demnächst fertige Ärztebedarfsstudie sein, mit der Österreich bei der EU seine Quotenregelung für das Medizin-Studium (75 Prozent der Studienplätze gehen an Österreicher) rechtfertigen will.

Kritik von Pühringer

Landeshauptmann Pühringer zeigte sich über die Aussagen Schmidingers verärgert. Offensichtlich sei der Rektorenchef über das Angebot aus Oberösterreich nicht informiert oder es werde von den Rektoren prophylaktisch gegen die Med-Fakultät Stimmung gemacht, "weil sie natürlich am liebsten für ihre eigenen Häuser noch mehr Geld hätten und so eine Gründung einer medizinischen Fakultät grundsätzlich in Oberösterreich ablehnen", so Pühringer. Er erinnerte daran, dass die Rektorenkonferenz auch gegen die Gründung der JKU war und sogar einen Beschluss gegen eine Gründung der Universität herbeigeführt hat.

Er sei guter Hoffnung, dass Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zu seinem Wort steht und gemeinsam mit einer Expertengruppe eine seriöse Behandlung des vorgelegten Antrages sichere. Es gehe darum, rechtzeitig gegen einen Ärztemangel in Oberösterreich anzutreten. "Wir werden gemeinsam mit der Stadt Linz nicht eher von unserem Begehren ablassen, bis eine medizinische Fakultät an der Johannes Kepler Universität eingerichtet wird", so Pühringer. (APA, 6.7.2012)

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    Der oberösterreichische Landeshauptmann wünscht sich eine Ärzteausbildung im eigenen Bundesland.

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