Straflos in Seattle: Verreisen mit dem Auto

Alktest, Feuerlöscher, aber keine Anhalter: Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muss sich oft an Skurriles gewöhnen. Oder blechen

Sommer, Sonne, Urlaubs-Schreck. Wer sich schon vor dem Urlaub für den Fall der Fälle wappnen will, sollte sich tunlichst schlau über landeseigene Sitten machen. derStandard.at hat sich bei den Automobilclubs umgehört.

So klingt es wie ein müder Witz, ist aber wahr: In Frankreich gilt seit dem 1. Juli die Mitführpflicht eines Alkoholtests. Nicht um die Polizeikontrolle auszubooten - weit gefehlt. Nein, der Autofahrer soll selbst seinen Blutalkohol präventiv testen. Wer kein solches an Tankstellen erhältliches Set im Auto hat, muss mit einer Geldbuße rechnen. Silvie Bergant vom ÖAMTC: "Frankreich ist ein Land mit sehr vielen durch Alkohol verursachten Verkehrsunfällen." Dass das Gerät allerdings abschreckend wirkt, bezweifelt die Reiseexpertin: "Unter Umständen fördert der Alkoholtest, dass man sich eine Promillegrenze herantrinkt." Zudem seien die Einwegtestgeräte ungenau.

Seit Anfang Mai ist in Serbien, dem Land mit dem europaweit größten Mitführ-Dschungel, die Verpflichtung, ein Ersatzlampenset mitzuführen, gefallen. Geblieben ist unter anderem die Mitführpflicht eines europäischen Unfallberichts, eines Abschleppseils und eines Ersatzreifens. Ist im Auto baulich kein Platz für den rettenden Pneu vorgesehen, geben sich die serbischen Behörden auch mit einem Pannenspray zur notdürftigen Reparatur des Reifens zufrieden. Die Ersatzlampenpflicht gilt aber nach wie vor in Ungarn, Tschechien oder Slowenien. 

Carabinieri auf Rechnungsfang

Mitführpflicht der anderen Art findet sich beim südlichen Nachbarn Italien. Rechnungen und Kassazettel sind ein Muss, und "sei es nur für ein Eis", plaudert Thomas Haider, Reiseexperte beim ARBÖ, aus dem Nähkästchen. Seit Anfang des Jahres dürfen in Italien außerdem Beträge bis maximal 1.000 Euro bar bezahlt werden. Ohne Rechnung droht auf jeden Fall eine Strafe. Die kann von 20 Euro bis hin zu einer Anzeige reichen. Die Finanzpolizei kontrolliert regelmäßig, nicht zuletzt wegen der klammen Staatskassen vermehrt und nutzt das auch als Einnahmequelle.

Grundsätzlich sind Strafen an Ort und Stelle zu bezahlen. Innerhalb der EU gibt es ein Eintreibeabkommen, das laut ARBÖ-Experten Haider aber sehr schleppend umgesetzt wird. Das heißt, eine nicht bezahlte Strafe im Ausland wird eher selten in Österreich eingetrieben. Lediglich mit Deutschland und der Schweiz funktioniert die grenzüberschreitende Exekution gut. Dennoch sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn man einen Strafzettel unbeachtet im Mistkübel verschwinden lässt. Denn die Strafe verfällt nicht automatisch, und kann sich über Jahre auf einen schmerzhaften Betrag aufsummieren. 

Teuer werden kann es aber auch schon von Anfang an. Wer auf slowenischen Autobahnen ohne Vignette erwischt wird, dem drohen Strafen von bis zu 800 Euro. Im schlimmsten Fall landet auch das Auto konfiszierterweise in Polizei-Gewahrsam. Außerdem weist ARBÖ-Fachmann Haider darauf hin, dass auch die Rechnung für die Vignette in Slowenien mitzuführen ist.

