Glamour-ferne Architektur

25. Juni 2003, 14:35
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"Jenseits der Form": Das Architekturzentrum Wien zeigt das subtil sparsame Werk von Lacaton & Vassal

Wien - Im Zentrum der Zehnjahresfeiern im Architekturzentrum Wien (Az W) steht die Ausstellung "Jenseits der Form", die von Donnerstag, 26. Juni, bis zum 6. Oktober das Werk der beiden französischen Architekten Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal vorstellt.

26 Projekte der Gestalter des Az W-eigenen "Una"-Cafes werden in atmosphärischen Stimmungsaufnahmen, Filmen und Plänen gezeigt, die modell- und skizzenlose Arbeitsweise der "armen" - im Sinne von ohne Star-Glamour agierenden - Architekten im Detail präsentiert.

Tag der offenen Tür

Zum Jubiläum des Az W erscheint eine etwa 270 Seiten starke Publikation, die ab dem Tag der offenen Tür am Freitag (27. Juni) zum runden Jubiläumspreis von zehn Euro erhältlich ist und einen Überblick über Geschichte, Ausstellungen und inhaltliche Ausrichtung des Az W bietet. "Ein ziemlich dichtes Buch", so Az W-Leiter Dietmar Steiner am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Ebenfalls am Tag der offenen Tür werden auch die einem Relaunch unterzogenen virtuellen Pforten des Az W (neu) geöffnet. In einer Kinderaktion entwerfen zehnjährige WienerInnen Häuser der Zukunft, zehn von ihnen werden als Gewinner zu "lebenslangem freien Eintritt ins Az W verurteilt", schmunzelte Steiner.

"Freudvolle Gelassenheit"

Die Situation in Wien in Bezug auf Aktivitäten rund um die Architektur sei "grundlegend anders" als vor zehn Jahren, so Steiner. "Wien ist hier weltweit die aktivste Stadt", meinte der Az W-Leiter, der dem immer breiter werdenden Angebot auch anderer Institutionen in seinem Spezialgebiet mit "freudvoller Gelassenheit" gegenüber steht. "Das dient der Sache der Architektur. Jeder, der mehr darüber wissen will, wird soundso zu uns kommen".

Zum runden Geburtstag langten Statements und Glückwünsche von Architekten, Politikern und Kunstschaffenden ein, MuseumsQuartier-Architekt Laurids Ortner etwa schreibt über das Az W, es habe sich "im Gegensatz zu anderen egomanisch geführten Anstalten ein autonomer Geist entwickelt, der eines fernen Tages auch ohne seinen großen Direktor weiterzuwirken vermag". "Wenn das so ist, dann habe ich mein Ziel erreicht", kommentierte Steiner.

Zu Lacaton & Vassal

Gleichzeitig mit der Eröffnung des Az W 1993 (gegründet wurde es schon im Jahr davor) traten Lacaton & Vassal in die internationale Debatte ein. Ihre Verweigerung des Spektakulären als architektonische Lösung durch die "wahrscheinlich radikalsten Architekten unserer Zeit", so die Az W-Presseunterlagen, sei in einer Zeit, wo "Architektur vor allem als Produzent von spektakulären Bildern" gesehen wird, "geradezu provokativ".

So sei laut Steiner das von ihnen renovierte "Palais de Tokyo" Jury-Favorit beim diesjährigen Mies van der Rohe EU-Architekturpreis gewesen. Gewonnen habe dann Zaha Hadid - für Steiner "aus strategischen Gründen der Jury". Es sei schwierig, einen Architekturpreis an ein Projekt zu vergeben, "bei dem man eben nicht sieht, was die Architekten gemacht haben". "Dass man mit fast nichts so viel machen kann, ist der Gedanke, der uns immer wieder leitet", so Lacaton & Vassal.

Die schon in Bordeaux gezeigte Ausstellung wird in Wien auch durch das "1:1 Projekt der Cafeteria" ergänzt, schilderte Kuratorin Caroline Kufferath. Das prominente Grün verweist auf die Leichtigkeit und Verbindung zur Natur, die u. a. in den von Lacaton & Vassal verwendeten Glashaus-Elementen zum Ausdruck kommt. Lacaton & Vassal zeigen etwas "fast Altmodisches: Architektonische Haltung", so Steiner.

"... nicht sehr amüsiert"

Zum Abschluss der Pressekonferenz wies Steiner darauf hin, dass der Bundesanteil an der Az W-Förderung durch achtjährige Nichterhöhung von ursprünglich einem Drittel der Mittel auf ein Sechstel fiel. "Ich habe Kunststaatssekretär Franz Morak (V) vorgeschlagen, wir können uns in Architekturzentrum Weiz umbenennen", so Steiner in Hinblick auf die von Morak propagierte vermehrte finanzielle Dotierung von Bundesländerinstitutionen. "Dann können wir das Logo behalten und sind trotzdem eine steirische Institution. Es hat ihn nicht sehr amüsiert". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die von Lacaton und Vassal gestaltete Cafeteria im Architektur Zentrum Wien mit ihrem farbenprächig gefliesten Deckengewölbe und einem Gast in Untersicht

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