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Rom - Nach zwei gescheiterten Versuchen ist der neue Verwaltungsrat von Italiens öffentlich-rechtlicher TV-Anstalt RAI ernannt worden. Die parlamentarische Kommission für die RAI-Aufsicht hat die sieben Mitglieder des Boards gewählt, der das Staatsfernsehen leiten soll. Neue Mitglieder des Verwaltungsrats sind die Bauunternehmerin Luisa Todini, die Schriftstellerin Benedetta Tobagi, der Ex-Staatsanwalt Gherardo Colombo und der Medienrechtsexperte Antonio Pilati. Im Amt bestätigt wurden die RAI-Aufsichtsratsmitglieder Antonio Verro, Guglelmo Rositani und Rodolfo De Laurentiis.
Die bisherige Vizedirektorin der Notenbank Anna Maria Tarantola soll zur neuen RAI-Präsidentin aufrücken, sie muss zuvor jedoch die Zustimmung von zwei Drittel der Mitglieder der parlamentarischen RAI-Kommission erhalten. Tarantola war in den vergangenen Wochen vom Premier Mario Monti für die RAI-Führung designiert worden. Mit der Ernennung der Notenbank-Vizedirektorin will Monti einen entscheidenden Schritt unternehmen, um den starken Einfluss der Parteien auf die RAI zu reduzieren. Die Parteien hatten bisher stets bei der Besetzung der Chefpositionen bei der RAI das Sagen gehabt.
Medienpluralismus
Die Kandidatur der Aufsichtratmitglieder Tobagi und Colombo war von Organisationen vorgeschlagen worden, die sich für Medienpluralismus einsetzen. Der bekannte Ex-Staatsanwalt Colombo, seit 2009 Präsident der Verlagsgruppe Garzanti, hält seit seiner Pensionierung Vorträge in den Schulen zum Thema Legalität. Benedetta Tobagi ist Tochter eines 1980 von der linksextremistischen Terrorgruppe " Roten Brigaden" erschossenen Journalisten der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera", Walter Tobagi. Die beiden Kandidaten sollen Garanten für Medienpluralismus im Staatsfernsehen sein.
Der Präsident der Kommission für die RAI-Aufsicht, Sergio Zavoli, begrüßte die Wahl des neuen Verwaltungsrats. "Ab heute wird sich vieles ändern", versicherte Zavoli. Wichtige Schritte seien unternommen worden, um das Staatsfernsehen schrittweise vom Einfluss der Parteien zu befreien.
Der neue Aufsichtsrat wird sich mit dem Problem der zunehmenden Verschuldung der RAI auseinandersetzen müssen. Das Defizit kletterte in den letzten fünf Jahren auf 1,7 Milliarden Euro. 27 Prozent der Italiener zahlen die Fernsehgebühr nicht, was für die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt fehlende Einnahmen in Höhe von cirka 600 Mio. Euro bedeutet. Massive Investitionen im Digitalisierungsbereich sind der RAI zuletzt teuer zu stehen gekommen. Auch sinkende Einschaltquoten belasten die RAI. (APA, 6.7.2012)
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