Abriss in Wien: Bösendorfer-Fabrik ist Geschichte

Thomas Trenkler
6. Juli 2012, 07:28
  • Langgestreckte Fassade mit Korbbogentor: die ehemalige Bösendorfer-Fabrik in der Graf-Starhemberg-Gasse 14. Hier werden 80 Wohnungen samt Tiefgarage errichtet.
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    Langgestreckte Fassade mit Korbbogentor: die ehemalige Bösendorfer-Fabrik in der Graf-Starhemberg-Gasse 14. Hier werden 80 Wohnungen samt Tiefgarage errichtet.

Die ehemalige Klavierfabrik wird abgerissen

Wien - Ab Montag verschwindet in der Wieden ein Stück österreichischer Identität: Im Auftrag der Linzer Real-Treuhand Immobilien, einer Tochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, wird die ehemalige Bösendorfer-Fabrik abgerissen. Auf dem 2711 Quadratmeter großen Areal sollen 80 Miet- und Eigentumswohnungen samt Tiefgarage errichtet werden.

Am 25. Juli 1828 gründete Ignaz Bösendorfer in Wien ein Unternehmen, das binnen kurzer Zeit Weltgeltung erlangen sollte. Denn seine Klaviere zeichneten sich sowohl durch einen klaren, warmen Klang als auch eine äußerst solide Verarbeitung aus. Die Flügel hielten selbst dem impulsiven Spiel von Franz Liszt stand.

Nach dem Tod von Ignaz Bösendorfer 1859 übernahm dessen Sohn Ludwig die Geschäfte. 1870 übersiedelte das Unternehmen in ein bestehendes Fabrikgebäude in der Graf-Starhemberg-Gasse 14, das 1871 bis 1873 adaptiert wurde. Die Bedeutung von Bösendorfer als Konzertflügel nahm auch in den nächsten Jahrzehnten zu. Die Reputation verlor der Klavierbauer im Zweiten Weltkrieg bzw. in der Nachkriegszeit, als nicht oder nur ungenügend produziert werden konnte: Steinway eroberte konkurrenzlos den Markt.

Nach Wiener Neustadt verlegt

1966 wurde das Unternehmen von der US-Firma Kimball-International übernommen, 1973 verlegte man die Fertigung zum Großteil nach Wiener Neustadt, 2007 kaufte Yamaha das Unternehmen von der Bawag, 2010 wurde die Fabrik auf der Wieden stillgelegt.

Damals kam es zu einer Unterschutzstellung des straßenseitigen Traktes durch das Bundesdenkmalamt. "Ich hatte aber damals schon Bauchweh", so BDA-Präsidentin Barbara Neubauer. "Das Objekt selbst hat keine Denkmalqualität." Die drei Besitzerinnen der Liegenschaft gingen in die Berufung - und das Kulturministerium hob den Bescheid im November 2011 auf. Laut Neubauer sei die Entscheidung völlig richtig gewesen: "Wir sollten uns auf die wirklich schützenswerten Objekte konzentrieren." Die Bösendorfer-Fabrik sei ein "klassischer Gedenktafelfall", mehr nicht.

Im Jänner dieses Jahres erwarb die Real-Treuhand die Immobile. Im Herbst soll das Projekt eingereicht werden, man rechnet mit einem Baubeginn Mitte 2013. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 6.7.2012)

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Hauptsache das schiache und unsanierbare ORF Gebäude steht unter Denkmalschutz .....

Früher identifizierte man Österreich mit hochwertigen Musikinstrumenten, ...

heute mit hochpreisiger Brause.

alte häuser sind zwar schon zum anschauen, bringen aber zu wenig profit... dem wirtschaftswachstum zuliebe muss da ja der bagger kommen :-O

Das Dach ist abgedeckt, die Fenster rausgerissen und die Staubwolken ziehen durch die angrenzenden Gärten. Es tut weh, das zu sehen, und nicht nur weil ich Anrainerin bin. Solche niedrigen Gebäude (mit verwachsenen Freiräumen dazwischen), Häuser, die Marder in der Nacht auf ihrem Dachfirst einen Platz zum Flanieren bieten - solche Häuser braucht es doch, um in einer Stadt atmen zu können.

