Nach Panzerunfall in Allentsteig: Soldat hätte nicht fahren dürfen

6. Juli 2012, 12:29
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Luke des Panzers war offen

Allensteig - Der beim Panzerunfall am Donnerstag auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig (Bezirk Zwettl) getötete Soldat hatte keine gültige Fahrberechtigung, berichtete die Bundesheer-Untersuchungskommission am Freitag. Trotz aufrechten zivilen Führerscheins war dem 21-Jährigen die militärische Fahrberechtigung von November 2011 bis Mitte Juli 2012 entzogen worden. Der Panzerfahrer wurde von Erdmassen vollständig begraben und ist noch an der Unfallstelle gestorben.

Der zivile Führerschein war dem jungen Mann im vergangenen Jahr abgenommen worden, sagte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, auf APA-Anfrage. Den Grund durfte er aus Datenschutzgründen nicht nennen. Damit gekoppelt war der Soldat auch seine militärische Lenkerberechtigung los. Den "normalen" Führerschein hatte er mittlerweile zurückerhalten.

Loch nicht erkennbar

Laut Zwischenbericht zum Unfallhergang war das Loch für den Panzerfahrer und den Kommandanten nicht erkennbar, da der Boden durch Niederschläge in den vergangenen Tagen stark durchnässt war. Die Oberfläche hatte auf festen Untergrund schließen lassen. Bei der Bodenunebenheit handelte es sich um ein aufgefülltes ehemaliges Sprengloch mit einem Durchmesser von rund sieben Metern, so die Kommission. Derzeit gebe es keine Hinweise auf einen Fahrfehler oder technische Gebrechen.

"Obwohl die Unfallkommission feststellte, dass das Fehlen der militärischen Lenkerberechtigung keine Auswirkungen auf den Unfall haben konnte, wird das Bundesheer disziplinäre Maßnahmen setzen", betonte das Verteidigungsministerium. Franz Hütter, Sprecher der Anklagebehörde, bestätigte den Bericht des STANDARD, dass die Staatsanwaltschaft Krems ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet hat.

Psychologische Betreuung

Der Vorfall hatte sich gegen 10 Uhr bei einer Ausbildungsfahrt ohne Munition ereignet. Der Schützenpanzer vom Typ Saurer A1 brach im Raum Kirchenholz in ein mit Morast, Wasser und Erde gefülltes Loch und versank. Unmittelbar danach bildete sich eine etwa 20 Zentimeter dicke feste Erdschicht aus Morast, Pflanzen und Wurzelwerk über dem Schützenpanzer. Fahrer- und Kommandantenraum füllten sich sofort mit Schlamm. Für den mit offener Luke fahrende Wachtmeister kam jede Hilfe zu spät.

Der bei dem Unfall leicht verletzte 27-jährige Panzerkommandant wurde mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Er erlitt Prellungen im Brust- und Wirbelsäulenbereich und wird - wie auch die Grundwehrdiener, die sich im Freien auf der "Ladefläche" befanden und unverletzt davonkamen - weiterhin psychologisch betreut. (APA, 6.7.2012)

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    Das Loch war für den Panzerfahrer nicht erkennbar, da der Boden durch Niederschläge in den vergangenen Tagen stark durchnässt war.

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