Kein Feuerlöscher? Geht nicht

Zurück zu den Mitführpflichten. Etwas skurril muten die Bestimmungen in Griechenland, den baltischen Ländern und in der Türkei an, einen Feuerlöscher mitzuführen. Sehr viele Länder, wie beispielsweise Italien, Slowenien und Kroatien bestehen zudem darauf, Warnwesten für alle Fahrzeuginsassen mitzuführen, weiß Bergant vom ÖAMTC. Für den Strandurlaub in Montenegro muss die Weste nicht nur mitgeführt werden, sie muss sichtbar und leicht greifbar über dem Fahrersitz hängen. Damit erspart man sich eine Strafe von 20 bis 30 Euro. In Österreich reichen übrigens Pannendreieck, Autoapotheke und eine Warnweste.

Apropos Auto-Apotheke: Für in Tschechien zugelassene Fahrzeuge hat die gemeine Schere nichts zu melden. Die Vorschrift sieht ein 14 Zentimeter langes, gebogenes Exemplar mit abgerundeten Spitzen vor. Auch was eine Geschwindigkeitsüberschreitung kostet, variiert im Ländervergleich stark. Grundsätzlich wird in den skandinavischen Ländern generell am strengsten, in Norwegen am höchsten gestraft. Wer hier das Tempolimit um 50 km/h überschreitet, zahlt 1.500 Euro. Nachsatz Bergant: "Mindestens. Nach oben ist die Grenze immer offen."

Alkohol am Steuer ist in Europa unterschiedlich geregelt. Die Promillegrenze reicht von 0,0 (zB in Tschechien) über 0,2 (zB in Griechenland) über 0,5 (zB in Kroatien) bis zu 0,8 Promille (zB Großbritannien). Bei der Ahndung von Lenken unter Alkoholeinfluss sind die skandinavischen Länder besonders streng. In Schweden oder Dänemark beispielsweise bemisst sich die Strafhöhe an dem Einkommen des Delinquenten. Das heißt: Je mehr man verdient, desto mehr zahlt man. Die Strafe kann bis zu 40 Tagessätze ausmachen, das ist dann mehr oder weniger ein Monatsgehalt, das flöten geht. Die Nullkommanull-Grenze in Tschechien wird ebenfalls streng kontrolliert, Strafen von 900 bis 1.800 Euro können anfallen, bis hin zu drei Jahren Gefängnis kann man ausfassen.

In den Häfen fürs tote Rentier

Wer in Skandinavien übrigens ein Rentier über den Haufen fährt, dem sei tunlichst angeraten, den Unfall bei der Polizei zu melden. Sonst kann man nämlich bald auch für ein paar Tage in einem finnischen oder schwedischen Gefängnis landen.

Selbst in Ländern, wo man weniger hohe Strafen vermuten würde, langt der Fiskus ordentlich zu. Ein Parkdelikt kommt in Spanien auf stolze 200 Euro. Telefonieren im Auto ist ausnahmslos nur mit einer fix eingebauten Freisprechanlage erlaubt. Kabelloses Headset - Fehlanzeige. Wer sich nicht an die Bestimmung hält, legt ebenfalls ab 200 Euro aufwärts hin. Nur zur Erinnerung: In Österreich werden dafür 50 Euro fällig.

Aber nicht nur Autofahrer müssen auf der Hut sein, wenn sie sich im Ausland bewegen. So verlangt das ungarische Recht zum Beispiel, dass Radfahrer außerhalb des Ortsgebietes eine Warnweste tragen müssen. Wer sich das schicke gelbe, grüne oder orange Teil nicht umhängt, der läuft Gefahr, 30 bis 40 Euro zu blechen. In Tschechien haben Fußgänger absoluten Vorrang, egal, ob sie bei einem Zebrastreifen die Straße überqueren oder nicht. Dafür müssen Fußgänger in der Slowakei aufpassen, wenn sie mit Kopfhörern unterwegs sind. Eine Straße überqueren dürfen sie mit den Stöpseln in den Ohren nämlich nicht, das kostet bis zu 200 Euro, wenn man erwischt wird. 