Mir tut es eher um den Bösendorfer Sall leid. Er hatte gerade eine für Aufnahmen und Kammermusik gut geeignete Akustik.

Langgestreckte Fassade mit Korbbogentor...

Kann vielleicht jemand dem Texter erklären was ein Korbbogen ist?

Das Tor wird nach oben hin mit einem mehr oder weniger perfekten (Halb)Kreisbogen abgeschlossen.

Man sollte Fachausdrücke nur dann verwenden, wenn man sich dabei auskennt...

Zugabe...

...im DEHIO Wien II. bis IX. Bezirk Auflage 1993 steht doch tatsächlich unter

"GRAF-STARHEMBERG-GASSE.
Nr. 14: Bösendorfer Klavierfabrik. Umbauten A. 18. Jh. und 1871-73; glatte langgestreckte Fassade mit verbreiterter Mittelachse, Korbbogentor und tonnengewölbte Einfahrt; im Hof Werkstättengebäude."

Man glaubt es kaum, der Torbogen ist ein nahezu perfekter Halbkreis, irgendwie hat da der/die VerfasserIn wohl glatt die architektonischen Formenlehre (Propädeutik der Baukunst) geschwänzt.

Gut, das Ding ist in kürzester Zeit ohnedies nur mehr ein abzutransportierender Schutthaufen und es pfeift sich keiner mehr was.

Nichts desto sollten die im "Kurzinventar" angeführten wichtigsten Daten und Fakten zu den Bauwerken stimmen...

ein korbbogen ist eben nicht halbkreisförmig - haben sie ein bild vom tor - oben sieht man ja nur die fenster

Schade drum

Warum nicht in diesem Gebäude Wohnraum schaffen?

mrg

Weil in oessi land der staat beschlossen hat dem eigentuemer vorzuschreiben was er fuer ein vor 45 gebautes objekt an miete verlangen kann. Fuer schoenere wohnsubstanz (hohe raeume, dicke waende) soll man halt weniger zahlen. Erhaltung kostet ja bekanntlich nichts. Also wird abgerissen und mit 2.5 m stockwerkshoehe geht sich nun ein stockwerk mehr aus und die miete ist frei vereinbar. Das kommt raus wenn der staat reguliert.

Mei liab. Ein Zeitreisender aus den 80ern oder einfach schwer von Begriff?

Sie meinen mehr 2,50 m lichte Raumhöhe als Mindestraumhöhe für Aufenthaltsräume in Wohnungen und Ihre "Stockwerkshoehe" ist die Geschosshöhe, also lichte Raumhöhe zuzüglich Höhe der gesamten Deckenkonstruktion. Da geht unter 30 cm sehr wenig, somit resultiert die Geschosshöhe dann von 2,80 m an aufwärts.

Ins Dachgeschoss kann man auch noch zwei Unterstockwerke einfügen ...

"...1870 übersiedelte das Unternehmen in ein bestehendes Fabrikgebäude..."

Was macht eigentlich das Denkmalamt, außer nichts??

Das Kaffeehaus Landmann darf ein Aquarium auf ein Haus im Ringstraßenstil heften, In der Stadt dürfen Freunde der Frau Stenzel ohne Genehmigung Wintergärten bauen und nun reißt man ein Haus ab, das über 140 Jahre alt ist...

Aber Hauptsache die Bewohner der Werkbundsiedlung mussten die sanierten Fenster auf eigene Rechnung zurück bauen, weil es das Denkmalamt es so will...

Welche Existenzberechtigung haben diese Damen und Herren eigentlich???

Das Café Landtmann hat als Planer sich den "Denkmalexperten" Prof. Dr. Wehdorn bzw. die Wehdorn Architekten ZT GMBH als Planer gegönnt und da geht dann so etwas.

