Österreicher wollen am European Extremely Large Telescope beteiligt bleiben

6. Juli 2012, 19:00
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Heimische Forschergruppen bauen Instrumente - nationale Finanzierung aber noch nicht fixiert

Wien - Mitte Juni hat die Europäische Südsternwarte (ESO) beschlossen, mit dem European Extremely Large Telescope (E-ELT) in Chile das größte optische Teleskop der Welt zu bauen. Während die ESO für die Errichtung des Teleskops verantwortlich ist, werden die dafür notwendigen Instrumente von mehreren internationalen Wissenschaftergruppen gebaut. Österreichische Astronomen wurden eingeladen, an drei Instrumenten mitzuwirken. Dafür muss aber noch die nationale Finanzierung gesichert werden.

Der Hauptspiegel des E-ELT soll einen Durchmesser von rund 40 Metern haben und sich aus rund 900 etwa 1,4 Meter großen Einzelspiegeln zusammensetzen. Das Teleskop wird in der chilenischen Atacama-Wüste gebaut, etwa 20 Kilometer vom bereits bestehenden ESO-Observatorium Paranal entfernt, wo mit dem "Very Large Telescope" (VLT) schon jetzt eines der weltweit besten Teleskope steht. Die Baukosten werden mit 1,1 Milliarden Euro veranschlagt, Österreich - seit 2009 ESO-Mitglied - beteiligt sich daran mit 6,2 Millionen Euro.

Wichtige Instrumente

Seit einigen Jahren werden in mehreren internationalen Konsortien die Instrumente für E-ELT geplant, die das vom Teleskop gesammelte Licht auf verschiedene Art und Weise analysieren sollen. "Schon jetzt sind wir in drei solcher Konsortien komplett integriert", betonten die drei Professoren am Institut für Astrophysik der Universität Wien, Joao Alves, Manuel Güdel und Bodo Ziegler. Insgesamt sind sechs bis acht Instrumente geplant, die nach und nach am E-ELT installiert werden sollen. An zwei der allerersten drei Instrumente des E-ELT, sowie einem weiteren, etwas später startenden Detektor, sind die österreichischen Astronomen beteiligt.

Die aktive Beteiligung am Entwurf und Bau dieser Instrumente ist für die heimischen Astronomen aus mehreren Gründen wichtig: "Wir müssen einerseits bei den neuesten technologischen Entwicklungen am Ball bleiben und haben andererseits unsere eigenen wissenschaftlichen Fragestellungen und sollten darauf achten, dass die Instrumente diese auch lösen können", sagte Güdel. Zudem erhalten die am Instrumentenbau beteiligten Gruppen garantierte Beobachtungszeit am E-ELT, so dass die ersten Projekte primär ohne die übliche zeitaufwändige Einwerbung mit massiver internationaler Konkurrenz starten können.

"Wenn wir hoch spezialisiert sind, kommen die Leute nicht an uns vorbei"

Darüber hinaus wollen die drei Professoren in Kooperation mit Astronomen der Universität Innsbruck und Mathematikern der Universität Linz jene Nische vertiefen, in der sie in den vergangenen Jahren schon große Erfahrung aufbauen konnten. "Denn wenn wir hoch spezialisiert sind, kommen die Leute nicht an uns vorbei", so Alves. Konkret handelt es sich dabei um die Bereiche Software-Entwicklung, Daten-Reduktion und -Prozessierung.

"Das Teleskop liefert die Rohdaten, die von uns übernommen und so verarbeitet werden, dass der beobachtende Wissenschafter ein brauchbares Produkt erhält, gleich ob das ein Bild ist, ein Spektrum, eine Zeitreihe, etc.", schildert Güdel beispielhaft seinen Anteil an der Entwicklung des Instruments METIS, das auf Licht im mittleren Infrarotbereich spezialisiert ist und mit dem u.a. Prozesse der Planeten und Sternentstehung analysiert werden können. Alves ist an der Entwicklung der MICADO-Kamera beteiligt, die Bilder im nahinfraroten Lichtbereich aufnehmen soll, während Ziegler in einem Konsortium (OPTIMOS-EVE) beteiligt ist, das einen leistungsstarken Spektrographen konstruiert, der z.B. die Energie des aufgenommenen Lichts weit entfernter Galaxien analysieren soll.

Noch ausständig

Trotz der schon bestehenden Kooperation ist die weitere Mitarbeit der Österreicher am Instrumentenbau noch nicht fix. Denn mit dem ESO-Beschluss zum Bau des Teleskops werden nun auch in den Konsortien Nägel mit Köpfen gemacht. Für eine fixe Zusage von österreichischer Seite fehlt allerdings noch die Finanzierung. Bis 2021 würden für eine Beteiligung der Wiener und Innsbrucker Astronomen und der Linzer Mathematiker in Summe rund drei Millionen Euro benötigt - "Geld, das ausschließlich in die Anstellung wissenschaftlicher Mitarbeiter geht und daher vollständig in Österreich bleibt", betont Ziegler. Weil derzeit die jeweiligen Universitäten ihre Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2013 - 2015 mit dem Wissenschaftsministerium verhandeln, sei nun auch der Zeitpunkt, die entsprechenden Mittel für die Beteiligung zu finanzieren - also konkret eine Million Euro für die kommenden drei Jahre. (APA, 6. 7. 2012)

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