Please, don't smoke in your car

Reisende, die mit dem eigenen Fahrzeug nach Großbritannien reisen, sollten sich nicht nur über den Linksverkehr generell Gedanken machen. Bei "Festland-Autos" sind nämlich die Scheinwerfer so eingestellt, dass sie am Kontinent den Gegenverkehr nicht blenden. Auf der Insel bringt das wenig, weil man auf der anderen Hälfte der Straße fährt. "Deswegen muss man die Scheinwerfer mit eigens vorgesehenen Folien abkleben. Die kann man in Großbritannien an jeder Ecke kaufen", erklärt Haider. In England darf man in Mietwägen nicht rauchen, in Schottland gleich in gar keinem Auto - nicht einmal im eigenen.

Für Auto-Reisende in den USA rät der ARBÖ-Experte, sich vor Ort schlau zu machen. Für so gut wie jeden Bundesstaat gelten eigene Gesetze. Grundsätzlich gilt: Wenn die Polizei einen auf Amerikas Straßen aufhält, nicht aussteigen und die Hände sichtbar am Lenkrad halten. Denn alles andere kann zu groben Schwierigkeiten führen. Außerdem sollten USA-Urlauber aufpassen, wenn sie Alkohol kaufen. Das Sixpack Bier fürs Motel-Zimmer einfach einmal so auf dem Beifahrersitz zu stellen, kann teuer werden. Am besten, man packt das Ganze in den Kofferraum, so Haider. 

Strafe im Mietwagen

In der Türkei und in Zypern ist ein zweites Pannendreieck Pflicht. All diese Vorschriften sind auch zu berücksichtigen, wenn man mit dem Mietwagen unterwegs ist - eine Falle für viele Reisenden, warnt die ÖAMTC-Expertin. Häufig sparen es sich die Autovermieter, die Wägen entsprechend aufzurüsten. Die Verantwortung wie auch eine allfällige Strafe treffen den Reisenden. Doppelte Vorsicht ist geboten: Für Mietwägen, also im jeweiligen Land zugelassene Fahrzeuge, gelten meist zusätzliche Mitführverpflichtungen. Kommt es zu einem Verkehrsverstoß, fackeln Mietwagenfirmen meist nicht lange und buchen die Strafe oder auch zusätzliche Gebühren automatisch von der Kreditkarte des Kunden ab. Häufig ohne eine Erwähnung. Häufig mit dem sprichwörtlichen "avanti, avanti", das man aus Italien kennt. Bergant: "In einem Fall wurde einem Urlauber in Sorrent innerhalb von vier Minuten gleich zweimal der Betrag für ein- und dasselbe Delikt abgebucht." Es lohnt also, nach der Auslandsreise seine Kreditkartenrechnungen noch einige Monate im Auge zu behalten, um rechtzeitig zu intervenieren. 

Rechtzeitig sollte man auch in Griechenland reagieren. Verkehrsdelikte müssen innerhalb von zehn Tagen bezahlt werden. Versäumt man die Frist, verdoppelt sich die Summe und kann bei den 350 Euro für einen Überholverstoß schon recht teuer werden.

Dies und das

Abschließend noch einige Kleinigkeiten zum Auswendiglernen: Bulgarien erlaubt Parken in Einbahnstraßen nur auf der linken Straßenseite, für Deutschland-Reisende ist die Mitnahme einer Rettungsdecke verpflichtend vorgeschrieben, außerdem - und jetzt aufgepasst: Das Stehenbleiben wegen Spritmangels auf deutschen Autobahnen kann bestraft werden. Frankreich treibt es nicht weniger bunt: Gelb-markierte Straßenränder bedeuten: Parken verboten, Blau-markierte hingegen: Parken nur mit Parkscheibe. Kroatien wiederum verbietet das Mitführen eines Reservekanisters (davon sieht Deutschland glücklicherweise ab), in Russland dürfen Anhalter von Ausländern nicht mitgenommen werden. In Ungarn schon, was mitunter sehr hilfreich sein kann: einem Fahrzeug mit abgelaufenem Pickerl droht hier nämlich die Demontage des Kennzeichens, dem Autofahrer die Abnahme der Zulassungspapiere und eine hohe Geldstrafe; ...

Wer sich das alles nicht merken will, die Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC bieten hier und hier alle nötigen Informationen. (Daniela Rom, Sigrid Schamall, derStandard.at, 6.7.2012)

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