"Der Wintergarten wurde von Wehdorn Architekten in Abstimmung mit der Stadt Wien und der Bezirksvertretung ent-worfen und berücksichtigt in seiner Konzeption die historische Bedeutung des Cafés Landtmann für die Wiener Innenstadt" (Zitat echo.at) und weiter

"Top-Wehdorn-Projekte wie beispielsweise das MuseumsQuartier, die Gasometer City oder die Redoutensäle der Wiener Hofburg zeigen einen verantwortungsvollen Umgang mit Tradition und Moderne und versprechen auch beim Landtmann-Wintergarten architektonisch Anspruchsvolles" Zitat ebendort

...da haben Sie es schwarz auf weiß

"..Der Wintergarten wurde von Wehdorn Architekten in Abstimmung mit der Stadt Wien und der Bezirksvertretung ent-worfen und berücksichtigt.."

Und gegen den Willen des Hausbesitzers...
Ein Schelm der jetzt glaubt das geht nur, weil der Landmann ein Treffpunkt aller Politiker ist... ^^

Nebenbei empfinde ich persönlich das Museumsquatier als eine architektonische Frechheit mit dem neu gebauten Bunker...

Aber was weiß ich schon...

Die Dürftigkeit der architektonischen Vermüllung einer Stadt ist stets das Spiegelbild der gesellschaftlichen Zustände...

Ich mag ihre Ausführungen... ^^

Danke

!

hie und da kann ich halt ganz einfach nicht anders...

;-)

Der Herr Ingenieur und das Wiener Stadtbild

Ein Stadtbildpfleger der Gemeinde Wien sieht durch ein paar Leuchten, ein Designer-Geschäftsschild und Schaukästen für Speisekarten das örtliche Stadtbild beeinträchtigt. Ausgerechnet am Julius Tandler-Platz. Durch den Patron eines kleinen Restaurants. Das klingt nach Schikane. Und danach, dass die Denkmal- und Stadtbildschützer sehr originell beurteilen, was passt und was nicht.

Mehr unter: http://gesudere.at/blog/?p=4682

Gabel & Co residiert im ehemaligen Cafe Brioni...

einen Ort den der Heimito von Doderer öfters aufsuchte.

In dem von Ihnen verlinkten Artikel ist die Adressangabe schlicht nicht korrekt, das Lokal befindet sich am Julius-Tandler-Platz 1 mit Identadresse Alserbachstraße 31.

Auf Adresse Julius-Tandler-Platz 2 ist hingegen ein schmuckes Call-Shop domiziliert, das sich mit einer besonders subtil angepassten Fassadengestaltung in das Ambiente der späthistoristischen und nicht entdekorierten Fassade bestens einpasst.

Wahrlich, eine brilliante gestalterische Meisterleistung, die offenbar auf die wohlwollende Zustimmung der MA19 traf.

Ein Glück, dass wir die MA19 haben, so viele harmonisch gelungen Dachgeschossausbauten wie die Stadt die letzten Jahrzehnte erhalten hat, einfach 1A!

Ein Danke für den Tippfehler...

...die Hausnummer ist bereits korrigiert!

;-)

Nix da,

meine Tippfehler behalte ich ganz alleine und nur für mich...

;-)

an alle ex-OÖs

lasst eure raiffeisen-kontos in der provinz zurück

Ein weiterer Verlust von musikgeschichtlicher Identität

Nur damit wir wissen,über welches Juwel wir hier reden:
Die früheste Bebauung des Bösendorfer -Grundstücks findet sich auf einem Plan aus 1773. Der Straßentrakt fehlt am Stadtplan von 1832.1850 ist das Grundstück als verbaut angegeben. Da die Hauspläne von 1871 den Straßentrakt als Bestand und nicht als Neubau ausweisen, kann man annehmen, dass er zwischen 1832 und 1871 erbaut wurde, als Werkstätten - oder jedenfalls gewerbliches Gebäude.Im Lichthof befinden sich noch Reste der alten "Mittelgasse".
Es ist typisch für unsere oberflächliche Zeit:Was keinen Profit mehr hergibt, wird sofort weggeworfen!Es tut weh, den Abbruch des 2.BÖ-Saals zu erleben.Ich erwarte mir vom Bauträger, daß eine Bösendorfer Gedenktafel am Neubau angebracht wird!!

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