Abriss in Wien: Bösendorfer-Fabrik ist Geschichte

  • Langgestreckte Fassade mit Korbbogentor: die ehemalige Bösendorfer-Fabrik in der Graf-Starhemberg-Gasse 14. Hier werden 80 Wohnungen samt Tiefgarage errichtet.
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    Langgestreckte Fassade mit Korbbogentor: die ehemalige Bösendorfer-Fabrik in der Graf-Starhemberg-Gasse 14. Hier werden 80 Wohnungen samt Tiefgarage errichtet.

Die ehemalige Klavierfabrik wird abgerissen

Wien - Ab Montag verschwindet in der Wieden ein Stück österreichischer Identität: Im Auftrag der Linzer Real-Treuhand Immobilien, einer Tochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, wird die ehemalige Bösendorfer-Fabrik abgerissen. Auf dem 2711 Quadratmeter großen Areal sollen 80 Miet- und Eigentumswohnungen samt Tiefgarage errichtet werden.

Am 25. Juli 1828 gründete Ignaz Bösendorfer in Wien ein Unternehmen, das binnen kurzer Zeit Weltgeltung erlangen sollte. Denn seine Klaviere zeichneten sich sowohl durch einen klaren, warmen Klang als auch eine äußerst solide Verarbeitung aus. Die Flügel hielten selbst dem impulsiven Spiel von Franz Liszt stand.

Nach dem Tod von Ignaz Bösendorfer 1859 übernahm dessen Sohn Ludwig die Geschäfte. 1870 übersiedelte das Unternehmen in ein bestehendes Fabrikgebäude in der Graf-Starhemberg-Gasse 14, das 1871 bis 1873 adaptiert wurde. Die Bedeutung von Bösendorfer als Konzertflügel nahm auch in den nächsten Jahrzehnten zu. Die Reputation verlor der Klavierbauer im Zweiten Weltkrieg bzw. in der Nachkriegszeit, als nicht oder nur ungenügend produziert werden konnte: Steinway eroberte konkurrenzlos den Markt.

Nach Wiener Neustadt verlegt

1966 wurde das Unternehmen von der US-Firma Kimball-International übernommen, 1973 verlegte man die Fertigung zum Großteil nach Wiener Neustadt, 2007 kaufte Yamaha das Unternehmen von der Bawag, 2010 wurde die Fabrik auf der Wieden stillgelegt.

Damals kam es zu einer Unterschutzstellung des straßenseitigen Traktes durch das Bundesdenkmalamt. "Ich hatte aber damals schon Bauchweh", so BDA-Präsidentin Barbara Neubauer. "Das Objekt selbst hat keine Denkmalqualität." Die drei Besitzerinnen der Liegenschaft gingen in die Berufung - und das Kulturministerium hob den Bescheid im November 2011 auf. Laut Neubauer sei die Entscheidung völlig richtig gewesen: "Wir sollten uns auf die wirklich schützenswerten Objekte konzentrieren." Die Bösendorfer-Fabrik sei ein "klassischer Gedenktafelfall", mehr nicht.

Im Jänner dieses Jahres erwarb die Real-Treuhand die Immobile. Im Herbst soll das Projekt eingereicht werden, man rechnet mit einem Baubeginn Mitte 2013. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 6.7.2012)

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